KI-Betrug: Chatbots erzielen 46% Erfolgsquote gegen Senioren
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 15:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Künstliche Intelligenz treibt Betrugsmaschen auf ein nie dagewesenes Niveau – und trifft besonders ältere Menschen. Allein in den USA verloren Senioren im vergangenen Jahr fast 7,7 Milliarden Dollar an Betrüger. Jetzt schlagen Behörden weltweit Alarm.
Politiker und Finanzaufsichtsbehörden haben diese Woche eindringlich vor der zunehmenden „Industrialisierung“ der Cyberkriminalität gewarnt. Bei einer Anhörung im US-Senat am 30. Juli machten Experten deutlich: KI-gestützte Betrugskampagnen werden immer perfider und zielen gezielt auf besonders verletzliche Gruppen – vor allem ältere Menschen. Die Masche ist dabei erschreckend effektiv.
KI übertrifft menschliche Betrüger
Das Ausmaß des KI-gestützten Betrugs hat Rekordhöhen erreicht. Wie aus Aussagen bei der Senatsanhörung hervorging, verloren ältere US-Amerikaner im Jahr 2025 rund 7,7 Milliarden Dollar durch Betrugsmaschen. Allein auf KI-bezogene Betrugsfälle entfielen dabei 893 Millionen Dollar – verteilt auf 22.000 gemeldete Beschwerden. Die Analysten von Deloitte rechnen damit, dass diese Verluste bis 2027 auf 40 Milliarden Dollar ansteigen könnten.
Eine Studie, die auf der Sicherheitskonferenz USENIX Security '26 vorgestellt wurde, zeigt, wie effektiv die automatisierten Werkzeuge inzwischen sind. Forscher fanden heraus, dass KI-Chatbots wie Claude Sonnet 3.7 und GPT-4o menschliche Betrüger beim sogenannten „Romance-Baiting“ deutlich übertrafen – einer Masche, bei der Opfer durch vorgetäuschte Liebesbeziehungen um Geld gebracht werden. Die KI-Systeme erreichten bei ihren Zielpersonen eine Erfolgsquote von 46 Prozent, während menschliche Täter nur auf 18 Prozent kamen. Besonders brisant: Die Sicherheitsfilter großer Anbieter wie OpenAI, Google und Meta erkannten keines der 250 getesteten Schadensskripte.
Steuer- und Krypto-Betrug: Behörden schlagen Alarm
Auch die Steuerbehörden mehrerer Länder haben am 30. und 31. Juli dringende Warnungen vor ausgefeilten Phishing-Kampagnen herausgegeben. Die US-Steuerbehörde IRS warnte Besitzer von Kryptowährungen vor gefälschten Schreiben, die zur Registrierung in einem nicht existierenden „Digital Asset Compliance Portal“ auffordern. Die Briefe enthalten QR-Codes, die zu gefälschten Websites führen – mit dem Ziel, Identitätsdaten zu stehlen und digitale Geldbörsen zu leeren. Der Hintergrund: Laut FBI-Daten verursachten Krypto-Betrugsmaschen im Jahr 2025 Schäden von über 11 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
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In Südafrika berichtete die Steuerbehörde SARS am 31. Juli, dass Betrüger KI nutzen, um täuschend echte Steuerrückerstattungs-Benachrichtigungen per SMS und E-Mail zu erstellen. Die Nachrichten bestechen durch professionelles Branding und realistische Rückzahlungsbeträge, um Steuerzahler zum Klicken auf schädliche Links zu verleiten. Ähnliche Warnungen kamen aus Indien: Dort geben sich Betrüger als Steuerbeamte aus, um an sensible Bankdaten und Einmalpasswörter zu gelangen.
Die technische Infrastruktur des Betrugs
Sicherheitsforscher haben auch die technische Basis dieser globalen Kampagnen identifiziert. Das Unternehmen Bitsight TRACE deckte kürzlich „Fuyao Enterprise“ auf – ein massives Werbebetrugs-Botnetz aus mehr als 120.000 gekaperten Android-TV-Boxen. Die Operation, die auf ein Technologieunternehmen in China zurückgeführt wird, nutzt KI zur Generierung von Websites und Computer Vision zur Identifizierung und Ausnutzung von Werbeflächen.
Der Zimperium AI Mobile Security Threat Report 2026 zeigt zudem: KI macht mobile Angriffe 4,5-mal überzeugender als herkömmliche Methoden. Seit Januar 2025 sind Phishing-Vorfälle auf Mobilgeräten um 380 Prozent gestiegen, und die Verbreitung von Spyware hat sich im Jahresvergleich vervierfacht.
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Internationale Gegenmaßnahmen und ihre Grenzen
Die Vereinten Nationen und die Europäische Union haben angesichts der Flut von Cyberkriminalität Alarm geschlagen – insbesondere wegen der menschlichen Kosten dieser Operationen. Berichten zufolge wurden in Südostasien über 300.000 Menschen verschleppt und gezwungen, Online-Betrug zu betreiben. Der illegale Gewinn daraus wird für 2023 auf 18 bis 37 Milliarden Dollar geschätzt.
Nationale Regierungen versuchen, die Netzwerke durch proaktive Eingriffe in die Infrastruktur zu stören. In Indien, wo sich „Digital-Arrest“-Betrugsmaschen zwischen 2022 und 2024 verdreifachten, haben die Behörden Beschränkungen für Plattformen wie Telegram und WhatsApp verhängt und Dienstleister wie GoDaddy verpflichtet, die Registrierung betrügerischer Domains zu verhindern. Doch die Strafverfolgung bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit: Bei der jüngsten Senatsanhörung wurde eingeräumt, dass das FBI in bestimmten Betrugskategorien weniger als 0,5 Prozent der gemeldeten Verluste einfrieren konnte.
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