Kaliumsalz: Globale Umstellung könnte jährlich 2,96 Millionen Leben retten
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer weltweite Austausch von herkömmlichem Speisesalz durch kaliumangereicherte Alternativen birgt ein erhebliches Potenzial zur Eindämmung kardiovaskulärer Erkrankungen. Eine in der Fachzeitschrift Nature Health erschienene Modellierungsstudie des australischen George Institute for Global Health analysiert die potenziellen Auswirkungen eines solchen Wechsels in 193 Ländern.
Den Berechnungen zufolge könnte eine vollständige globale Umstellung auf kaliumangereichertes Salz jedes Jahr rund 2,96 Millionen Todesfälle sowie 10,17 Millionen Neuerkrankungen an Herz-Kreislauf- und chronischen Nierenleiden verhindern.
Hintergrund dieser Berechnungen ist die enorme globale Krankheitslast: Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachten im Jahr 2023 weltweit 19,2 Millionen Todesfälle, was einem Anstieg von fast 50 Prozent im Vergleich zu vor 30 Jahren entspricht.
Bluthochdruck betrifft global etwa jeden dritten Erwachsenen im Alter zwischen 30 und 79 Jahren, was rund 1,4 Milliarden Menschen entspricht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beziffert die Zahl der betroffenen Erwachsenen auf etwa 1,28 Milliarden.
Deutliche Effekte durch Haushalts- und Industriesalz
Die Auswertungen des George Institute for Global Health differenzieren zwischen verschiedenen Umsetzungsstufen. Würde lediglich das klassische Haushaltssalz in Küchen und auf dem Esstisch ersetzt, ließen sich bereits 1,85 Millionen Todesfälle und 6,19 Millionen Krankheitsfälle pro Jahr abwenden.
Ein zusätzlicher Austausch in Restaurants sowie bei verarbeiteten Lebensmitteln könnte weitere 1,56 Millionen Todesfälle und 5,46 Millionen Erkrankungsfälle jährlich verhindern.
Auf Länderebene fallen die Effekte unterschiedlich aus: In China könnten durch einen vollständigen Umstieg jährlich 1,08 Millionen Todesfälle vermieden werden, in Indien fast 400.000. Für das Vereinigte Königreich errechneten die Forscher ein Potenzial von fast 13.000 vermiedenen Todesfällen sowie rund 60.000 verhinderten Krankheitsfällen pro Jahr.
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Bruce Neal vom George Institute for Global Health wies darauf hin, dass in den meisten Ländern bis zu einer von zehn kardiovaskulären Todesfällen vermeidbar wäre. Zudem hob er hervor, dass in Europa und Nordamerika über 70 Prozent der täglichen Salzaufnahme aus verarbeiteten Produkten und Restaurantmahlzeiten stammen.
Klinische Belege und Leitlinien
Der präventive Nutzen eines teilweisen Austauschs von Natriumchlorid durch Kaliumchlorid wurde bereits 2021 in der im New England Journal of Medicine veröffentlichten „Salt Substitute and Stroke Study“ in ländlichen Gemeinden Chinas untersucht.
An der Untersuchung nahmen 20.995 Personen über einen Zeitraum von rund 4,7 Jahren teil. Das Durchschnittsalter lag bei 65 Jahren; die Probanden hatten entweder bereits einen Schlaganfall erlitten oder waren über 60 Jahre alt und litten an Bluthochdruck.
Die dort eingesetzte Mischung bestand aus 75 Prozent Natriumchlorid und 25 Prozent Kaliumchlorid. In der Interventionsgruppe traten 29,14 Schlaganfälle pro 1000 Personenjahre auf, verglichen mit 33,65 in der Kontrollgruppe mit gewöhnlichem Salz, was einer relativen Reduktion von rund 14 Prozent entsprach.
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Zudem zeigten sich weniger schwere kardiovaskuläre Ereignisse und Todesfälle. Im Jahr 2025 veröffentlichte die WHO eine Leitlinie zu natriumärmeren Salzersatzprodukten und empfahl kaliumangereichertes Salz für Erwachsene ohne Kontraindikationen. Die WHO empfiehlt eine maximale Natriumaufnahme von 2000 Milligramm und eine Kaliumaufnahme von mindestens 3500 Milligramm pro Tag.
Physiologische Mechanismen und Risikogruppen
Eine Übersichtsarbeit unter der Leitung von Naomi Fukagawa von der University of Vermont im American Journal of Clinical Nutrition betont, dass eine erhöhte Kaliumzufuhr in Kombination mit einer reduzierten Natriumaufnahme den Blutdruck effektiver kontrollieren könne als eine Natriumreduktion allein.
Kalium fördert die Ausscheidung von Natrium über die Nieren und unterstützt die Gefäßfunktion. Kaliumsalz-Ersatz könne diesen Ausgleich schaffen, wobei ein zu hoher Anteil einen metallischen Geschmack verursachen kann.
Trotz des breiten Nutzens bestehen gesundheitliche Einschränkungen: Bei fortgeschrittenen Nierenerkrankungen oder der Einnahme bestimmter kaliumerhöhender Medikamente besteht das Risiko einer Hyperkaliämie. In solchen Fällen sollte eine Anpassung nur unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Für die Allgemeinbevölkerung überwiegt der gesundheitliche Nutzen laut den Forschern des George Institute for Global Health jedoch deutlich.
