Ketogene ErnÀhrung: Leberfett sinkt in einer Studie um 67 Prozent
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 10:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ketogene ErnÀhrung hat sich von einer spezialisierten medizinischen Therapie zu einem viel diskutierten ErnÀhrungsansatz entwickelt. Ratgeber-Inhalte und wissenschaftliche Publikationen beleuchten zunehmend die physiologischen Mechanismen dieser extrem kohlenhydratarmen und fettreichen DiÀt sowie deren Auswirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel.
Physiologische Mechanismen und die Umstellung auf Ketose
Das zentrale Prinzip der ketogenen DiĂ€t besteht darin, den Körper in den Zustand der Ketose zu versetzen, in dem Fett anstelle von Glukose als primĂ€re Energiequelle dient. Um diesen Stoffwechselzustand herbeizuhauchfĂŒhren, wird die Zufuhr von Kohlenhydraten ĂŒblicherweise auf 20 bis 30 Gramm pro Tag beschrĂ€nkt.
Bezogen auf die tÀgliche Kalorienaufnahme entfallen typischerweise 70 bis 80 Prozent auf Fette, 10 bis 25 Prozent auf Proteine und lediglich 5 bis 10 Prozent auf Kohlenhydrate.
Der tĂ€gliche Proteinbedarf fĂŒr Erwachsene liegt dabei zwischen 1,2 und 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, abhĂ€ngig von der individuellen TrainingsintensitĂ€t. Eine BeeintrĂ€chtigung der Ketose durch die körpereigene Glukoseneubildung (Gluconeogenese) droht Fachangaben zufolge erst bei extrem hohen EiweiĂmengen ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume.
Die metabolische Anpassung dauert in der Regel zwei bis vier Tage, in einigen FĂ€llen bis zu einer Woche. In dieser Ăbergangsphase treten hĂ€ufig vorĂŒbergehende Nebenwirkungen auf, die als sogenannte Keto-Grippe bezeichnet werden und sich durch Kopfschmerzen, MĂŒdigkeit oder Schwindel Ă€uĂern.
Stoffwechseleffekte und Gewichtsreduktion im Studienvergleich
Hinsichtlich des Gewichtsverlusts ermöglicht die ketogene ErnÀhrung kurzfristig schnelle Erfolge. Laut Studienlage im Fachblatt The BMJ gleicht sich die Gewichtsabnahme auf lange Sicht jedoch weitgehend den Resultaten herkömmlicher Low-Carb- oder Low-Fat-DiÀten an.
Detaillierte Einblicke in Stoffwechselparameter lieferte eine in Cell Metabolism veröffentlichte Untersuchung mit 55 Freiwilligen, von denen 42 die fĂŒnfmonatige Nachbeobachtungsphase abschlossen. Verglichen wurden eine ketogene Kost (4 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten, 73 Prozent aus Fett), eine mediterrane und eine fettarme pflanzenbasierte ErnĂ€hrung.
Alle drei Gruppen verloren rund 10 Prozent ihres Ausgangsgewichts. Der Leberfettanteil sank unter der ketogenen ErnÀhrung jedoch um 67 Prozent, verglichen mit jeweils 45 Prozent bei den beiden anderen ErnÀhrungsformen. Eine Remission von PrÀdiabetes erreichten 50 Prozent in der Keto-Gruppe, wÀhrend es in der mediterranen Gruppe 29 Prozent und in der pflanzenbasierten Gruppe 7 Prozent waren.
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Der Blutzuckerspiegel sank um 20 Prozent gegenĂŒber 8 Prozent in den Vergleichsgruppen. Keine signifikanten Unterschiede zeigten sich beim LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B. Als Limitationen gelten die geringe StichprobengröĂe sowie die Frage, ob die Effekte auch ohne das Erreichen einer Ketose erzielt werden können.
Klinischer Einsatz und therapeutische Forschung
In der Neurologie ist die DiÀtform seit Langem etabliert: Leitlinien verzeichnen bei 30 bis 50 Prozent der Kinder mit medikamentenresistenter Epilepsie eine deutliche Anfallsreduktion oder Anfallsfreiheit.
Zunehmend wird das Konzept auch bei psychischen Erkrankungen untersucht. Eine randomisierte kontrollierte Studie der University of California, San Francisco im Fachblatt Schizophrenia Bulletin untersuchte Patienten mit Schizophrenie-Spektrum- oder Bipolar-1-Störung.
Nach einer einmonatigen Phase fĂŒhrten 25 Teilnehmer die Kost vier Monate fort; dokumentiert wurden anhaltende metabolische Verbesserungen, eine Reduktion depressiver Symptome und gesteigerte kognitive Leistungen.
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Eine Studie der University of Maryland School of Medicine in Frontiers in Psychiatry untersuchte ein Schulungsprogramm fĂŒr 40 GesundheitsfachkrĂ€fte, von denen 25 die DiĂ€t vier Wochen lang erprobten und eine erhöhte therapeutische Sicherheit meldeten. Beide Arbeiten wurden von der Baszucki Group finanziert und weisen auf die Notwendigkeit gröĂerer BestĂ€tigungsstudien hin.
Risiken und Vorbehalte von Fachgesellschaften
Trotz der belegten Effekte raten offizielle Institutionen zur ZurĂŒckhaltung. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) rĂ€t von einer ketogenen DiĂ€t ab und begrĂŒndet dies mit der Gefahr von NĂ€hrstoffmĂ€ngeln.
Auch ErnĂ€hrungsexperten betonen, dass der extrem hohe Fettanteil Risiken berge, insbesondere bei Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes. Vor Beginn einer solchen ErnĂ€hrungsumstellung sei daher eine Ă€rztliche Beratung ratsam. Angesichts steigender Adipositasraten plĂ€dieren Fachleute vielfach fĂŒr ausgewogene ErnĂ€hrungsweisen anstelle stark restriktiver Modelle.
