Kali365, Phishing-Plattform

Kali365: Phishing-Plattform umgeht Microsoft-MFA wöchentlich 80x

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 21:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Phishing-Plattform Kali365 umgeht MFA-Schutz in Microsoft-365-Umgebungen und zielt auf Unternehmen ab. Sicherheitsexperten empfehlen erweiterte Gegenmaßnahmen.

Kali365 Phishing-Dienst: Neue Welle von MFA-Umgehungsangriffen auf Microsoft 365
Ein beleuchteter Laptop in einem modernen Büro, der abstrakten digitalen Code anzeigt, symbolisch für Cybersicherheit. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Sicherheitsexperten beobachten derzeit eine signifikante Zunahme koordinierter Cyberangriffe, die über die Phishing-as-a-Service-Plattform (PaaS) Kali365 abgewickelt werden. Das System zielt speziell darauf ab, Sicherheitsmechanismen wie die Multifaktor-Authentifizierung (MFA) in Microsoft-365-Umgebungen zu umgehen. Berichten zufolge werden aktuell wöchentlich mehr als 80 Angriffe registriert, wobei der Schwerpunkt der Aktivitäten primär auf Unternehmen in den Vereinigten Staaten liegt.

Technischer Mechanismus und Diebstahl von OAuth-Tokens

Der Erfolg der Plattform basiert auf der missbräuchlichen Nutzung des sogenannten Device Code Flow von Microsoft 365. Bei dieser Methode werden potenzielle Opfer auf legitime Microsoft-Webseiten geleitet, wo sie aufgefordert werden, einen vom Angreifer bereitgestellten Code einzugeben. Da der Prozess über offizielle Authentifizierungsseiten läuft, schöpfen viele Nutzer keinen Verdacht.

Sobald der Code eingegeben wurde, ist die Plattform in der Lage, OAuth-Tokens zu entwenden. Dies ermöglicht den Hintermännern den Zugriff auf E-Mails, vertrauliche Dokumente und verschiedene Cloud-Dienste der betroffenen Organisationen, ohne dass die Eingabe eines Passworts oder eine erneute Bestätigung durch MFA erforderlich ist. Analysen zeigen, dass in diesem Zusammenhang wöchentlich über 80 öffentliche Sandbox-Sitzungen erkannt werden. Auffällig ist zudem, dass für die Bereitstellung der Phishing-Seiten vermehrt Domains mit der Endung „.de“ verwendet werden.

Bereits im Mai dieses Jahres gab das FBI eine Warnung bezüglich der Aktivitäten von Kali365 heraus. In den darauffolgenden Monaten, insbesondere im Juli, wurde die Plattform als eines von mehreren Werkzeugen identifiziert, die von Akteuren für komplexe Angriffsoperationen genutzt werden.

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Betroffene Branchen und kommerzielles Modell

Das Bedrohungsszenario erstreckt sich über eine Vielzahl von Wirtschaftszweigen. Zu den primären Zielen der Kampagnen gehören Unternehmen aus der Fertigungsindustrie, dem Technologiesektor sowie dem Gesundheitswesen. Ebenfalls im Fokus stehen Regierungsorganisationen, Beratungsunternehmen und Managed Security Service Provider (MSSPs).

Die Plattform wird in einschlägigen Kreisen nach einem Abonnement-Modell vertrieben. Kriminelle können den Zugang zu den Phishing-Tools für rund 250 US-Dollar pro Monat erwerben. Alternativ wird eine Jahresgebühr in Höhe von 2.000 US-Dollar aufgerufen. Dieser niedrige Einstiegspreis ermöglicht es auch weniger technisch versierten Akteuren, professionell wirkende Angriffe auf globale Konzerne durchzuführen.

Strategien zur Risikominimierung

Da herkömmliche MFA-Verfahren allein keinen ausreichenden Schutz gegen den Diebstahl von Tokens bieten, raten Sicherheitsexperten zu erweiterten Schutzmaßnahmen. Eine zentrale Empfehlung ist die gezielte Einschränkung oder vollständige Blockierung des Device Code Flow innerhalb der Microsoft-Konfiguration, sofern dieser für den Geschäftsbetrieb nicht zwingend erforderlich ist.

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Zusätzlich wird der Einsatz von FIDO2-basierten Sicherheitsschlüsseln empfohlen, da diese gegen die hier beobachteten Phishing-Methoden resistent sind. Unternehmen sollten zudem die Überwachung von OAuth-Zustimmungen intensivieren und eine kontinuierliche Verhaltensüberwachung implementieren, um ungewöhnliche Token-Nutzungen frühzeitig zu erkennen. Begleitend dazu wird die Durchführung spezifischer Schulungen für Mitarbeiter nahegelegt, um das Bewusstsein für die Gefahren durch manipulierte Autorisierungsprozesse zu schärfen.

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