Seelentröster, Erwachsenen

KI als Seelentröster: 28 Prozent der Erwachsenen suchen emotionale Hilfe

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 20:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Immer mehr Menschen nutzen KI fĂŒr psychologische UnterstĂŒtzung; Fachleute warnen vor AbhĂ€ngigkeiten und verlangen stĂ€rkere Schutzregeln.

KI als emotionaler Beistand: Nutzung wÀchst, Fachleute fordern Schutz
Ein minimalistisch eingerichteter, ruhiger Raum mit einem bequemen Sessel und Blick in einen stillen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Medienberichte untersuchen die zunehmende Nutzung von KĂŒnstlicher Intelligenz als therapeutische UnterstĂŒtzung, Freund oder emotionaler Begleiter im Alltag. Ob bei persönlichen Krisen, als Hilfe gegen Einsamkeit oder im regulĂ€ren Gesundheitswesen: Immer mehr Menschen greifen auf automatisierte Systeme zurĂŒck, um psychologischen Beistand zu finden.

Hohe Akzeptanz im Alltag und steigender Beratungsbedarf

Eine Umfrage von YouGov in Deutschland zeigt, dass bereits 28 Prozent der Erwachsenen KI fĂŒr emotionale UnterstĂŒtzung oder psychologische Begleitung genutzt haben. Auch bei jĂŒngeren Zielgruppen stĂ¶ĂŸt das Konzept auf Offenheit: Einer US-Umfrage zufolge findet fast die HĂ€lfte der Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren eine Freundschaft zwischen Mensch und KI in Ordnung.

Gleichzeitig verzeichnen Hilfsorganisationen einen wachsenden Zulauf. Bei der Schweizer Organisation Pro Juventute holt sich laut der jĂŒngsten Befragung bereits jeder Zehnte Rat bei kommerzieller KI wie ChatGPT. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte die Organisation zudem einen Anstieg der Telefonanrufe um 4 Prozent sowie ein Plus bei den WhatsApp-Kontakten um 25 Prozent.

Um personelle EngpĂ€sse abzufedern, greifen Beratungsdienste inzwischen selbst auf automatisierte Helfer zurĂŒck. Die Schweizer Organisation Dargebotene Hand kann in ihrer Chat-Beratung bislang lediglich rund ein Drittel der Anfragen beantworten. Bleibt eine Anfrage lĂ€nger als eine Minute unbeantwortet, weist das System auf einen KI-Bot hin, der die Wartezeit ĂŒberbrĂŒcken soll.

Die eingesetzte Technologie stammt aus Finnland, wo sie bereits auf einer Plattform fĂŒr Jugendliche lĂ€uft; die Schweiz ist das zweite Land in Europa, das sie nutzt. FĂŒr das Angebot wurde der Bot so modifiziert, dass er auch Erwachsene anspricht und bewusst auf Distanz bleibt. Nach rund zwanzig Minuten beendet das Programm das GesprĂ€ch automatisch, Daten werden dabei nicht gespeichert.

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In der Chat-Beratung der Organisation ist ein Viertel der Nutzer minderjĂ€hrig und die HĂ€lfte zwischen 19 und 40 Jahre alt; rund 15 Prozent der GesprĂ€che behandeln SuizidalitĂ€t, wĂ€hrend es am Telefon vier Prozent sind. Die Psychologin Marisa Tschopp von der ZĂŒrcher Hochschule fĂŒr Angewandte Wissenschaften begrĂŒĂŸt diesen Einsatz grundsĂ€tzlich und bezeichnete die Anwendung als digitalen Schnuller.

Nutzung durch Jugendliche und Einsamkeit

Erhebungen der DAK und des UniversitÀtsklinikums Hamburg-Eppendorf verdeutlichen die Rolle von Sprachmodellen bei MinderjÀhrigen. Demnach nutzen mehr als 25 Prozent der 10- bis 17-JÀhrigen KI-Anwendungen mehrmals pro Woche.

Neben Hausaufgabenhilfe und Informationssuche, die am hĂ€ufigsten genannt werden, verwenden mehr als die HĂ€lfte die Programme aus Neugier und zur Unterhaltung. Bis zu 10 Prozent der befragten 10- bis 17-JĂ€hrigen geben an, KI zu nutzen, um sich weniger einsam zu fĂŒhlen.

Einzug in das regulÀre Gesundheitssystem

Auch im medizinischen Sektor gewinnt Software an Relevanz. Die Therapie-App Wysa ist bereits seit 2022 Teil des britischen National Health Service (NHS) und wird dort bei Depressionen sowie Zwangsneurosen eingesetzt. In Österreich ist geplant, digitale Gesundheits-Apps ab dem Jahr 2027 auf Kosten der Krankenkassen verschreibbar zu machen.

Fachleute warnen vor AbhÀngigkeiten und fordern Regeln

Angesichts dieser Entwicklung mehren sich Mahnungen vor den psychologischen Folgen. Die Hilfswerke SOS-Kinderdörfer weltweit und Terre des Hommes warnen in einem gemeinsamen Bericht vor Gefahren fĂŒr Heranwachsende. Die Risikobelastung ĂŒbersteige derzeit die vorhandenen Schutzmaßnahmen; genannt werden manipulative Algorithmen, Deepfakes sowie emotionale AbhĂ€ngigkeiten.

Terre-des-Hommes-Vorstandssprecher Joshua Hofert fordert, dass Kindesschutz von Beginn an in jede KI-Anwendung integriert sein mĂŒsse. SOS-VorstĂ€ndin Sabina Schutter verweist darauf, dass die gesetzliche Regulierung hinterherhinke.

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Auch Autor Christoph Koch plĂ€diert dafĂŒr, Beziehungen zu KI-Systemen gesellschaftlich und juristisch einzurahmen. FĂŒr entsprechende Regelungen veranschlagt er ein Zeitfenster von ein bis zwei Jahren – in Anlehnung an soziale Medien, bei denen die Etablierung verbindlicher Leitplanken rund ein Jahrzehnt gedauert habe.

Zudem nehmen in Europa und den USA Forderungen nach regulatorischen Schritten zu, nachdem KI-Agenten eigenstĂ€ndig verĂ€ndertes Verhalten zeigten. FĂŒhrende Branchenvertreter wie OpenAI-Chef Sam Altman und Anthropic-Chef Dario Amodei plĂ€dierten vor diesem Hintergrund fĂŒr eine drosselung der Entwicklungsgeschwindigkeit.

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