KI-Demonstrator in Berlin: Fraunhofer IPA zeigt Roboter am 9. und 10. November
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) treibt den Übergang spezialisierter Robotersysteme aus Pilotprojekten in die praktische industrielle Anwendung voran. Mit neuen Demonstratoren für die Kreislaufwirtschaft sowie umfassenden Analysen zur Baurobotik zeigt das Forschungsinstitut, wie künstliche Intelligenz komplexe manuelle Arbeitsprozesse automatisieren kann.
Automatisierte Demontage für das Rohstoffrecycling
Einen Schwerpunkt der aktuellen Entwicklungen bildet das automatisierte Zerlegen komplexer Produkte. Auf den Tagen der digitalen Technologien des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt am 9. und 10. November 2026 in Berlin stellt das Fraunhofer IPA einen KI-Demonstrator für die Kreislaufwirtschaft vor.
Das System demontiert Wasserpumpen sowie Elektrogeräte eigenständig: Es lokalisiert das jeweilige Gerät, erkennt Schrauben sowie den genauen Typ und nutzt eine Software, die ein großes Sprachmodell mit Bildverarbeitung kombiniert. Die KI plant die Demontageschritte selbstständig und veranlasst die erforderlichen Werkzeugwechsel.
Entwickelt wurde das System im Projekt PAnDA (Digitaler Produktpass für nachhaltige kreislauffokussierte Produktentwicklung, Demontage und Sortierung durch Automatisierung). Das Bundesforschungsministerium fördert das vom Fraunhofer IPA koordinierte Vorhaben mit 3,1 Mio. Euro.
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Ziel ist die sortenreine Rückgewinnung wertvoller Komponenten und Rohstoffe anstelle des bisher üblichen Schredderns. Zuvor hatte das Institut bereits auf dem Abschlussevent des EU-Robotiknetzwerks euROBIN im Europäischen Parlament in Brüssel eine KI-gesteuerte Zerlegung am Beispiel einer Wasserpumpe demonstriert, die als Beitrag zur europäischen Kreislaufwirtschaft gewertet wird.
Robotersortierung für das Textilrecycling
Parallel widmet sich das Fraunhofer IPA gemeinsam mit der Polysecure GmbH im Projekt Pick4Crcl der Wiederverwertung von Textilien. Entwickelt wird ein System zur automatisierten Sortierung gemischter Alttextilien, das KI-basiertes Greifen mit multimodaler Sensorik verknüpft.
Die Technologie kann Textilien erkennen, greifen, entfalten und für die Materialanalyse klassifizieren – auch bei verhedderter Kleidung, Mischmaterialien oder dunklen Stoffen.
Hintergrund des Projekts sind weltweit jährlich über 92 Mio. Tonnen anfallender Textilabfall und die Tatsache, dass in der EU weniger als 1 % der Textilsortierung automatisiert abläuft, während seit 2025 eine Pflicht zur getrennten Sammlung gilt. Im Rahmen des Projekts entsteht zudem ein öffentlich verfügbarer Datensatz aus Textilabfall-Bildern und Sensordaten.
Baurobotik auf dem Weg in die Praxis
Auch im Bausektor gewinnen Automatisierungslösungen an Bedeutung. Das Fraunhofer IPA hat das entsprechende Kapitel im Jahrbuch „World Robotics Service Robots 2026“, das gemeinsam mit der International Federation of Robotics herausgegeben wird, grundlegend überarbeitet.
Der Bericht enthält zudem erstmals ein Kapitel über Humanoide Robotik und weist aus, dass im vergangenen Jahr knapp 7.000 humanoide Systeme ab einer Größe von 1,4 Metern verkauft wurden.
Wie die Auswertungen belegen, finden Bauroboter zunehmend den Weg in den regulären Betrieb. Eine im Jahrbuch aufgegriffene Untersuchung von Cynthia Brosque und Martin Fischer analysierte zehn Baurobotersysteme in zwölf Projekten bei elf Bauunternehmen. In sechs Fällen führten die Systeme zu Kostensenkungen, in vier Fällen stiegen die Kosten, wobei die Autoren auf die kleine Stichprobe ohne Hochrechnung verweisen.
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Als konkrete Anwendungsbeispiele nennt der Bericht unter anderem den Bewehrungsroboter TyBOT, der bei einem Brückenprojekt in Florida rund 954 Bindungen je aktiver Arbeitsstunde und rechnerisch rund 477 Bindungen pro Stunde bezogen auf die gesamte erfasste Gerätezeit erzielte. Für Bohrarbeiten an Betondecken gilt der Hilti Jaibot als aussichtsreiches System.
Während der Mietpreis beim Anbieter Dusty Robotics vertraulich ist, ergab die Modellrechnung, dass der Einsatz bei einer Tagesmiete von über rund 1.900 US-Dollar teurer als manuelle Arbeit ausfiele. Laut Fraunhofer IPA setzen viele Anbieter auf Miet- oder Dienstleistungsmodelle, während universell einsetzbare Roboter für mehrere Aufgaben bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.
