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Junge Menschen in Krise: Depressionen bei 5- bis 24-JĂ€hrigen +30%

27.05.2026 - 03:30:38 | boerse-global.de

Die Zahl psychischer Erkrankungen hat sich seit 1990 fast verdoppelt. Digitale Tools wie HealthIM sollen PolizeieinsÀtze sicherer machen.

Junge Menschen in Krise: Depressionen bei 5- bis 24-JĂ€hrigen +30% - Bild: ĂŒber boerse-global.de
Junge Menschen in Krise: Depressionen bei 5- bis 24-JĂ€hrigen +30% - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Laut aktuellen Daten aus dem Fachmagazin „Lancet“ sind rund 1,2 Milliarden Menschen betroffen. Besonders seit 2019 steigen die Zahlen drastisch: Schwere Depressionen nahmen um 24 Prozent zu, Angststörungen sogar um 47 Prozent.

Digitale Hilfsmittel gewinnen deshalb an Bedeutung. Ein Beispiel: Die kanadische Polizei in Kamloops fĂŒhrte Ende Mai das Tool „HealthIM“ ein. Es verschafft Beamten im Einsatz einen Überblick ĂŒber die psychische Vorgeschichte von Personen – und soll so fĂŒr mehr Sicherheit sorgen.

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Kanadas Polizei setzt auf digitale UnterstĂŒtzung

Die EinfĂŒhrung von „HealthIM“ ist Teil einer Initiative der Regierung von British Columbia. Ziel: PolizeieinsĂ€tze mit psychisch erkrankten Personen sicherer und effektiver machen. Das Tool liefert Hintergrundinformationen in Echtzeit und ermöglicht eine fundiertere LageeinschĂ€tzung. Deeskalationsstrategien lassen sich so gezielter einsetzen.

Auch in Deutschland gibt es Ă€hnliche AnsĂ€tze. In Nordrhein-Westfalen lĂ€uft seit 2021 das PrĂ€ventionsprogramm „Periskop“. Es soll potenzielle Gewalttaten frĂŒhzeitig verhindern. Bislang bearbeitete die Polizei 9.938 PrĂŒffĂ€lle – sie betrafen 6.680 verschiedene Personen.

Doch das System hat LĂŒcken. Auch bei bereits geprĂŒften Personen kam es zu ZwischenfĂ€llen, etwa bei AnschlĂ€gen in Krefeld, Duisburg oder Anfang 2026 in einem Zug bei Siegburg. Die Politik fordert nun verbindliche PrĂ€ventivgesprĂ€che.

Kinder und Jugendliche besonders betroffen

Die Lage bei jungen Menschen ist alarmierend. Laut Analysen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) stieg die Zahl der Depressionen bei 5- bis 24-JĂ€hrigen zwischen 2018 und 2023 um rund 30 Prozent. Bei jedem fĂŒnften Heranwachsenden besteht zudem der Verdacht auf eine Essstörung.

Die Versorgungssysteme sind ĂŒberlastet. Im Durchschnitt betrĂ€gt die Wartezeit auf einen Therapieplatz 28 Wochen. FachverbĂ€nde fordern deshalb eine eigenstĂ€ndige Bedarfsplanung speziell fĂŒr Kinder und Jugendliche.

Neue Behandlungsmodelle werden erprobt. Die DRK Kliniken Berlin Westend eröffneten im FrĂŒhjahr eine Eltern-Kind-Tagesklinik. Das Angebot richtet sich an FĂŒnf- bis NeunjĂ€hrige – in EinzelfĂ€llen bis zwölf Jahre. Ein Elternteil wird aktiv in die sechswöchige teilstationĂ€re Behandlung einbezogen.

Auch spezialisierte Sprechstunden fĂŒr moderne Krankheitsbilder entstehen. Das Klinikum NĂŒrnberg bietet seit FrĂŒhjahr 2023 eine Sprechstunde fĂŒr junge Menschen mit Mediensucht an. Betroffen sind vor allem 14- bis 15-jĂ€hrige Jungen. FĂŒr schwerere FĂ€lle kooperiert die Klinik Schönsicht in Berchtesgaden mit der Berliner CharitĂ©. Zwei Drittel der Teilnehmer hatten zuvor regelmĂ€ĂŸig die Schule geschwĂ€nzt.

Kliniken rĂŒsten sich fĂŒr die Zukunft

Die allgemeine Gesundheitsinfrastruktur wird modernisiert. Mecklenburg-Vorpommern setzte am 22. Mai einen neuen Krankenhausplan in Kraft. KĂŒnftig steuern Leistungsgruppen die Kliniken – nicht mehr nur BettenkapazitĂ€ten. Die konkrete Zuweisung erfolgt im vierten Quartal 2026.

An den Frankfurter Rotkreuz-Kliniken startete im Mai der Bau eines neuen Anbaus. Er beherbergt moderne OperationssĂ€le und eine zentrale Sterilgutversorgung. Finanziert wird das Projekt ĂŒber den Transformationsfonds der Krankenhausreform, der mit bis zu 50 Milliarden Euro dotiert ist.

Auch digitale Lösungen halten Einzug in die Notfallmedizin. Im Landkreis Leipzig wurde am 26. Mai die Ersthelfer-App „Katretter“ eingefĂŒhrt. Sie alarmiert qualifizierte Ersthelfer in der NĂ€he eines Notfalls – noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Bei Herz-Kreislauf-StillstĂ€nden soll so lebensrettende Hilfe innerhalb von fĂŒnf bis acht Minuten eintreffen.

Die unterschÀtzte Gefahr: Hochfunktionale Depression

Trotz aller Technik bleibt die Identifizierung psychischer Krisen schwierig. Fachleute warnen vor dem PhĂ€nomen der hochfunktionalen Depression. Betroffene wirken nach außen stabil und leistungsfĂ€hig – leiden innerlich aber unter extremer Erschöpfung.

Da dies keine offizielle medizinische Diagnose ist, werden Symptome oft ignoriert. Die Folge: Chronifizierung oder erhöhte SuizidalitĂ€t. Experten empfehlen dringend frĂŒhzeitige therapeutische oder medikamentöse UnterstĂŒtzung.

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Die globalen Herausforderungen beschrĂ€nken sich nicht auf die Psyche. Die WHO erklĂ€rte den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo am 17. Mai zum internationalen Gesundheitsnotstand. In der Provinz Ituri hatten KĂŒrzungen der USAID-Mittel dazu gefĂŒhrt, dass Hilfsorganisationen Gesundheitsbezirke aufgeben mussten. Der Ausbruch begann bereits im Februar oder MĂ€rz, wurde aber erst Ende April identifiziert. Bis zum 22. Mai registrierte die WHO 827 FĂ€lle und 176 TodesfĂ€lle. Gegen den vorliegenden Bundibugyo-Stamm existiert kein Impfstoff.

PrÀvention statt Reparatur

Die Notwendigkeit eines Umdenkens war Thema einer Konferenz in Mitwitz Ende Mai. Dort diskutierten Experten den „Masterplan PrĂ€vention Bayern“ mit ĂŒber 250 Einzelmaßnahmen. Ziel: Weg von der reinen Reparaturmedizin, hin zu mehr Gesundheitsförderung.

Digitale Werkzeuge wie „HealthIM“ oder „Katretter“ zeigen den Weg. Doch die personelle und finanzielle Ausstattung bleibt entscheidend. Laut der Lancet-Studie erhĂ€lt weltweit nur jeder elfte Mensch mit schwerer Depression eine minimal angemessene Therapie. Die Kombination aus digitalen Screening-Tools, verkĂŒrzten Wartezeiten und verstĂ€rkter PrĂ€vention wird in den kommenden Jahren entscheidend sein.

de | wissenschaft | 69422889 |