KI-Phishing: Google klagt gegen chinesisches Betrugsnetzwerk
13.06.2026 - 22:46:58 | boerse-global.de
Der Technologiekonzern Google hat Mitte Juni 2026 Zivilklage gegen das chinesische Betrugsnetzwerk „Outsider Enterprise“ eingereicht. Die Gruppe soll künstliche Intelligenz für massenhafte Phishing-Angriffe missbraucht haben.
KI-gestützte SMS-Flut in Rekordzeit
Die Klage stützt sich unter anderem auf das RICO-Gesetz gegen organisierte Kriminalität. Laut Klageschrift nutzte das Netzwerk Googles KI-Modell Gemini, um innerhalb von nur zwei Wochen im Mai rund 2,5 Millionen betrügerische SMS an Android-Nutzer zu verschicken.
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Die Gruppe koordinierte ihre Aktionen über verschlüsselte Telegram-Kanäle und bot dort spezielle Phishing-Kits an. Ermittler konnten dem Netzwerk die Erstellung von rund 9.000 gefälschten Websites und über eine Million betrügerischer URLs zuordnen. Dabei kamen 131 verschiedene Software-Kits zum Einsatz. Google arbeitet bei der Aufarbeitung des Falls mit dem FBI sowie den Mobilfunkbetreibern AT&T, T-Mobile und Verizon zusammen.
Explosionsartiges Wachstum von KI-Phishing
Die aktuelle Bedrohungslage hat eine neue Dimension erreicht. Marktforscher berichten von einem Anstieg der Phishing-Angriffe um das Vierzehnfache im Vergleich zum Vorjahr. Rund 82 Prozent aller Phishing-Mails sind inzwischen KI-generiert. Besonders Smishing – Betrug per SMS – legte um 40 Prozent zu.
Kriminelle setzen KI aber nicht nur für Texte ein. Beim sogenannten „AI Poisoning“ manipulieren sie Suchergebnisse von Chatbots, um Nutzer auf gefälschte Shops zu locken. Der weltweite Schaden durch Telefonbetrug liegt laut Interpol bei über 400 Milliarden Euro. Das FBI bezifferte die Verluste durch Cyberkriminalität im vergangenen Jahr auf rund 19,5 Milliarden Euro – davon entfielen 830 Millionen Euro auf KI-gestützten Betrug.
Neue Schutzfunktionen und erste Erfolge der Justiz
Google reagiert auf die immer täuschenderen Betrugsversuche mit neuen Sicherheitsfunktionen für Android. Die Funktion „Fake Call Detection“ soll verdächtige Anrufmuster erkennen, die auf Spoofing oder KI-Stimmen hindeuten. Bereits jetzt blockiert das Unternehmen monatlich über zehn Milliarden schädliche Nachrichten.
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Auch die Justiz wird aktiv. In Vietnam droht bis Mitte Juni die Sperrung von Millionen Mobilfunknummern ohne Identitätsverifikation. In Deutschland verurteilte das Landgericht Osnabrück einen 51-Jährigen zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft. Der Täter hatte von der Türkei aus Schockanrufe gegen Senioren in mehreren deutschen Städten organisiert.
Trotz dieser Erfolge bleiben lokale Fälle eine Herausforderung. In Mannheim-Käfertal verlor eine 88-jährige Frau rund 50.000 Euro an Betrüger, die sich am Telefon als Angehörige in Not ausgaben. Auch in Genua meldete die Polizei Fälle von Telefon-Spoofing, bei denen Täter unter vorgetäuschten seriösen Nummern Gold und Schmuck erbeuteten.
Experten raten zur Nutzung von Passwort-Managern und zur konsequenten Aktivierung der Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA). Nur so bleiben Konten gegen die automatisierten Angriffswellen geschützt.
