Krebsrisiko lÀsst sich um bis zu 40 Prozent senken
03.01.2025 - 05:00:40Die Risikofaktoren fĂŒr ein Krebsleiden lesen sich wie eine Liste der gĂ€ngigsten Gewohnheiten, die man zu Neujahr angehen möchte. In einer Studie der American Cancer Society lautet die Reihenfolge so: Zigaretten, Ăbergewicht, Alkohol, zu wenig Sport, Verzehr von roten und verarbeitetem Fleisch, zu wenig Obst und GemĂŒse sowie zu wenig Ballaststoffe und Kalzium.
Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass bei US-amerikanischen Erwachsenen ab 30 Jahren etwa 40 Prozent der Krebserkrankungen auf beeinflussbaren Risikofaktoren zurĂŒckzufĂŒhren sind. Dazu gehören neben dem ungesunden Lebenswandel mit Zigaretten und dem falschen Essen noch weitere Faktoren. Auch zu viel UV-Strahlung und sieben krebserregende Infektionen wurden mit als Risiko aufgenommen.Â
Daten fĂŒr Deutschland ganz Ă€hnlich
Die Ergebnisse seien auf Deutschland ĂŒbertragbar, sagt Ute Mons, Leiterin der Abteilung PrimĂ€re KrebsprĂ€vention im Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, der Deutschen Presse-Agentur. «Solche Daten sehen wir in fast allen Industrienationen fast spiegelbildlich.»Â
Eine Untersuchung des DKFZ aus dem Jahr 2018 kam fĂŒr die wichtigsten Krebserkrankungen zu dem Schluss, dass 37 Prozent auf Risikofaktoren zurĂŒckzufĂŒhren seien. Dabei wurde aber unter anderem die UV-Strahlung der Sonne nicht berĂŒcksichtigt.
Ăbergewicht oft unterschĂ€tzt
Dass Rauchen krebserregend ist und vor allem Lungenkrebs verursacht, ist hinlĂ€nglich bekannt. Zigaretten hatten in der US-Studie auch den mit Abstand stĂ€rksten Einfluss auf das vermeidbare Krebsrisiko.Â
Das DKFZ weist aber auch darauf hin, dass bei fettleibigen Menschen erheblich hÀufiger Brustkrebs nach den Wechseljahren und Darmkrebs auftreten als bei normal-gewichtigen Menschen. Bei GebÀrmutter- und Nierenkrebs oder bei Karzinomen der Speiseröhre sei sogar fast die HÀlfte aller FÀlle durch Adipositas, also Fettleibigkeit, bedingt. Dabei gilt: Je stÀrker ausgeprÀgt die Fettleibigkeit, desto höher das Krebsrisiko.
Individuelles Risiko senken
«Die Prozentanteile in den Studien sind immer auf die Gesamtbevölkerung bezogen», erlĂ€utert Mons. «Trotzdem kann man sagen: Wenn sich jemand individuell gesĂŒnder verhĂ€lt, kann diese Person das eigene Krebsrisiko senken.» Jemand, der raucht, habe ein 20-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko im Vergleich mit jemandem, der nicht raucht.Â
Dabei sei es nie zu spĂ€t fĂŒr einen gesĂŒnderen Lebenswandel. «Je frĂŒher man mit etwas aufhört, desto frĂŒher reduziert man sein Risiko», sagt Mons. Zur Wahrheit gehöre aber auch: «Selbst eine Person, die komplett gesund lebt, kann an Krebs erkranken. Da spielt immer ein gewisser Zufall eine Rolle. Doch das Risiko, dass im Körper was falsch lĂ€uft, steigt bei Personen, die ungesund leben.»
Auch Impfungen können gegen Krebs schĂŒtzen
Zu den vermeidbaren Faktoren gehören in der US-Studie nicht nur Dinge, die zu einem ungesunden Lebenswandel gehören, sondern auch einige Infektionen wurden mit aufgenommen, weil beispielsweise dagegen geimpft werden kann.
«Es gibt wirksame Impfstoffe gegen das Hepatitis-B-Virus, das Leberkrebs verursacht, und gegen HPV, das mehrere Krebsarten verursachen kann», erklĂ€rte Ahmedin Jemal, Hauptautor der Studie. Zu den Krebsarten durch HPV zĂ€hlt er GebĂ€rmutterhalskrebs sowie Krebs der Ă€uĂeren Genitalien und der Analregion sowie Mund- und Rachenkrebs.
Appell an die Politik
Krebsforscherin Mons appelliert an die Politik, mehr fĂŒr die Förderung eines gesunden Lebenswandels zu tun. «Es gibt noch viele Hebel, um anzusetzen, etwa was die Werbung fĂŒr Alkoholprodukte und Alkoholsteuern angeht», sagt sie. «Viel könnte getan werden, um es der Bevölkerung leichter zu machen, sich gesund zu verhalten.»
Als weitere Beispiele zÀhlt sie eine Tabaksteuererhöhung und eine standardisierte Zigarettenverpackung auf, damit auf den Verpackungen nicht mehr geworben werden könne. Studien zeigten, dass dadurch weniger Menschen rauchen. «So können viele KrebsfÀlle vermieden werden.»
Mehr als 500.000 neue Krebserkrankungen pro Jahr
Krebs ist in Deutschland die zweithÀufigste Todesursache. Jedes Jahr erkranken mehr als 500.000 Menschen neu an Krebs, mehr als 220.000 sterben daran. Frauen erkranken vor allem an Brustkrebs (31 Prozent aller KrebsfÀlle bei Frauen), Darmkrebs (11 Prozent) und Lungenkrebs (10 Prozent), MÀnner an Prostatakrebs (25 Prozent), Lungenkrebs (13 Prozent) und Darmkrebs (12 Prozent). In der Tendenz steigen diese Zahlen, was unter anderem damit zusammenhÀngt, dass die Bevölkerung Àlter wird.











