KI-LĂŒcke, Europa

KI-LĂŒcke: Europa hat nur 5 Prozent der globalen RechenkapazitĂ€t

20.06.2026 - 01:51:32 | boerse-global.de

Berlin und Paris legen gemeinsame Definition digitaler SouverĂ€nitĂ€t vor und kĂŒndigen milliardenschwere Investitionen in Deep Tech an.

Deutschland und Frankreich: Neue Strategie fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t
KI-LĂŒcke - Interconnected digital networks and glowing data streams forming the shapes of the French and German flags, symbolizing digital cooperation. 20.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Paris – Deutschland und Frankreich haben auf der VivaTech 2026 in Paris eine gemeinsame Definition fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t vorgelegt. Das am 19. Juni verabschiedete Positionspapier soll einen koordinierten europĂ€ischen Ansatz fĂŒr technologische UnabhĂ€ngigkeit etablieren und die AbhĂ€ngigkeit von nicht-europĂ€ischen Anbietern reduzieren.

Sechs Kerndimensionen der Technologiekontrolle

Anzeige: Europa hĂ€lt nur 5 Prozent der globalen KI-RechenkapazitĂ€t – wĂ€hrend 80 Prozent in den USA liegen. Das neue deutsch-französische Positionspapier definiert zwar sechs SĂ€ulen digitaler SouverĂ€nitĂ€t, doch konkrete UmsetzungsplĂ€ne fĂŒr Unternehmen fehlen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert AbhĂ€ngigkeit von US-Cloud-Anbietern und CLOUD Act. Whitepaper: 6 SĂ€ulen digitaler SouverĂ€nitĂ€t jetzt anfordern

Das neue Rahmenwerk beschreibt digitale SouverĂ€nitĂ€t als die kollektive FĂ€higkeit, digitale Technologien eigenstĂ€ndig zu entwickeln, bereitzustellen, zu nutzen, anzupassen und zu kontrollieren. Die Strategie stĂŒtzt sich auf sechs Kerndimensionen, mit besonderem Fokus auf rechtliche Durchsetzbarkeit, Datenschutz und die Resilienz kritischer Infrastrukturen.

Die Vereinbarung bevorzugt europĂ€ische Anbieter und fördert den Einsatz von Open-Source-Lösungen. Nicht-europĂ€ische Unternehmen werden jedoch nicht vollstĂ€ndig ausgeschlossen. Unter bestimmten risikobasierten Bedingungen können auch Anbieter aus vertrauenswĂŒrdigen Partnerstaaten am Markt operieren. Der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger bezeichnete die Reduzierung externer AbhĂ€ngigkeiten als „geopolitische Notwendigkeit“ fĂŒr den Kontinent.

Milliarden-Fonds fĂŒr Deep Tech

Parallel zu den neuen Leitlinien kĂŒndigte Frankreich am 19. Juni einen 13 Milliarden Euro schweren Technologiefonds an. Die französische Regierung plant, diesen Betrag bis Jahresende auf 15 Milliarden Euro aufzustocken. Die HĂ€lfte der Mittel fließt in Deep-Tech-Bereiche wie Quantencomputing, Raumfahrttechnologie, Biotechnologie und kĂŒnstliche Intelligenz.

Zur besseren Koordination wurde der Deutsch-Französische Zukunftsworkshop wiederbelebt. Diese Initiative soll den Austausch zwischen Unternehmen vertiefen und die Industriepolitik zur StÀrkung der technologischen WiderstandsfÀhigkeit abstimmen.

Trotz der Einigung auf höchster Ebene fordern WirtschaftsverbĂ€nde konkretere UmsetzungsplĂ€ne. Der Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi) begrĂŒĂŸte das Positionspapier, doch PrĂ€sident Dr. Oliver GrĂŒn drĂ€ngt auf verbindliche Maßnahmen – etwa verpflichtende SouverĂ€nitĂ€tsklauseln im Vergaberecht und gezielte UnterstĂŒtzung fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen.

Sicherheitsbedenken treiben Strategiewechsel voran

Die Initiative zur digitalen SouverĂ€nitĂ€t wird auch durch Sorgen vor nicht-europĂ€ischen Gesetzen wie dem US-amerikanischen CLOUD Act und möglichen Lieferkettenunterbrechungen befeuert. SicherheitserwĂ€gungen haben bereits zu VerĂ€nderungen bei öffentlichen Ausschreibungen gefĂŒhrt. Am 17. Juni kĂŒndigte der französische Geheimdienst DGSI an, die Datenanalyse-Software des US-Unternehmens Palantir durch Lösungen der französischen Firma ChapsVision zu ersetzen.

Dieser Wechsel, der einer Ă€hnlichen Entscheidung des deutschen Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz folgt, dĂŒrfte mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Der französische Premierminister Lecornu betonte, die Nation mĂŒsse strategische AbhĂ€ngigkeiten im Bereich der kĂŒnstlichen Intelligenz vermeiden. Zur UnterstĂŒtzung heimischer Unternehmen wie ChapsVision und Mistral AI stellte Frankreich zudem 655 Millionen Euro fĂŒr KI-Forschung bereit.

Gemeinsames KI-Zentrum soll RechenlĂŒcke schließen

Anzeige: Der französische Geheimdienst DGSI tauscht Palantir gegen ChapsVision – ein Signal fĂŒr alle Entscheider: Die Ära der ungeprĂŒften US-Tech-Dienste endet. Mit dem 13-Milliarden-Deep-Tech-Fonds Frankreichs und dem neuen deutsch-französischen KI-Zentrum entstehen Alternativen. Doch ohne eigene Strategie droht Ihr Unternehmen den Anschluss zu verlieren. Risikocheck: Externe Technologieanbieter jetzt prĂŒfen

Europa liegt bei der Rechenleistung fĂŒr kĂŒnstliche Intelligenz weit zurĂŒck: Nur etwa fĂŒnf Prozent der globalen KI-KapazitĂ€ten befinden sich hier, verglichen mit 80 Prozent in den USA. Um diese LĂŒcke zu schließen, grĂŒnden das Deutsche Forschungszentrum fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz (DFKI) und sein französischer Partner Inria ab Juli 2026 ein gemeinsames deutsch-französisches KI-Zentrum.

Der Vorstoß fĂŒr mehr Autonomie erfolgt vor dem Hintergrund jĂŒngster globaler Spannungen beim Zugang zu KI-Technologien. Mitte Juni 2026 wurde bekannt, dass US-Behörden den Zugang zu bestimmten fortschrittlichen KI-Modellen eingeschrĂ€nkt hatten. Daraufhin einigten sich die G7-Staaten am 17. Juni darauf, innerhalb eines Monats eine koordinierte KI-Kooperationsplattform zu schaffen.

In der Privatwirtschaft versuchen europĂ€ische Unternehmen, schneller zu skalieren. Mistral AI, das nach einer Investitionsrunde im September 2025 mit fast zwölf Milliarden Euro bewertet wurde, bleibt eine zentrale Figur dieser BemĂŒhungen. Das Unternehmen hatte zuvor einen 11-Prozent-Anteil von ASML erhalten, um seine Entwicklung zu beschleunigen. Minister Wildberger kĂŒndigte fĂŒr die Regulierung des Sektors eine schlanke Aufsichtsstruktur an, die Innovation und Regulierungsanforderungen in Einklang bringen soll.

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