Lernen, PISA

KI im Lernen: PISA zeigt 30-Punkte-Rückgang bei täglicher Nutzung

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 04:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

PISA-Daten zeigen niedrigere Leistungen bei intensiver KI-Nutzung. Deutschland meldet zugleich schwache Bildungswerte und diskutiert menschliche Kontrolle.

KI-Nutzung steht mit schwächeren Kompetenzen in Verbindung
Ein leerer Schreibtisch mit einem Stapel unbeschriebener weißer Blätter und einem Bleistift bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die fortschreitende Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Bildungs- und Arbeitsprozesse löst eine grundlegende Debatte über den Erhalt der kognitiven Eigenleistung aus. Aktuelle Daten und Expertenanalysen deuten darauf hin, dass die Delegation von Denkarbeit an digitale Assistenten messbare Auswirkungen auf die Kompetenzentwicklung und die menschliche Urteilsfähigkeit hat.

Korrelation zwischen KI-Nutzung und sinkenden Kompetenzen

Daten der PISA-Studie 2025 verdeutlichen einen Zusammenhang zwischen der Intensität der KI-Nutzung und der schulischen Leistungsfähigkeit. Schüler, die laut der OECD keine KI-Chatbots für Textzusammenfassungen verwendeten, erreichten im Durchschnitt mehr als 505 Punkte.

Im Gegensatz dazu kamen Lernende, die solche Werkzeuge täglich nutzten, lediglich auf zirka 475 Punkte. Ähnliche Tendenzen zeigten sich bei der Verwendung von KI als Lernhilfe: Während Nicht-Nutzer rund 500 Punkte erzielten, sank der Schnitt bei einer Nutzung von ein- bis zweimal pro Jahr auf etwa 480 Punkte.

OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher konstatierte in diesem Zusammenhang, dass KI-Nutzer im Schnitt schlechter abschnitten als jene, die auf die Technologie verzichteten. Er betonte, dass KI die Denkarbeit nicht ersetzen dürfe, sondern diese vielmehr anspruchsvoller gestalten müsse.

In Brüssel wies Schleicher darauf hin, dass eine unsachgemäße Anwendung Fähigkeiten aushöhlen könne. Besonders starke Rückgänge wurden in Deutschland, Frankreich und Spanien beobachtet.

Die Situation im deutschen Bildungssystem

In Deutschland ist die Verbreitung von KI-Werkzeugen unter Jugendlichen bereits weit fortgeschritten. Etwa 50 Prozent der deutschen 15-Jährigen nutzen KI-Chatbots mindestens wöchentlich zum Lernen, womit der Wert über dem OECD-Durchschnitt von 46 Prozent liegt.

Gleichzeitig verzeichnete Deutschland bei der PISA-Erhebung die niedrigsten Werte seit Beginn der Messungen im Jahr 2000. Mit 486 Punkten in den Naturwissenschaften, 465 Punkten im Lesen und 464 Punkten in der Mathematik liegen die Ergebnisse deutlich unter den Werten von 2022.

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Ein Drittel der 15-Jährigen in Deutschland erreicht keine Basiskompetenzen in den Bereichen Lesen und Mathematik. Experten warnen in diesem Kontext vor einem Kreislauf scheinbarer Produktivität, der keinen nachhaltigen Lerneffekt erziele.

Eine Expertin der Initiative STARTUP TEENS gab zu bedenken, dass KI fehlende Grundkompetenzen nicht kompensiere, sondern das bestehende Problem verschärfe. Es drohe eine gesellschaftliche Spaltung zwischen Personen, die weiterhin zur kognitiven Eigenleistung bereit sind, und jenen, die das Denken an die Technik auslagern.

Wissenschaft und Arbeitswelt im Wandel

Der Einfluss von Sprachmodellen zeigt sich auch in der akademischen Welt und auf dem Arbeitsmarkt. Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 stiegen die Einreichungen bei der Fachzeitschrift Organization Science um 42 Prozent.

Eine Untersuchung von Artikeln auf PubMed Central aus dem Dezember 2025 ergab zudem, dass 89 Prozent der Beiträge Spuren von KI-Nutzung aufwiesen. In einer Umfrage unter 1600 Gutachtern gaben 53 Prozent an, Sprachmodelle für ihre Arbeit zu verwenden.

Für die Wirtschaft prognostiziert das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass bis zum Jahr 2029 etwa 30 Prozent der Beschäftigten, die zuvor durch KI ersetzt wurden, wieder eingestellt werden müssen – häufig zu höheren Kosten.

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Unternehmen, die Produktivitätsgewinne durch KI primär zur Kosteneinsparung nutzen, könnten bis 2027 von Wettbewerbern überholt werden. Gartner rät daher zu einer Neuausrichtung der Talente statt eines radikalen Stellenabbaus.

Erhalt der menschlichen Instanz

Forschungseinrichtungen und Bildungsexperten mahnen zur Vorsicht. Linguisten der Universität Zürich unterstrichen Anfang September 2026, dass der Wert des Selberschreibens als Erkenntniszugang für Lernende erlebbar bleiben müsse. In der Literaturwissenschaft werde die KI-gestützte Interpretation teilweise als verfrüht kritisiert.

In der industriellen Anwendung zeichnet sich ein trend zum Prinzip „Human-in-the-loop“ ab. Hierbei übernehmen Roboter und KI zwar die Prüfung und Bewertung von Prozessen, die endgültige Entscheidung bleibt jedoch im Ausnahmefall dem Menschen vorbehalten. Dieser Ansatz wird für Bereiche wie die Qualitätsprüfung, Wartung und Logistik als zukunftsweisend erachtet, um die menschliche Urteilsfähigkeit in hochautomatisierten Systemen zu wahren.

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