KI-Training in Indien: MeitY plant Datenplattform ohne individuelle Einwilligung
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 03:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deIndiens Ministerium für Elektronik und Informationstechnik hat einen zentralen Plattformansatz für das Training von Systemen der Künstlichen Intelligenz vorgestellt. In einem zugehörigen Leitfaden zur Architektur für Datenbefähigung und -schutz stuft die Behörde individuelle Einwilligungsprozesse bei der Weitergabe institutioneller Datensätze als unpraktikabel ein.
Der Entwurf für das Rahmenwerk wurde am 31. Oktober 2026 von MeitY-Sekretär S Krishnan gemeinsam mit der iSPIRT Foundation in Bengaluru präsentiert. Die Veröffentlichung zielt darauf ab, Bedenken hinsichtlich Datenschutz, Vertraulichkeit und Dateneigentum im Kontext von KI-Anwendungen im Gesundheitswesen, im Finanzsektor, im Bildungswesen sowie in der öffentlichen Verwaltung zu adressieren.
Datenzugriff ohne Übertragung von Datensätzen
Das technische Modell stützt sich auf eine Kette aus Datenanbietern, einer Datenaustauschplattform und Datenkonsumenten. Als Anbieter fungieren Institutionen wie Krankenhäuser, Banken und Behörden, während Start-ups, Forschungseinrichtungen und Unternehmen als Abnehmer auftreten. Sektorspezifische Daten sollen in gemeinsamen Verbünden gebündelt werden.
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Anstelle eines zentralen Datensatz-Pools setzt die Architektur darauf, dass Algorithmen zu den Daten transferiert werden und nicht umgekehrt, wie der wissenschaftliche Hauptberater Ajay Kumar Sood darlegte. Die Bereitstellung erfolgt über sichere Rechenumgebungen, Pseudonymisierung und Methoden zur differenziellen Privatsphäre.
Ergänzend sind vertragliche Vereinbarungen und eine lückenlose Nachverfolgung von Herkunft, Rechten und Nutzung vorgesehen, sodass Daten nicht physisch übertragen werden müssen. Die Aufsicht soll einem Gremium mit Vertretern verschiedener Interessengruppen obliegen, während eine zuständige Behörde Zertifizierungen übernehmen soll.
Abkehr von individuellen Einwilligungen
Im Abschnitt zur Überwindung individueller Zustimmungen konstatiert das Handbuch, dass Einwilligungen in dieser Größenordnung nicht praktikabel seien. Individuelle Dateninhaber treten in der Architektur nicht unmittelbar in Erscheinung; ihr Schutz soll primär durch technische Sicherheitsvorkehrungen und Governance-Mechanismen gewährleistet werden.
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Finanzierungsseitig sieht das Dokument Lizenz- und Zugangsgebühren vor. Offen bleibt bislang, ob die Architektur von den Ausnahmeregelungen für Forschungsdaten unter dem indischen Datenschutzgesetz DPDP Act 2023 Gebrauch machen wird, die im Mai 2027 wirksam werden.
Als praktische Einsatzfelder nennt das Ministerium unter anderem bestehende Programme im Gesundheitssektor wie Nikshay und e-Sanjeevani, Finanzdaten aus der Umsatzsteuer und von Energieversorgern sowie Bildungsregister. Über das System soll zudem Millionen Menschen ohne Kredithistorie ein Zugang zu Finanzdienstleistungen eröffnet werden.
Fachliche Einordnung und Kontroversen
Bei dem 40-seitigen Dokument handelt es sich um eine unverbindliche Leitlinie ohne Gesetzeskraft. Modellrechnungen beziffern die Wahrscheinlichkeit für praktische Pilotprojekte innerhalb der kommenden 6 bis 12 Monate auf 48 Prozent, wobei die Tendenz als steigend beschrieben wird.
Das Vorhaben stößt in Fachkreisen auf Widerspruch. Ein Rechtsexperte der indischen Kanzlei Trilegal kritisierte, dass das Modell den Betroffenen die Kontrolle über ihre Daten entziehe und diese vollständig auf institutionelle Halter wie Krankenhäuser oder Banken verlagere.
Zudem stehe die Feststellung, dass individuelle Einwilligungen unpraktikabel seien, im Widerspruch zu öffentlichen Aussagen von IT-Minister Ashwini Vaishnaw, der das Rahmenwerk als einwilligungsbasiert dargestellt habe.
Darüber hinaus seien sichere Rechenumgebungen kein neues Konzept. Entsprechende Mechanismen wurden bereits 2019 in Finnland für Gesundheits- und Sozialdaten gesetzlich geregelt sowie 2022 im Vereinigten Königreich eingeführt. Ein vergleichbares Projekt im Bereich des verteilten Lernens zur Analyse von Hirntumoren umfasste im Jahr 2022 zudem bereits 71 Institutionen unter Führung von Penn Medicine.
