KI-Jobverluste: 87.714 Entlassungen in den USA in fünf Monaten
13.06.2026 - 03:03:07 | boerse-global.de
Während Amazon-Gründer Jeff Bezos von einem künftigen Arbeitskräftemangel spricht, warnen andere vor massiven Jobverlusten.
Zwei Lager, eine ungewisse Zukunft
Jeff Bezos zeigte sich am 11. Juni in einem Fernsehinterview optimistisch. Die Angst vor Massenentlassungen sei unbegründet, so der Amazon-Gründer. Wie die landwirtschaftliche Revolution werde auch KI langfristig zu einem Mangel an Arbeitskräften führen – nicht zu einem Überschuss an Arbeitslosen. Sein Unternehmen Prometheus, das er gemeinsam mit Vikram Bajaj gründete, sammelte kürzlich rund 11 Milliarden Euro in einer Series-B-Finanzierungsrunde ein. Das Startup, mittlerweile mit etwa 38 Milliarden Euro bewertet, arbeitet an einem „künstlichen Generalingenieur" für die Fertigungsindustrie.
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Ganz anders sieht es Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic. In einem politischen Positionspapier vom 11. Juni warnte er vor erheblichen und dauerhaften Arbeitsplatzverlusten. Die Gesellschaft müsse sich auf verschiedene Szenarien der Arbeitslosigkeit vorbereiten. Unterstützung erhielt Amodei von AOL-Mitgründer Steve Case. Auf einer Technologiekonferenz in Aspen am 12. Juni bezeichnete Case die Auswirkungen der KI zwar als große Chance, rechnet aber unterm Strich mit einem negativen Saldo für die Gesamtbeschäftigung.
Milliarden für die Absicherung
Anthropic zieht Konsequenzen aus den düsteren Prognosen. Das Unternehmen kündigte am 11. Juni einen „Economic Futures Research Fund" in Höhe von rund 173 Millionen Euro an, begleitet von einem 130 Millionen Euro schweren Stipendienprogramm. Das wirtschaftliche Rahmenwerk des Konzerns sieht abgestufte Reaktionen vor: Bei einer Arbeitslosenquote von fünf Prozent sollen Umschulungsmaßnahmen greifen. Steigt die Quote auf über 25 Prozent, fordert Anthropic ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Einrichtung von Staatsfonds.
Investor Vinod Khosla schlug am 12. Juni noch radikalere fiskalische Maßnahmen vor. KI könne langfristig 80 Prozent aller wirtschaftlich wertvollen Tätigkeiten automatisieren, so seine Prognose. Er empfiehlt, ab 2028 die Steuervorteile für Kapitalerträge zu streichen, um jährlich rund 370 Milliarden Euro für umgeschulte Arbeitnehmer freizusetzen. Zusätzlich schlägt Khosla eine spezielle Steuer auf KI-getriebene Produktivitätsgewinne vor.
Agentische KI verändert Geschäftsmodelle
Der Wandel ist bereits Realität. Am 11. Juni wurde bekannt, dass der Immobilienkonzern Opendoor seine 250-köpfige Niederlassung in Indien schließt. Stattdessen setzt das Unternehmen auf kleinere, KI-native Teams in den USA. Der Trend: Agentische KI übernimmt Back-Office-Aufgaben wie Kundenservice und Buchhaltung – Tätigkeiten, die bisher oft nach Indien ausgelagert wurden.
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Auch in der Robotikbranche zeichnet sich ein Wandel ab. Dmitry Chistyakov, Technikchef von Rx2Go, betonte am 12. Juni, dass der wahre Wert der Automatisierung in der Systemintelligenz liege – nicht in der Hardware der Lieferroboter. Die Kosten für physische Roboter seien im Vergleich zu menschlichen Boten weiterhin hoch. Durch die Steuerung der Agenten als einen einzigen Organismus könne man jedoch eine nahezu perfekte Auftragsgenauigkeit erreichen. Rx2Go wird derzeit mit rund 550 Millionen Euro bei einem Umsatz von 65 Millionen Euro bewertet.
Arbeitsmarkt unter Druck
Die Zahlen der ersten fünf Monate 2026 sprechen eine deutliche Sprache: In den USA wurden 87.714 Entlassungen auf KI zurückgeführt – obwohl 72 Prozent der Arbeitgeber über einen allgemeinen Mangel an Fachkräften klagen. Die aktuelle Arbeitslosenquote in den USA liegt bei 4,3 Prozent.
Die Gewerkschaften reagieren. Der Dachverband AFL-CIO mit 15 Millionen Mitgliedern drängt auf bundesstaatliche Regulierungen. Die Lehrergewerkschaft AFT startete am 12. Juni gemeinsam mit mehreren Technologiekonzernen eine 21 Millionen Euro schwere Akademie für KI-Unterricht. Zunehmend fordern die Gewerkschaften eine verpflichtende sechsmonatige Ankündigungsfrist, bevor Unternehmen neue KI-Werkzeuge am Arbeitsplatz einführen.
Sicherheitsbedenken bleiben ein zentrales Thema. Google DeepMind kündigte am 11. Juni einen zehn Millionen Euro schweren Fonds zur Erforschung der Risiken von Multi-Agenten-KI-Systemen an – darunter mögliche Betrugsmaschen und Cyberangriffe. Die Sicherheitsdirektoren des Unternehmens warnen: Der massenhafte Einsatz solcher Systeme könnte nur noch wenige Monate entfernt sein.
