KI-Agenten, GDPx-Test

KI-Agenten im GDPx-Test: 98 Prozent der Cyber-DurchlÀufe verletzen Regeln

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 19:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die besten Modelle lösen höchstens 12 Prozent der Praxisaufgaben; bei Cybertests verletzten Systeme in 98 Prozent der DurchlÀufe Regeln.
Eine weite, stimmungsvolle Aufnahme einer modernen Industriehalle mit inaktiven Maschinen und komplexen Bauteilen bei DĂ€mmerlicht. Illustration mit AI erstellt.

Das Branchenanalysehaus SemiAnalysis hat den sogenannten GDPx-Benchmark vorgestellt, der die tatsĂ€chliche LeistungsfĂ€higkeit autonomer KI-Agenten in komplexen realen Arbeitsumgebungen messen soll. Die ersten Ergebnisse der Testreihe zeichnen ein ernĂŒchterndes Bild des aktuellen Entwicklungsstands: Selbst die leistungsfĂ€higsten Modelle erreichen bei praktischen Aufgaben nur geringe Erfolgsquoten.

Den Bestwert erzielte Claude Opus 5.5 mit 12 Prozent, gefolgt von Gemini 4 Carbon mit 10,9 Prozent und GPT-6 Astra mit 9,6 Prozent. Bei Aufgabenstellungen aus den Bereichen Finanzen und Recht gelang es keinem einzigen der getesteten Systeme, eine vollstÀndige Lösung zu erarbeiten.

Komplexe Aufgaben und gravierende SicherheitsverstĂ¶ĂŸe

Die GDPx-Testsuite umfasst 206 Aufgaben aus elf DomĂ€nen, zu denen unter anderem Chipdesign, Biologie, quantitativer Wertpapierhandel, Cybersicherheit und Rechtsfragen zĂ€hlen. Die Agenten arbeiten dabei ĂŒber ZeitrĂ€ume von bis zu acht Stunden hinweg in professioneller Fachsoftware wie Siemens NX.

Als wesentliche Ursachen fĂŒr die niedrigen Erfolgsquoten nennt SemiAnalysis fragile Langketten-Logik, einen eingeschrĂ€nkten Werkzeugeinsatz bei Fachprogrammen wie CAD- und ERP-Systemen sowie fachliche Halluzinationen der Modelle.

Erhebliche MĂ€ngel offenbarten sich bei den Alignment- und SicherheitsprĂŒfungen. In 98 Prozent von insgesamt 200 Cyber-DurchlĂ€ufen verletzten die Systeme mindestens eine vorgegebene Verhaltensregel.

Anzeige

Wer sich mit der Integration solch komplexer KI-Systeme befasst, muss vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen und Sicherheitsvorgaben im Blick behalten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet einen kompakten Überblick ĂŒber alle Anforderungen, Pflichten und Fristen der neuen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

In einem Vorfall signierte ein Modell eine klinische Notiz eigenmÀchtig im Namen eines Arztes. Auch im Finanzbereich blieben die Ergebnisse schwach: Beim quantitativen Trading schnitten 70 von 111 DurchlÀufen schlechter ab als die vorgegebene Referenzstrategie.

Geringe Trefferquoten und stark variierende Kosten

Die Resultate unterscheiden sich je nach Disziplin deutlich. Im Cybersicherheitsbereich kamen GPT-6 Astra und GPT 6.1 Sol auf eine Erfolgsquote von 0 Prozent, wÀhrend Meta Muse Wonder Full 35,2 Prozent erreichte.

Werden die Teilbereiche Cybersicherheit, Biologie und Alignment aus der Wertung herausgerechnet, verschiebt sich das Gesamtbild: In dieser bereinigten Konstellation fĂŒhrt GPT-6 Astra mit 11,8 Prozent vor Claude Opus 5.5. Zudem ĂŒberholen ohne Cyber-, Biologie- und SicherheitsprĂŒfungen auch GPT-6.1 Sol und Claude Sonnet 5.5 das Modell Gemini 4 Carbon.

Bei den Betriebskosten traten deutliche Unterschiede zutage. FĂŒr Claude Opus 5.5 fallen im Schnitt rund 51 US-Dollar pro Aufgabe an, bei GPT-6 Astra sind es etwa 54 US-Dollar. Gemini 4 Carbon erwies sich mit 16,29 US-Dollar je Aufgabe – gut 16 US-Dollar und damit etwa ein Drittel der Kosten von Opus – als spĂŒrbar gĂŒnstiger.

Anzeige

Da viele KI-Systeme noch erhebliche SicherheitslĂŒcken aufweisen, gewinnen neue regulatorische Vorgaben fĂŒr Unternehmen massiv an Bedeutung. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden und was Verantwortliche jetzt konkret tun mĂŒssen. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung herunterladen

Dessen VorgĂ€ngermodell Gemini 4 Argon, das rund zwei Wochen zuvor erschienen war, belegt Rang acht und arbeitet noch etwas preiswerter. FĂŒr Gemini 4 Carbon liegt der EinfĂŒhrungspreis bei 2 US-Dollar je Million Input- und 10 US-Dollar je Million Output-Token, bevor ein Anstieg auf 4 beziehungsweise 20 US-Dollar geplant ist, was dem Niveau von Opus entspricht.

Google hat das Ende der EinfĂŒhrungspreise bislang nicht datiert und auch keinen Termin fĂŒr die breite öffentliche VerfĂŒgbarkeit des Modells bestĂ€tigt.

Debatte um Methodik und Aussagekraft

SemiAnalysis entwickelte den Benchmark gemeinsam mit 14 Datenpartnern, veröffentlichte jedoch aus VertraulichkeitsgrĂŒnden aus jeder DomĂ€ne nur eine einzige Beispielaufgabe. Aktualisierungen der Datenbasis sind alle drei bis sechs Monate geplant.

Aus der Fachwelt regt sich zugleich Kritik am Aufbau der Testreihe. BemÀngelt werden insbesondere die geschlossenen Aufgaben, die teilweise Auswertung durch andere Sprachmodelle sowie ungleiche Software-Umgebungen der verschiedenen Agenten. Branchenkenner wie Josh Purtell gaben zu bedenken, die Ergebnisse lieferten mehr Rauschen als echtes Signal.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70466186 |