KBV, Kürzungen

KBV warnt vor Kürzungen: 3 Milliarden Euro könnten 46 Millionen Behandlungen kosten

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 19:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die KBV sieht durch geplante Einsparungen weniger Praxistermine und warnt vor Folgen für ambulante Operationen.

KBV warnt vor Praxiskürzungen und Änderungen bei Hybrid-DRGs
Ein leerer, steriler Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer medizinischen Leuchte und einem Waschbecken. Illustration mit AI erstellt.

Die ambulante medizinische Versorgung steht vor tiefgreifenden finanziellen und strukturellen Einschnitten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt vor massiven Auswirkungen auf Praxen und Patienten, sollten die für das kommende Jahr vorgesehenen Kürzungspläne wie geplant umgesetzt werden.

Nach Berechnungen der Ärztevertretung entsprechen die Einsparungen im ambulanten Bereich von rund 3 Mrd. Euro rechnerisch etwa 46 Mio. Behandlungsfällen. Ein verringertes Budget führe zwangsläufig zu einer Reduzierung des Terminangebots in den Praxen.

Kürzungspläne und die Debatte um Termingarantien

Vor diesem Hintergrund fordert KBV-Chef Andreas Gassen eine umfassende Folgenabschätzung sowie eine grundlegende Korrektur des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes. Die KBV erarbeitet derzeit regionale und fachgruppenspezifische Budgetszenarien, um die zu erwartenden Belastungen abzubilden.

Delegierte der KBV-Vertreterversammlung weisen darauf hin, dass ein sinkendes Versorgungsangebot, längere Wartezeiten und eine Gefährdung der wirtschaftlichen Praxisgrundlagen drohen. Auch Frauenärzte warnten laut Berichten davor, dass infolge der Reformen Millionen Behandlungstermine wegfallen könnten.

Gleichzeitig wies Gassen die diskutierte Termingarantie für Fachärzte zurück und stufte das Vorhaben als Nebelkerze ein. Eine generelle Garantie für jeden Versicherten bei jedem gewünschten Facharzt sei mengenmäßig schlicht nicht realisierbar.

Pläne von Union und SPD sehen vor, die Steuerung verstärkt über Hausärzte abzuwickeln, die bei Bedarf Termine innerhalb eines bestimmten Zeitraums vermitteln sollen; für Kinder sollen Kinderärzte die primäre Anlaufstelle bilden.

Gassen plädiert stattdessen dafür, dringende Fälle unabhängig vom Versichertenstatus rasch zu versorgen und bei nicht dringenden Beschwerden längere Vorlaufzeiten zu akzeptieren. Wer trotz eines Termins beim Facharzt mit länger bestehenden Rückenschmerzen eine Notaufnahme aufsuche, solle die Behandlung nach Ansicht des KBV-Chefs selbst tragen.

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Die KBV beziffert die für das kommende Jahr vorgesehenen Einsparungen im ambulanten Bereich auf rund 3 Mrd. Euro — rechnerisch etwa 46 Mio. Behandlungsfälle. Wer als Praxis oder Klinik planen muss, braucht belastbare Szenarien statt Schlagzeilen. Der kostenlose Leitfaden ordnet die geplanten Kürzungen ein und zeigt, wie Sie Erlösquellen und Terminkapazität gegenprüfen. Kostenlosen Leitfaden zur Budget-Absicherung anfordern

Streit um Hybrid-DRGs und ambulante Operationen

Zusätzliche Verunsicherung schafft die Debatte um ambulante Operationen. Der GKV-Spitzenverband und die KBV appellierten an den Bundestag, den Ausbau ambulanter Eingriffe nicht auszubremsen.

Änderungspläne von CDU/CSU und SPD vom 5. Oktober 2026 sehen vor, die sogenannten Hybrid-DRGs ab dem 1. Januar 2028 abzuschaffen. Für das Jahr 2027 sollen sie grundsätzlich weitergelten, allerdings sind bereits Vergütungsabschläge für Operationen ohne Übernachtung vorgesehen.

Das Bundesgesundheitsministerium erwartet durch diese Neuregelung Einsparungen von 235 Mio. Euro, insbesondere durch eine Absenkung der Vergütung von Ein-Tages-Fällen auf EBM-Niveau.

Laut Erhebungen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) stiegen die abgerechneten Hybrid-DRG-Fälle im Jahr 2025 im Vergleich zu 2024 um 17 % und die inflationsbereinigten GKV-Ausgaben um 14 %, was laut einer WIdO-Hochrechnung Mehrausgaben von etwa 360 Mio. Euro verursachte.

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Für 2027 sind bereits Vergütungsabschläge für Operationen ohne Übernachtung vorgesehen, ab 2028 sollen die Hybrid-DRGs nach den derzeit diskutierten Änderungsplänen entfallen. Ob sich ambulantes Operieren für Ihre Einrichtung dann noch rechnet, hängt an Fallmix, Grouperlogik und regionaler Vergütung. Der Leitfaden führt durch die offenen Punkte und die Fragen, die Sie jetzt mit Ihrem Controlling klären sollten. Leitfaden ambulante OP-Vergütung jetzt anfordern

Die KBV befürchtet jedoch, dass ambulante Operationen unwirtschaftlich werden und Eingriffe, etwa bei Kindern, wieder vermehrt stationär durchgeführt werden müssen. Schätzungen zeigen hingegen, dass durch konsequentes ambulantes Operieren jährlich bis zu 8 Milliarden Euro im Gesundheitssystem eingespart werden könnten.

Während der GKV-Spitzenverband eine dauerhaft verbindliche, medizinisch begründete Grouperlogik verlangt, begrüßt die Deutsche Krankenhausgesellschaft die geplante Abschaffung der Hybrid-DRGs. Die Versorgung müsse sich stets nach Indikation, Eingriff und individuellen sozialen Faktoren richten.

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