KI-Betrug: 82,6% der Phishing-Mails sind inzwischen automatisiert
22.06.2026 - 00:20:14 | boerse-global.de
Auf TikTok erstellen Kriminelle mit künstlicher Intelligenz ganze Scheinwelten. Ein aktueller Fall zeigt, wie ein Account eine behinderte Frau vortäuschte, um Mitleid zu erregen und überteuerte Billigware zu verkaufen. Verifizierungsteams entlarvten die Inhalte als computergeneriert.
Auch Reiseportale sind betroffen. Eine Untersuchung von knapp 5.000 Hotelfotos ergab: Fast jedes fünfte Bild weist KI-Bearbeitung auf. Besonders hoch ist der Anteil auf Kreta mit 23 Prozent, gefolgt von Alanya (13 Prozent) und Mallorca (9 Prozent).
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„Kein Durchblick mehr“
Hany Farid, Experte für digitale Forensik, warnt: Der durchschnittliche Nutzer erkennt KI-Inhalte kaum noch. Zwar können Computerprogramme Fälschungen aufdecken – doch die Analyse dauert rund eine Stunde. Zu lang für das schnelle Internet.
Die Folgen sind massiv. In Delhi verlor ein Unternehmen 8,8 Millionen Euro durch „Whaling“. Täter nutzten ein gefälschtes WhatsApp-Profil eines ehemaligen Abgeordneten, um den Finanzvorstand zu Zahlungen zu bewegen.
Rekordschäden durch Cyberkriminalität
Deutschland verzeichnete 2025 einen wirtschaftlichen Gesamtschaden von über 202 Milliarden Euro durch Cyberangriffe. Besonders alarmierend: 82,6 Prozent aller Phishing-Mails sind inzwischen KI-gesteuert. Bot-Angriffe nahmen um das 12,5-Fache zu – Bots machen bereits 53 Prozent des gesamten Webverkehrs aus.
Ein neuer Trend betrifft den Online-Handel. Laut einer Analyse von LexisNexis Risk Solutions gehen in Europa 52 Prozent der Betrugsfälle auf echte Kunden zurück. Sie bestellen auf Rechnung und verweigern die Zahlung. Kriminelle Banden werben gezielt Personen mit geringer Bonität oder Studenten gegen geringe Gebühren an.
Politik reagiert – Wirtschaft bremst
Der Fall einer 14-jährigen Schülerin in der Schweiz, die Opfer sexualisierter Deepfakes wurde, hat politische Konsequenzen. Der Schweizer Nationalrat stimmte für eine Motion, die KI-Anbieter stärker in die Pflicht nimmt. In der EU sollen entsprechende Anwendungen ab Dezember verboten werden.
Doch die Wirtschaft wehrt sich. Der Verband Eurocommerce – mit Mitgliedern wie Amazon, IKEA und H&M – fordert Ausnahmen für KI-generierte Werbebilder im EU AI Act. Die Unternehmen argumentieren: Einfache Produktbilder seien keine Deepfakes. Bei Zalando entstehen bereits 90 Prozent der Marketing-Inhalte durch KI.
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Gefährliche Selbstüberschätzung
Viele Nutzer überschätzen ihre Fähigkeiten massiv. Laut BSI-Cybersicherheitsmonitor 2026 glauben 47 Prozent der Befragten, KI-Inhalte erkennen zu können. Doch ein Drittel hat noch nie konkrete Maßnahmen zur Überprüfung ergriffen. Nur zehn Prozent nutzen eine Rückwärts-Bildersuche.
Das macht sie anfällig für betrügerische Anlagemodelle. Zwei Drittel der Opfer werden über Internetwerbung darauf aufmerksam.
