KI-Jobabbau, Lastminutecom

KI-Jobabbau: Lastminute.com streicht 25 Prozent der Stellen

27.06.2026 - 09:41:48 | boerse-global.de

Deutsche Bank sieht Potenzial im KI-Rückstand. Schweizer Firmen zeigen bereits radikale Jobumbrüche durch Automatisierung.

KI-Investitionsrückstand: Chance für Deutschlands Produktivität?
KI-Jobabbau - Eine futuristische Darstellung eines Gehirns mit leuchtenden Verbindungen, das über einer Gruppe von Menschen in einem Büro schwebt. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während die Politik auf eine Offensive setzt, zeigen Unternehmen in der Schweiz bereits, was der Wandel für Jobs bedeutet.

Investitionsrückstand als Produktivitätsbooster

Die Deutsche Bank sieht in deutschen Software-Investitionen eine historische Chance. Mit weniger als einem Prozent der Wirtschaftsleistung liegt Deutschland beim KI-Einsatz auf dem letzten Platz der OECD-Staaten. Zum Vergleich: Schweden investiert rund vier Prozent, Japan und Israel liegen ebenfalls weit vorne.

Chefvolkswirt Robin Winkler bewertet den Rückstand positiv. Der demografische Wandel sorgt für massiven Fachkräftemangel. KI könnte hier enorme Produktivitätssprünge bringen – ohne strukturelle Massenarbeitslosigkeit auszulösen. Die Bundesregierung hat bereits reagiert: Der Koalitionsvertrag sieht eine KI-Offensive vor, inklusive eines Programms für 100.000 Grafikprozessoren (GPUs).

Personalabteilungen hinken hinterher

Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. Eine Studie von Quadriga und dem Bundesverband der Personalmanager (BPM) vom 26. Juni zeigt: Nur elf Prozent der Personalverantwortlichen haben KI strategisch verankert. Sechs Prozent nutzen die Technologie gar nicht.

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Die größten Hürden: fehlende Ressourcen, mangelnde Kompetenzen und rechtliche Unsicherheiten. Bisher beschränkt sich der KI-Einsatz auf Pilotprojekte – etwa bei der Mitarbeitersuche oder Einarbeitung. Kritisch: Nur 41 Prozent der Personalmanager fühlen sich ausreichend in die Unternehmensstrategie eingebunden.

Schweizer Unternehmen streichen massiv Stellen

Die Schweiz macht vor, was auf Deutschland zukommen könnte. Lastminute.com baut im Zuge einer KI-Reorganisation rund 25 Prozent seiner 1.600 Stellen ab. Ab 2027 sollen so jährlich 16 Millionen Euro eingespart werden. Auch DocMorris plant eine „AI-First-Strategie“ und streicht 100 Vollzeitstellen – das spart 15 Millionen Franken pro Jahr.

Forscher der Konjunkturforschungsstelle (KOF) beobachten seit 2024 einen Abwärtstrend bei IT-Jobs und sprachbasierten Tätigkeiten. Besonders Einstiegspositionen leiden. Die Gehaltsentwicklung zeigt die Kluft: Datenbankentwickler mit KI-Expertise verdienen bis zu 58 Prozent mehr, während Übersetzer und Texter 30 bis 40 Prozent weniger bekommen.

Der deutsche Arbeitsmarkt signalisiert Alarmstufe. Das Ifo-Beschäftigungsbarometer fiel im Juni auf 92,3 Punkte – Niveau der Corona-Pandemie. Vor allem Industrie und Handel planen Stellenabbau.

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NRW setzt auf Ausbildungsoffensive

Das Arbeitsministerium von Nordrhein-Westfalen präsentierte am 26. Juni eine KI-Erklärung mit sechs Kernzielen. Im Fokus: Fachkräfte durch KI unterstützen und notwendige Kompetenzen vermitteln. Konkretes Projekt ist der „AzubiTrain“ für rund 370.000 Auszubildende.

Jennifer Haase vom Weizenbaum-Institut warnt jedoch vor übertriebenen Erwartungen. KI könne zwar auf Alltagsniveau kreativ arbeiten, Spitzenqualität bleibe aber menschliche Domäne. Ihr Vorschlag: hybride Arbeitsmodelle mit gezielten „KI-freien Tagen“, um die Eigenkreativität zu fördern.

Eine McKinsey-Prognose rechnet bis 2030 mit rund drei Millionen Beschäftigten in Deutschland, deren Arbeitsalltag sich durch KI deutlich verändert. Besonders betroffen: Berufe mit Fokus auf Datenverarbeitung und wiederkehrenden Abläufen.

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