Deutsche Internetwirtschaft wÀchst stark
29.09.2025 - 05:05:05Die deutsche Internetwirtschaft wird in den kommenden fĂŒnf Jahren jĂ€hrlich um durchschnittlich 9,7 Prozent wachsen. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little im Auftrag des Branchenverbandes eco. Der Umsatz der Branche wird demnach von 245 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 389 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigen.
Die Studie nennt zwei Hauptursachen fĂŒr das Wachstum. Zum einen durchdringe die Digitalisierung sĂ€mtliche Lebens- und Arbeitsbereiche. Zum anderen nutzten Unternehmen und Verbraucher zunehmend KI-Technologien. Der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz bilde die Grundlage der aktuellen Dynamik und schaffe neue GeschĂ€ftsmodelle.
Dramatische AngebotslĂŒcke bei Rechenzentren
Trotz der positiven Prognosen warnt der eco-Verband vor strukturellen Defiziten und dem Risiko, dass der Wachstumsboom durch politische VersĂ€umnisse ins Leere laufen könnte. Ein zentrales Problem ist die massive AngebotslĂŒcke bei digitalen Infrastrukturen, insbesondere bei Rechenzentren.
Die Studienautoren prognostizieren, dass die IT-Anschlussleistung von Rechenzentren in Deutschland bis 2030 um rund 50 Prozent steigen wird, von 2,4 auf 3,7 Gigawatt. Sie berechnen jedoch gleichzeitig, dass die Nachfrage der Wirtschaft dann mindestens dreimal bis zu fĂŒnfmal so hoch sein wird, nĂ€mlich bis zu 12 Gigawatt. Damit droht Deutschland im internationalen Wettbewerb weiter zurĂŒckzufallen. Die USA verfĂŒgen bereits heute ĂŒber die 20-fache KapazitĂ€t Deutschlands.
Ohne zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten werden der Studie zufolge Rechenlasten ins Ausland verlagert, was die digitale SouverĂ€nitĂ€t Deutschlands gefĂ€hrden wĂŒrde. Der eco-Verband macht fĂŒr die InfrastrukturlĂŒcken vor allem einen schleppenden Glasfaserausbau, eine zögerliche Digitalisierung im Mittelstand und fehlende Plattformkompetenz verantwortlich.
Forderungen an die Politik
Der Vorstandsvorsitzende des eco-Verbandes, Oliver SĂŒme, warnte, ohne entschlossenes politisches Handeln könnte der Wachstumsboom ins Leere laufen. «KI und Automatisierung lassen die Nachfrage nach Rechenleistung und schnellen Netzen explodieren. Die aktuellen Bedingungen am Standort Deutschland erlauben es uns aber gar nicht, die entsprechenden KapazitĂ€ten zeitgerecht dem Markt zur VerfĂŒgung zu stellen.» Dies habe auch mit politischen VersĂ€umnissen zu tun, sagte SĂŒme.Â
Konkret fordert der Verband von der Politik, den Zugang zu bezahlbarem grundlastfĂ€higem Strom sicherzustellen. Die hohen Industriestrompreise in Deutschland lĂ€gen mit rund 23 Cent pro Kilowattstunde 25 Prozent ĂŒber dem EU-Durchschnitt. Dies stelle ein gravierendes Standortproblem dar und mindere die internationale WettbewerbsfĂ€higkeit der Betreiber.


