KI-Abkommen in Seoul: Merz und Südkorea wollen Abhängigkeit von China senken
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 05:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deBundeskanzler Friedrich Merz und der südkoreanische Präsident Lee Jae Myung haben in Seoul ein bilaterales Rahmenabkommen für Hochtechnologie sowie eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit im Bereich der künstlichen Intelligenz geschlossen. Im Mittelpunkt der Initiative steht das strategische Ziel, bestehende technologische Abhängigkeiten von China und den USA schrittweise zu verringern.
Gemeinsame Projekte und KI-Sicherheitsforschung
Die Regierungsvereinbarung sieht vor, gemeinsame Initiativen in der KI-Entwicklung anzustoßen und neue Finanzierungswege für Technologieprojekte zu erschließen. Vorgesehen ist unter anderem, Start-ups und Scale-ups beider Länder Zugang zu Hochleistungsrechnern zu ermöglichen. Flankiert werden die Vorhaben durch einen bilateralen Lenkungsausschuss, ein Stipendienprogramm sowie den Austausch über regulatorische Rahmenbedingungen.
Zudem einigten sich beide Staatsspitzen auf die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für KI-Transparenz. Auf institutioneller Ebene ist eine Kooperation zwischen dem deutschen und dem südkoreanischen Forschungsinstitut für KI-Sicherheit geplant.
Ein weiteres Abkommen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem südkoreanischen Ministerium für Klima, Energie und Umwelt adressiert den wachsenden Strombedarf der Technologie: Beide Staaten vereinbarten regelmäßige Konsultationen zur Energieversorgung von Rechenzentren und industriellen KI-Anwendungen.
Verbände treiben industrielle KI voran
Parallel zur Regierungsebene vereinbarten auch Branchenvertreter eine engere Zusammenarbeit. Am Rande der 19. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (APK 2026) in Seoul unterzeichneten der deutsche KI-Bundesverband und die südkoreanische Software-Vereinigung KOSA eine Absichtserklärung im Beisein des Bundeskanzlers. Der deutsche Verband vertritt rund 750 KI- und Deep-Tech-Unternehmen.
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Die Kooperation zielt darauf ab, den Markteintritt von Firmen im jeweils anderen Land zu erleichtern und gemeinsame Projekte in den Bereichen Industrie-KI, Frontier AI sowie physische KI umzusetzen. Neben dem Austausch von Fachkräften und der Definition gemeinsamer Standards soll die Partnerschaft südkoreanische Unternehmen auch bei der Vorbereitung auf das europäische KI-Gesetz unterstützen.
Rohstoffkooperation und Diversifizierung von Lieferketten
Die neuen Abkommen sind Teil einer Aufwertung der bilateralen Beziehungen zu einer verstärkten strategischen Partnerschaft. Bei einem jährlichen Handelsvolumen von über 30 Milliarden US-Dollar ist Deutschland der größte Handelspartner Südkoreas in Europa, während rund 850 koreanische Unternehmen in Deutschland ansässig sind.
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Südkoreas Premierministerin Han Seongsuk bezeichnete ihr Land auf der Konferenz als verlässlichen Partner für deutsche Lieferketten, unter anderem bei Halbleitern, Batterien und der industriellen KI-Transformation. Seoul betreibt hierfür bereits eine eigene Fabrikallianz mit über 1.500 Unternehmen.
Zudem unterzeichneten Handelsminister Kim Jeong-kwan und Staatssekretär Stefan Rouenhoff eine Vereinbarung über Rohstofflieferketten. Sie sieht ein Frühwarnsystem für Engpässe sowie Kooperationen beim Recycling kritischer Mineralien vor, um bei Schlüsselkomponenten wie Seltenen Erden unabhängiger von chinesischen Zulieferern zu werden.
Merz warb vor Ort für eine Ausweitung multilateraler Handelsabkommen und betonte, Risikominderung dürfe nicht mit Protektionismus oder einer wirtschaftlichen Abkopplung verwechselt werden.
