KI-Betrug, Vishing

KI-Betrug: Vishing über Microsoft Teams steigt um 502 Prozent

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 19:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
KI-gestützte Täuschungen erschweren die Erkennung; 2025 verloren US-Bürger rund 68 Milliarden US-Dollar durch Betrug.
Ein düsterer, minimalistischer Flur in einem Serverraum mit bläulichem Licht und Schatten, der die Bedrohung durch KI-Betrug symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz verändert die Methoden von Cyberkriminellen grundlegend. Wie Sicherheitsexperten unter anderem der Universität Missouri, der Branchenorganisation ICAEW und der American Bankers Association übereinstimmend betonen, sorgt generative Technologie dafür, dass digitale Betrugsmaschen erheblich schwerer zu durchschauen sind.

Täuschungsversuche reichen von sprachlich perfekten Phishing-Mails und gefälschten Online-Shops über geklonte Stimmen und Deepfake-Videos bis hin zu Chatbots, die sich glaubhaft als Kundenservice oder persönliche Bekannte ausgeben.

Automatisierte Angriffe und schwindende Warnsignale

Klassische Erkennungsmerkmale wie fehlerhafte Rechtschreibung oder holprige Formulierungen verlieren zunehmend ihre Zuverlässigkeit. Nach Angaben der Universität Missouri sollten Internetnutzer vor allem dann misstrauisch werden, wenn unerwartete Aufforderungen zur Übermittlung von Geld, Daten oder Sicherheitscodes mit künstlichem Zeitdruck oder Vertraulichkeitsforderungen verknüpft sind. In Zweifelsfällen sei stets der direkte Weg über offizielle Portale oder verifizierte Telefonnummern zu wählen.

Der Sicherheitsexperte Prasad Calyam von der Universität Missouri rät zudem dringend davon ab, sensible Angaben wie Sozialversicherungsnummern, Wohnadressen, Passwörter, Bankverbindungen, Krankenakten oder interne Unternehmensunterlagen in öffentliche KI-Anwendungen einzugeben. Auch private Reisedaten, Geburtsdaten und Informationen zum Familienumfeld böten Angreifern wertvolle Ansätze für gezielte Manipulationen.

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Auch im geschäftlichen Umfeld steigen die Gefahren. Nach Angaben der ICAEW verzeichnete Microsoft beim sogenannten Vishing über Kommunikationsplattformen wie Teams einen Zuwachs von 502 Prozent im Jahresvergleich.

Da KI-Modelle öffentlich zugängliche Daten automatisiert erfassen und Schwachstellen analysieren können, sinke das erforderliche Fachwissen für komplexe Ausspähungsversuche deutlich. Für Unternehmen erfordere dies raschere Patch-Prozesse, eine strukturierte KI-Governance, Notfallpläne und eine konsequente Netzwerksegmentierung.

Milliardenschäden und wachsende Betrugszahlen

Die finanziellen Folgen dieser Entwicklung sind beträchtlich. Laut einer von der American Bankers Association herangezogenen Untersuchung von Gallup und der Stop Scams Alliance erbeuteten Betrüger im Jahr 2025 von US-Bürgern rund 68 Milliarden US-Dollar, was einem täglichen Verlust von rund 186 Millionen US-Dollar entspricht.

Etwa 15 Millionen Erwachsene in den USA waren demnach betroffen, wobei zwölf Prozent der erfolgreichen Angriffe auf den Einsatz von KI oder Deepfakes zurückgingen. Um Kunden aufzuklären, betreibt der Verband Informationskampagnen zu gefälschten Bankportalen und Betrugsversuchen über Messenger sowie Bezahl-Apps.

In Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom unter 1.126 Befragten ab 16 Jahren wurde in den vergangenen zwölf Monaten jeder elfte Internetnutzer – das entspricht neun Prozent – mit gefälschten Videos, Fotos oder Audioaufnahmen getäuscht.

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Dieser Wert hat sich gegenüber dem Vorjahr verdreifacht, als er noch bei drei Prozent lag. Insgesamt gaben 64 Prozent der Befragten an, binnen eines Jahres von Cyberkriminalität betroffen gewesen zu sein. Bitkom-Vorstandsmitglied Susanne Dehmel stellte dazu fest, dass Künstliche Intelligenz kriminelle Täuschungen deutlich einfacher und zugleich glaubwürdiger mache.

Empfohlene Schutzvorkehrungen

Zur Abwehr raten die Experten zu mehrstufigen Sicherheitsmaßnahmen. Neben der Aktivierung von Multifaktor-Authentifizierung, Passkeys oder Hardware-Schlüsseln zählen dazu der Einsatz professioneller Passwortmanager sowie regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen.

Sollte der Verdacht auf eine bereits erfolgte Kontoübernahme bestehen, empfehlen Fachleute der Universität Missouri, unverzüglich Zugangsdaten zu erneuern, verbundene Fremdgeräte abzumelden, das primäre E-Mail-Postfach abzusichern und betroffene Finanzinstitute unverzüglich in Kenntnis zu setzen.

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