Katastrophenschutz: Görlitz stellt erste PSNV-B-Staffel in Sachsen auf
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 20:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei Katastrophenschutz- und Großübungen im deutschsprachigen Raum rücken neben den physischen Rettungsabläufen zunehmend die psychologische Vorbereitung und die mentale Stabilität der Beteiligten in den Mittelpunkt. Wie Berichte aus mehreren Regionen zeigen, testen Hilfs- und Rettungsorganisationen verstärkt Schnittstellen, um akuten psychischen Belastungen bei Großschadenslagen strukturiert zu begegnen.
Neue Einheiten und Fachdienstlager für psychosoziale Versorgung
Ein Schwerpunkt der aktuellen Entwicklungen liegt auf dem Ausbau spezialisierter Unterstützungseinheiten. Der Landkreis Görlitz stellte eine neue Katastrophenschutz-Einheit für die Psychosoziale Notfallversorgung Betroffener (PSNV-B) in Dienst.
Die in der Feuerwache Kodersdorf-Wiesa vorgestellte Formation ist die erste PSNV-B-Staffel in Sachsen. Ihre Aufgabe besteht darin, Menschen nach Unglücksfällen und Katastrophen zu begleiten, bestehende Einsatzstrukturen zu ergänzen und Betroffene an ihr soziales Umfeld sowie weiterführende Hilfsangebote zu vermitteln.
Gleichzeitig vertiefen bestehende Teams ihre fachliche Qualifikation. Das PSNV-Team Dingolfing-Landau nahm an einem Fachdienstlager der Psychosozialen Notfallversorgung Rottal-Inn in Pfarrkirchen teil.
Die Fortbildung konzentrierte sich auf vier Schwerpunkte: Trauerbewältigung, den Krisendienst Bayern, den Kriminaldauerdienst beziehungsweise die Polizeiliche Betreuungsgruppe sowie psychologische Strukturmodelle. Zudem referierte Susanne Anzeneder von Inn-Natur über die Trauerbegleitung mit Tieren.
Während Rottal-Inn sein 25-jähriges PSNV-Bestehen beging, blieb die Einsatzbereitschaft im Nachbarlandkreis Dingolfing-Landau uneingeschränkt aufrechterhalten; zwei Dingolfinger Kräfte übernahmen dabei die Bereitschaft für Rottal-Inn.
Akute Belastungen in komplexen Einsatzszenarien
Dass psychische Ausnahmesituationen fest in realitätsnahe Notfallkonzepte integriert werden, spiegelte sich in mehreren großangelegten Übungen wider. Bei einer Übung im Rostocker Ostseestadion probten die Universitätsmedizin Rostock und Einheiten des DRK Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern mit rund 400 Beteiligten die Versorgung bei einem Massenanfall Verletzter.
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Das Übungsszenario ging von einem Drohnenabsturz bei einem ausverkauften Open-Air-Konzert aus. Unter den rund 70 fiktiven Patienten fanden sich neben Rauchgasvergiftungen, internistischen Notfällen und chirurgischen Verletzungen ausdrücklich auch akute psychische Belastungen.
Die DRK Medical Task Force errichtete im westlichen Einsatzabschnitt einen Behandlungsplatz für 50 Patienten, während die Klinik ihren Krankenhausalarm- und Einsatzplan aktivierte. Pressesprecher Stefan Menzel hob hervor, dass die Schnittstelle zwischen Zivilschutz und Klinikbetrieb an Bedeutung gewonnen habe. Störungen bei Großveranstaltungen, Stromnetzen oder Versorgungsstrukturen stellten im Bevölkerungsschutz realistische Einsatzlagen dar.
Koordinierte Führungsstrukturen im Härtetest
Großübungen in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Österreich zeigten zudem den Bedarf an stabiler Kommunikation unter extremen Rahmenbedingungen. Im Landkreis Emmendingen bewältigten mehr als 550 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DRK, DLRG, Bergwacht und THW neun parallele Szenarien, darunter Brände, eine Schiffskollision auf dem Rhein sowie drohende Trinkwasserknappheit. Das THW sicherte dabei die Energieversorgung mit einem 175-kVA-Aggregat.
Im österreichischen Tennengau leitete die Bezirkshauptmannschaft Hallein die Übung TENT ’26 in Adnet und Krispl mit rund 400 Freiwilligen. Unter Beteiligung von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Berg-, Wasser- und Höhlenrettung wurde eine Unwetterlage mit fiktiver Schadstofffreisetzung geprobt.
Bei Großübungen wie in Rostock gehören akute psychische Belastungen längst zum realistischen Szenario — doch viele Landkreise haben dafür noch keine spezialisierte Struktur. Die Checkliste zeigt, wie Sie die Schnittstelle zwischen Zivilschutz und Klinik verbindlich regeln und Betroffene nach dem Einsatz an weiterführende Hilfsangebote vermitteln. Schnittstellen-Checkliste jetzt sichern
Bezirkshauptfrau Monika Vogl unterstrich dabei die Notwendigkeit praxisnaher Übungsabläufe. In Dinslaken-Voerde-Hünxe probten 160 Kräfte mehrerer Hilfsorganisationen unter Leitung von Bastian Schulte die Koordination und Informationsweitergabe, wobei auch die Personenauskunftsstelle des Kreises Wesel eingebunden war.
Bei einer Übung im Regierungsbezirk Freiburg mit 450 Kräften betonte Regierungspräsident Carsten Gabbert, die Strukturen im Katastrophenschutz seien hervorragend aufgestellt. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen die Vorbereitung auf Hochdruckeinsätze nachhaltig sichern.

