Kaffee, Darm

Kaffee und Darm: Übersichtsarbeit findet keinen klaren Vorteil einer Brühmethode

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Filterkaffee hält bestimmte Fette zurück; Kaffee kann zudem die Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln mindern.

Kaffee und Darm: Zubereitung beeinflusst Inhaltsstoffe und Wirkung
Geröstete Kaffeebohnen und Kaffeepulver auf einem dunklen Holztisch in natürlichem Licht Illustration mit AI erstellt.

Medienberichte greifen vermehrt wissenschaftliche Untersuchungen auf, die sich mit den Auswirkungen verschiedener Zubereitungsmethoden von Kaffee auf das Verdauungssystem befassen. Im Fokus steht dabei die Frage, welche gesundheitlichen Effekte das Heißgetränk über die reine Wirkung von Koffein hinaus auf den menschlichen Darm und das Mikrobiom entfaltet.

Stoffwechselprozesse und die Rolle des Mikrobioms

Eine 2026 in der Fachzeitschrift „Metabolites“ veröffentlichte Übersichtsarbeit von Forschern um Yang wertete Human-, Labor- und Tierstudien aus, um zu analysieren, wie Inhaltsstoffe des Kaffees im Verdauungstrakt aufgenommen und von Darmmikroben verarbeitet werden.

Den Ergebnissen zufolge wird Koffein überwiegend rasch bereits im oberen Verdauungstrakt resorbiert. Andere Bestandteile wie Chlorogensäuren, Melanoidine und Polysaccharide gelangen dagegen bis in den Dickdarm. Dort können sie von den ansässigen Darmbakterien zu Stoffwechselprodukten umgewandelt werden, zu denen unter anderem kurzkettige Fettsäuren zählen.

Sowohl das Röstverfahren als auch die gewählte Zubereitungsart beeinflussen das Profil der Inhaltsstoffe. Zudem bestimmt die individuelle Zusammensetzung des Mikrobioms mit, welche Substanzen letztlich den Dickdarm erreichen und wie diese dort verwertet werden.

Filterung, Brühverfahren und Cholesterinwerte

Hinsichtlich der Zubereitung unterscheiden sich die Resultate vor allem bei der Filtration. Papierfilter halten einen Teil der fettlöslichen Substanzen Cafestol und Kahweol zurück. Ungefilterter Kaffee weist hingegen höhere Konzentrationen dieser Stoffe auf. Ein langfristiger Konsum größerer Mengen ungefilterten Kaffees wird mit einem Anstieg des LDL-Cholesterinspiegels in Verbindung gebracht.

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Trotz dieser Unterschiede bei den Begleitstoffen zeigte bislang keine spezifische Brühmethode einen konsistenten Vorteil für das Mikrobiom oder den Stoffwechsel des Menschen.

Fachleute weisen darauf hin, dass direkte klinische Belege für viele der vermuteten Wirkmechanismen nach wie vor begrenzt sind. Um fundierte Empfehlungen ableiten zu können, fordern die Autoren der Übersichtsarbeit weitere standardisierte Humanstudien, die realistische Konsummengen abbilden.

Motilität des Darms und Einfluss auf die Nährstoffaufnahme

Dass Kaffee die Darmtätigkeit nicht allein über Koffein anregt, verdeutlichen zudem experimentelle Daten: In einer Versuchsreihe der University of Texas Medical Branch erhielten Ratten über einen Zeitraum von drei Tagen Kaffee.

Im Anschluss nahmen die Kontraktionen im Dünn- und Dickdarm der Tiere zu. Dieser darmstimulierende Effekt trat auch bei entkoffeiniertem Kaffee auf, was gegen Koffein als alleinige Ursache für die gesteigerte Motilität spricht.

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Nach den drei Tagen fiel zudem die Gesamtmenge der Bakterien im Kot der Ratten geringer aus. Welche Stoffe und Bakterienstämme im Detail an dieser Veränderung beteiligt sind und ob der Effekt gesundheitliche Vor- oder Nachteile bringt, ist derzeit ungeklärt.

Neben der Bewegung des Darms beeinflussen Kaffeeinhaltsstoffe auch die Aufnahme bestimmter Nährstoffe. Bestimmte Kaffee-Polyphenole können im Verdauungstrakt freies Eisen binden. Dadurch verringert sich die Bioverfügbarkeit von Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Quellen. Das in tierischen Lebensmitteln vorkommende Häm-Eisen ist von diesem Prozess deutlich weniger betroffen.

Personen mit bestehendem Eisenmangel oder einer überwiegend pflanzlichen Ernährung können daher auf einen zeitlichen Abstand zwischen Kaffeekonsum und eisenreichen Mahlzeiten achten; häufig wird dazu geraten, mindestens etwa eine Stunde abzuwarten. Die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C kann die Aufnahme pflanzlichen Eisens wiederum unterstützen.

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