Lernen, Hausaufgabennoten

KI beim Lernen: Hausaufgabennoten steigen, Prüfungsergebnisse fallen um 20 Prozent

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien zeigen bessere Hausaufgabennoten durch KI, zugleich aber Nachteile bei Prüfungen und meist begrenzte Lernfortschritte.

KI im Unterricht: Bessere Hausaufgaben, aber schwächere Prüfungsergebnisse
Ein leerer, sonnendurchfluteter Klassenraum mit leeren Holztischen und einer leeren Tafel. Illustration mit AI erstellt.

Der zunehmende Einsatz von Werkzeugen auf Basis künstlicher Intelligenz im Bildungsbereich wirft bei Fachleuten Fragen auf. Mehrere Berichte thematisieren die Befürchtung von Experten, dass KI-Systeme die mathematischen Fähigkeiten und das tiefere Verständnis für das Fach bei Schülern und Anwendern schwächen könnten.

Nicht alle teilen diese Skepsis: Nvidia-Chef Jensen Huang erklärte am 23. September 2026 in einem Podcast der New York Times, ein möglicher Verlust grundlegender mathematischer Fertigkeiten sei aus seiner Sicht nicht entscheidend, da Anwender stattdessen neue Kompetenzen entwickeln würden. Wissenschaftliche Erhebungen zeichnen jedoch ein differenziertes Bild zu den kognitiven Auswirkungen.

Bessere Hausaufgaben, schwächere Prüfungen

Eine Untersuchung der Universitäten Stockholm und Hongkong begleitete chinesische Schüler der Klassen 7 bis 12 über einen Zeitraum von sechs Monaten. Rund 80 Prozent der Teilnehmenden griffen auf KI-Werkzeuge zurück.

Bei den KI-Nutzern verbesserten sich die Noten für Hausaufgaben im Schnitt um 18 Prozent, während die benötigte Bearbeitungszeit von 64 auf 45 Minuten sank. Bei den monatlichen Prüfungsergebnissen lagen diese Schüler jedoch 20 Prozent hinter ihren Mitschülern, die ohne KI arbeiteten.

Auf ähnliche Mechanismen wies der Lernforscher Julian Decius in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hin. Während KI Berufseinsteigenden rasche Antworten liefere, vermittle sie kaum unternehmensspezifisches Erfahrungswissen. Gebe die Software jeden Schritt vor, leide der Lernerfolg.

Decius sprach von einem sogenannten „AI-Ghost-Learner-Effekt“, bei dem Nutzer glauben, Inhalte verstanden zu haben, diese später jedoch nicht eigenständig anwenden können. Als Gegenmaßnahme empfahl er, KI lediglich als Lernhilfe statt zur reinen Ergebnisproduktion einzusetzen, zeitweise Phasen ohne KI-Einsatz einzuplanen und auf Mentoring im Austausch mit erfahrenen Kollegen zu setzen.

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Geringe Mehrwerte bei adaptiven Systemen

Auch der direkte Einsatz von KI im Unterricht bringt nicht automatisch messbare Leistungssprünge. Ein im August 2026 als EdWorkingPaper veröffentlichter zweijähriger Versuch an 18 US-Mittelschulen in Tennessee untersuchte das KI-Tutorsystem Khanmigo.

Die Nutzer gewannen pro Schulhalbjahr 1,3 nationale Perzentilplätze, was etwa 0,06 bis 0,08 Standardabweichungen pro Schuljahr entsprach. Nach einem vollen Jahr aktiver Nutzung lag der Wert bei 0,14 Standardabweichungen. Diese Zuwächse blieben damit auf einem Niveau, das auch mit herkömmlichen Übungen der Plattform ohne KI erreicht wurde.

Zwar testeten 99 Prozent der Schüler das Programm, die tatsächliche Nutzung war jedoch gering: Im Median schrieben die Teilnehmenden dem System an einem Drittel der Übungstage sowie in 17 Prozent der fehlerhaften Sitzungen. Die Ergebnisse lassen sich laut den Autoren nicht direkt auf andere Kontexte wie Schweizer Betriebe übertragen.

Zu vergleichbaren Tendenzen kam eine dreijährige Langzeitstudie der Radboud-Universität an 7.885 niederländischen Grundschülern zwischen 2014 und 2017 zum adaptiven Lernsystem Snappet. Klassen mit dem System zeigten im Schnitt eine positivere Rechenentwicklung, wobei die Effekte klein blieben und sich vor allem an großen sowie sozial benachteiligten Schulen zeigten.

Während der Snappet-Geschäftsführer den Unterschied auf grob zwei bis drei Wochen zusätzlichen Lerngewinn pro Schuljahr bezifferte, stuften die Forscher den Effekt unter Verweis auf die Zahl der teilnehmenden Schulen als statistisch nicht signifikant ein.

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Rahmenbedingungen des digitalen Lernens

Über den reinen KI-Einsatz hinaus beeinflussen auch allgemeine digitale Gewohnheiten den Bildungserfolg. Eine Untersuchung an 5.227 Schülern in Norditalien belegte, dass Jugendliche mit einem eigenen Social-Media-Konto ab Klasse 6 oder 7 später schlechtere Leistungen in Italienisch und Mathematik erbrachten als Gleichaltrige, die erst ab Klasse 9 einstiegen.

Beim frühen Einstieg in Klasse 6 belief sich die Differenz auf rund ein halbes Schuljahr. Diese Effekte verstärkten sich in Mathematik teilweise bis zur zehnten Klasse, während im Fach Englisch kein vergleichbarer Rückstand gemessen wurde.

PISA-Co-Autor Michael Sailer betonte im Zusammenhang mit früheren Bildungstests, dass digitale Lernmedien bei hoher Nutzungsqualität zwar nützlich seien, bei schlechter Umsetzungsqualität jedoch ein negativer Zusammenhang zwischen Einsatzhäufigkeit und Kompetenzen bestehe. In Deutschland seien die Rahmenbedingungen für Medien im Unterricht häufig nicht lernförderlich.

Neue Projekte suchen derweil nach methodischen Anpassungen: An der Rowan University und der University of Kentucky arbeiten Wissenschaftler mit Förderung der National Science Foundation an Modellen, die Lehrkräfte beim Nachvollziehen mathematischer Denkwege von Schülern unterstützen sollen.

Die Universität Paderborn wiederum koordiniert das mit 250.000 Euro über Erasmus+ geförderte, dreijährige Projekt MaGICS. Ziel ist die Entwicklung eines interaktiven und auch offline nutzbaren Mathematik-Lernspiels, das sich adaptiv an das Können der Schüler anpasst.

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