Recruiting, Personalauswahl

KI im Recruiting: Nur 12 Prozent der Unternehmen setzen sie bislang ein

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 03:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nur wenige Unternehmen setzen KI direkt bei der Personalauswahl ein; Produktivitätsgewinne und regionale Unterschiede prägen die Entwicklung.

KI im Recruiting: geringe Nutzung, neue Tools und offene Herausforderungen
Ein modernes, leeres Büro mit ergonomischen Stühlen und Holztischen in hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Trotz der breiten Debatte über die Automatisierung der Arbeitswelt ist der tatsächliche Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in Personalabteilungen bislang begrenzt.

Laut aktuellen Umfragedaten integrieren derzeit lediglich 12 Prozent der Unternehmen KI-Technologien direkt in ihre Bewerbungs- und Rekrutierungsprozesse. Diese Zurückhaltung steht im Kontrast zu einer rasch wachsenden technologischen Infrastruktur und einer hohen Nutzungsrate aufseiten der Bewerber.

Neue Automatisierungslösungen für den Fachkräftemangel

Während die allgemeine Adoptionsrate niedrig bleibt, treiben spezialisierte Dienstleister die technologische Entwicklung voran. Das Unternehmen JobStreet by SEEK stellte im Rahmen von JobStreet Connect die neue Lösung seekAi vor. Das System umfasst KI-gestützte Sprachinterviews zur Vorauswahl, automatisierte Kandidatenrankings sowie Referenzprüfungen.

Nach Angaben der Managing Director Dannah Majarocon können Recruiter durch solche Werkzeuge etwa 10 bis 12 Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Bisher umfasse die Suche bis zur finalen Auswahl (Shortlist) durchschnittlich rund 3.000 Klicks.

Ein wesentlicher Aspekt dieser Systeme ist die Flexibilität für die Bewerber: Diese können Vorauswahl-Interviews auf ihren eigenen Geräten und zu einem frei gewählten Zeitpunkt absolvieren.

Die zugrunde liegende Technologie nutzt laut Unternehmensangaben Marktintelligenz aus 25 Jahren sowie täglich 750 Millionen Signale von Arbeitgebern und Kandidaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Durch personalisiertes Targeting erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit für passende Bewerbungen um das Fünffache.

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Diskrepanz zwischen Bewerbern und Arbeitgebern

Besonders deutlich wird das Gefälle beim KI-Einsatz in der Schweiz. Während 86 Prozent der dortigen Bewerber KI-Tools für ihre Unterlagen nutzen, würden lediglich 39 Prozent der Arbeitgeber Kandidaten bevorzugen, die solche Hilfsmittel verwenden. Dennoch nutzen bereits 69 Prozent der Recruiter in der Schweiz KI-Unterstützung beim Verfassen von Jobbeschreibungen oder Interviewfragen.

In den USA berichten RefAssured zufolge fast alle befragten Personalverantwortlichen von Erfahrungen mit Kandidatenbetrug. Rund 78 Prozent der Arbeitssuchenden räumen ein, dass KI das Vortäuschen von Qualifikationen erleichtere.

In der Folge vertrauen lediglich 11 Prozent der Recruiter auf eine rein KI-basierte Betrugserkennung. Zudem geben 61 Prozent der Jobsuchenden an, weiterhin menschliche Ansprechpartner im Rekrutierungsprozess zu bevorzugen.

Regionale Unterschiede und wirtschaftliche Auswirkungen

In Südostasien zeigt sich ein differenziertes Bild: Während in der Region durchschnittlich 27 Prozent der Arbeitgeber KI in der Rekrutierung einsetzen, liegt dieser Wert auf den Philippinen bei 39 Prozent. Dennoch gibt es prominente Ausnahmen; so gab die Personalchefin von DITO Telecommunity, Holy Ampaguey, an, weiterhin auf manuelle Rekrutierungsprozesse zu setzen.

In Indien verdeutlicht ein Bericht der Gi Group Holding erhebliche Defizite bei Berufseinsteigern. Demnach bestehen 64 Prozent der Kandidaten für Einstiegspositionen die initialen Kompetenztests nicht. Bei Großunternehmen liegt diese Durchfallquote sogar bei 70 Prozent. Neun von zehn Arbeitgebern betrachten Abschlüsse von nicht-elitären Bildungseinrichtungen nicht als verlässlichen Kompetenznachweis.

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Produktivität und regulatorische Herausforderungen

Die wirtschaftlichen Auswirkungen der KI-Nutzung bleiben bisher hinter den Erwartungen zurück. Eine McKinsey-Umfrage ergab, dass zwar 80 Prozent der Nutzer eine gesteigerte Produktivität wahrnehmen, aber nur 37 Prozent der Unternehmen eine Auswirkung auf ihr Betriebsergebnis feststellen.

Lediglich 6 Prozent berichten von bedeutenden finanziellen Effekten. In Australien musste Deloitte eine teilweise Rückzahlung in Höhe von 290.000 AUD leisten, nachdem ein fehlerhafter, KI-gestützter Bericht an die Regierung übermittelt worden war.

Parallel zur technischen Entwicklung verschärft sich der regulatorische Rahmen. In den USA haben bereits New York City, Kalifornien, Illinois und Colorado spezifische Gesetze erlassen, die den Einsatz von KI im Beschäftigungskontext regeln. In Großbritannien unterstützt Shazia Ejaz von der REC den Technologieeinsatz, fordert jedoch gleichzeitig robuste Schutzmaßnahmen.

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