KI-Risiko: 60% der Manager fürchten Kompetenzverlust bei Fachkräften
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 21:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Unternehmen und Arbeitnehmer stehen vor der Herausforderung, Kompetenzen nicht nur aufzubauen, sondern sie trotz Automatisierung aktiv zu erhalten. Gezielte Lernstrategien und Bildungsurlaub gewinnen dabei massiv an Bedeutung.
KI frisst Kompetenzen – Manager schlagen Alarm
Die Integration Künstlicher Intelligenz in Arbeitsprozesse wird von Führungskräften zunehmend kritisch gesehen. Laut einer Untersuchung der Boston Consulting Group befürchten mehr als 60 Prozent der befragten Manager, dass fundamentale Fähigkeiten durch KI verkümmern könnten. Besonders betroffen: menschliches Urteilsvermögen, Problemlösefähigkeit und kreatives Denken.
Als Gegenmaßnahme empfehlen Analysten den sogenannten Ensemble-Ansatz. Dahinter steckt ein synergetisches Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Diskutiert wird auch die Einrichtung KI-freier Zonen, um die eigenständige kognitive Leistung der Belegschaft zu fördern.
Ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt ist zudem der „Return on Intelligence“. Es müsse genau geprüft werden, ob die Kosten für KI-Token in einem angemessenen Verhältnis zur erbrachten Arbeitsleistung stehen, so die Experten.
Jobmarkt für Berufseinsteiger unter Druck
Trotz des Bedarfs an neuen Kompetenzen verzeichnet der Arbeitsmarkt für Young Professionals eine rückläufige Tendenz. Stepstone-Daten belegen: Die Zahl der Stellenanzeigen für Berufseinsteiger lag 2025 rund 42 Prozent unter dem Fünf-Jahres-Schnitt. Analysen von Index Research bestätigen den Trend mit einem Rückgang um etwa 30 Prozent zwischen 2022 und 2025.
Experten warnen davor, die Ausbildung von Nachwuchskräften gegen Investitionen in KI aufzurechnen. Eine langfristige Qualifizierungsstrategie bleibe für die Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich.
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Bildungsurlaub boomed – doch die Kassen sind leer
Um den Anforderungen der digitalen Transformation zu begegnen, nutzen Arbeitnehmer verstärkt Angebote zum lebenslangen Lernen. Spezialisierte Seminare zu Lernstrategien für den Berufsalltag sind besonders gefragt. Für 2027 sind etwa dreitägige Kurse in Köln geplant, die in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und dem Saarland anerkannt sind.
Auch Volkshochschulen passen ihr Programm an. In Brandenburg startete Mitte Juli ein Intensivkurs für professionelle Office-Anwendungen und digitale Arbeitskompetenzen – anerkannt als Bildungszeit.
Doch während die Nachfrage steigt, stehen öffentliche Bildungsträger unter finanziellem Druck. In Düsseldorf berät der Stadtrat Mitte Juli über eine Satzungsänderung der VHS. Die Folge: eine Kürzung der Honorarmittel um rund 30 Prozent für den Zeitraum 2026/2027.
Betriebsräte haben ein Wörtchen mitzureden
Bei der Umsetzung von Qualifizierungs- und Urlaubsmaßnahmen spielt die betriebliche Mitbestimmung eine wesentliche Rolle. Laut IG Metall hat der Betriebsrat umfassende Rechte bei der Gestaltung von Urlaubsgrundsätzen und der Erstellung von Urlaubsplänen. Das Mitspracherecht erstreckt sich jedoch nicht auf die Festlegung der eigentlichen Urlaubsdauer.
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Global betrachtet setzen auch staatliche Stellen auf ambitionierte Bildungsziele. In der vietnamesischen Provinz Dong Thap wurde eine Strategie bis 2030 verabschiedet, die eine Teilnahmequote von 75 Prozent an Weiterbildungsmaßnahmen anstrebt. Bereits Mitte 2025 erreichten umfangreiche Kampagnen mehrere hunderttausend Menschen.
Kognitive Fitness per Wearable und Eye-Tracking
Um die Leistungsfähigkeit in einer druckvollen Arbeitsumgebung zu erhalten, setzt die Forschung auf neurowissenschaftliche Methoden. Das Fraunhofer IAO plant für November 2026 den Start des „Cortex Circle“. Dieses Programm für Führungskräfte nutzt Wearables und Eye-Tracking, um kognitive Muster sichtbar zu machen und die Belastbarkeit der Teilnehmenden zu stärken.
Parallel entstehen neue Institutionen für die Ausbildung künftiger Entscheidungsträger. In Köln eröffnete Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte Juli die Adenauer School of Government an der Universität zu Köln. Die durch eine private Stiftung finanzierte Einrichtung will Führungskräfte gezielt für Politik und Verwaltung qualifizieren. Die private Finanzierung des Projekts hatte im Vorfeld zu studentischen Protesten geführt.
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