Gesundheitswesen, McKinsey

KI im Gesundheitswesen: McKinsey beziffert Potenzial auf 22,8 Milliarden Euro

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

McKinsey beziffert den jährlichen Nutzen digitaler Anwendungen auf 11,5 Milliarden Euro; die ePA bietet den größten Einzelbeitrag.

Digitales Gesundheitswesen: Wo jährlich Milliardenpotenziale liegen
Ein minimalistisch eingerichteter, heller Behandlungsraum in einer modernen medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

In der Diskussion über die wirtschaftlichen Effekte digitaler Technologien im deutschen Gesundheitswesen rücken konkrete Versorgungsanwendungen in den Mittelpunkt.

Während Analysen der Unternehmensberatung McKinsey das ungenutzte jährliche Potenzial auf rund 80 Mrd. Euro beziffern – wovon 22,8 Mrd. Euro auf künstliche Intelligenz entfallen –, heben detaillierte Berechnungen vor allem spezifische Anwendungsfelder hervor.

Als stärkste Hebel erweisen sich demnach die elektronische Patientenakte (ePA) mit 9,3 Mrd. Euro pro Jahr, die Fernüberwachung chronisch Kranker mit 6,4 Mrd. Euro sowie das digitale Selbstmanagement chronischer Erkrankungen mit 6,0 Mrd. Euro.

Schwerpunkte bei chronischen Krankheiten und Datenflüssen

Die Modellrechnungen verdeutlichen, dass vor allem die kontinuierliche Begleitung von Langzeitpatienten von digitalen Instrumenten profitiert. Zusammen tragen Fernüberwachung und Selbstmanagement über 12 Mrd. Euro zum errechneten Nutzen bei.

Zusätzlich steuert der Bereich papierloser Daten, der neben der ePA auch das E-Rezept und die digitale Kommunikation umfasst, laut der McKinsey-Studie „Das 80 Mrd. EUR-Update“ 5,9 Mrd. Euro pro Jahr bei. Da das E-Rezept seit 2024 Pflicht ist, sind über 75% des modellierten Potenzials in dieser Kategorie bereits gehoben.

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Insgesamt erbringen digitale Anwendungen im deutschen Gesundheitswesen aktuell einen Nutzen von 11,5 Mrd. Euro jährlich, was mehr als dem Achtfachen des Werts von 2022 (1,4 Mrd. Euro) entspricht. Das verbleibende ungenutzte Potenzial von 80 Mrd. Euro macht 17% der für 2026 adressierbaren Gesundheitsausgaben von 479 Mrd. Euro aus. Bei Telekonsultationen ging das geschätzte Potenzial hingegen zurück: Es sank von 5,7 Mrd. Euro im Jahr 2022 auf nun 3,9 Mrd. Euro.

Nutzung schlägt reine Infrastrukturbereitstellung

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft den Unterschied zwischen theoretischer Verfügbarkeit und praktischer Anwendung. Die Ausschöpfung bereits bestehender Zugänge erschließt 38,2 Mrd. Euro, während die bloße Ausweitung der Zugänge lediglich 3,7 Mrd. Euro beisteuert.

Besonders deutlich wird dies bei der ePA: Einer Summe von 6,2 Mrd. Euro durch konsequente Nutzung steht ein Effekt von nur 0,4 Mrd. Euro durch den weiteren Ausbau des Zugangs gegenüber. Zwar haben rund 73 Mio. gesetzlich Versicherte eine ePA erhalten, doch besaßen bis Anfang Oktober 2026 erst über 5 Mio. Versicherte eine GesundheitsID.

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Verteilung der Entlastung auf Leistungserbringer und Kassen

Hinsichtlich der Wirkungsweise entfallen 64% des identifizierten Potenzials auf Produktivitätssteigerungen und 36% auf eine geringere Nachfrage nach Behandlungsleistungen. Bei den Akteuren profitieren die Leistungserbringer wie Kliniken und Praxen mit zwei Dritteln des Nutzens am stärksten, während ein Drittel den Krankenkassen als Kostenträgern zugutekommt.

Mögliche Investitionskosten sind in der Modellrechnung allerdings nicht eingerechnet. Die Datengrundlage der Analyse basiert auf 500 Forschungsdokumenten, 150 aktuellen Publikationen, 28 Technologien sowie Experteninterviews, wie aus Berichten vom 7. Oktober 2026 hervorgeht.

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