KI-Scraping, Microsoft-Direktor

KI-Scraping: Microsoft-Direktor nennt es Arbeitsdiebstahl

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 00:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Gerichtsunterlagen legen interne Kritik an KI-Datennutzung offen und zeigen starke Einbußen bei Verlagsklicks durch Microsoft Copilot.

Microsoft und OpenAI: Gerichtsdokumente zeigen KI-Datenstreit
Ein verlassener Archivraum mit leeren Holzregalen und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

In dem weitreichenden Urheberrechtsstreit zwischen großen Medienhäusern und den Technologieunternehmen Microsoft und OpenAI sind neue, unredigierte Gerichtsdokumente veröffentlicht worden. Die im Rahmen einer Motion for Summary Judgment freigegebenen Unterlagen offenbaren eine hochgradig kritische interne Sichtweise führender Microsoft-Mitarbeiter auf die Praxis des Datensammelns für den Betrieb Künstlicher Intelligenz (KI).

Interne Kritik bei Microsoft und OpenAI

Den nun zugänglichen Dokumenten zufolge bezeichnete Brent Hecht, Forschungsdirektor bei Microsoft, das sogenannte KI-Daten-Scraping intern als den größten Arbeitsdiebstahl der Menschheit.

In einem Memo aus dem Januar 2023 charakterisierte er die Erfassung von Nachrichteninhalten zudem als eine komplette Verhöhnung des juristischen Konzepts der angemessenen Verwendung, des sogenannten Fair-Use-Begriffs. Hecht sprach in weiteren Mitteilungen von einem erstaunlichen Diebstahl in einem bisher beispiellosen Ausmaß. Microsoft wies diese Zitate als Ausdruck einer Einzelmeinung zurück.

Auch innerhalb von OpenAI wurden Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die Medienbranche laut. Nick Turley, der bei OpenAI für ChatGPT zuständige Leiter, hielt laut der Klägermotion intern fest, dass die eigenen Produkte weitgehend ersetzend wirkten. Er warnte zudem vor einer Lage, die für Verlage existenzbedrohend sein könne.

Microsoft-CEO Satya Nadella erklärte seinerseits, dass Inhalte hinter Bezahlschranken lizenziert werden müssten. Er habe OpenAI andernfalls dazu verpflichtet, die Modelle ohne diese Daten neu zu trainieren. Ein weiteres Dokument beschreibt den Start der eigenen KI-Strategie als eine Abwärtsspirale.

Massiver Rückgang der Klickraten für Verlage

Die Gerichtsunterlagen enthalten detaillierte Daten über die wirtschaftlichen Auswirkungen von KI-gestützten Suchfunktionen auf die Nachrichtenbranche. Demnach sank die Klickrate auf die Website der New York Times durch den Einsatz des Microsoft Copiloten um bis zu 93 Prozent im Vergleich zur herkömmlichen Bing-Suche.

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Für andere Medienhäuser wie die Daily News und weitere Kläger wurden Rückgänge der Klickraten zwischen 83 und 91 Prozent verzeichnet. Andere Daten der Klägerseite deuten sogar auf Einbrüche von bis zu 94 Prozent bei einzelnen Presseerzeugnissen hin.

Zusätzlich geben die Dokumente Aufschluss über den Umfang der für das Training verwendeten Datensätze. OpenAI nutzte für das sogenannte Midtraining 91.692 Werke der New York Times, der Daily News und des Center for Investigative Reporting. Ein weiterer Datensatz mit der Bezeichnung „Project Mango“ umfasste 160.903 einzigartige Presseerzeugnisse.

Insgesamt sollen laut Gerichtsdokumenten 3,9 Millionen Kopien von Inhalten der New York Times sowie 7,3 Millionen Kopien der Daily News und verbundener Seiten für das Training verwendet worden sein. Allein der Common-Crawl-Datensatz enthielt demnach mehr als 2 Millionen Dokumente der New York Times.

Rechtliche Argumentation und Branchenfolgen

Die Klägerseite, zu der neben der New York Times auch Ziff Davis und die New York Daily News gehören, argumentiert, dass das Training von KI auf geschützten Nachrichteninhalten nicht unter die Fair-Use-Regelung falle.

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Vivek Shah, CEO von Ziff Davis, setzte die geschätzten jährlichen Lizenzgebühren für die Nachrichtenbranche von etwa 20 Milliarden US-Dollar in Relation zu den von OpenAI erwarteten Ausgaben für Recheninfrastruktur. Diese belaufen sich bis zum Jahr 2030 voraussichtlich auf 750 Milliarden US-Dollar, womit die Lizenzkosten lediglich einen Rundungsfehler darstellten.

OpenAI beruft sich hingegen weiterhin auf Fair Use und argumentiert mit einer impliziten Lizenz, da viele Verlage keine technischen Sperren in ihren robots.txt-Dateien hinterlegt hatten. Inzwischen sind mehr als 550 Verlage der Klage gegen Microsoft und OpenAI beigetreten.

Der zuständige Richter am US-Bezirksgericht für den südlichen Distrikt von New York, Sidney H. Stein, hat zur Einreichung von unterstützenden Stellungnahmen bis Mitte Oktober 2026 aufgerufen. Die Anträge auf ein summarisches Urteil wurden Anfang September eingereicht, nachdem das US-Justizministerium kurz zuvor eine weite Auslegung des Fair-Use-Prinzips unterstützt hatte.

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