KI-Urheberrecht: 400 US-Zeitungen verklagen OpenAI und Microsoft
25.06.2026 - 15:26:41 | boerse-global.de
Der Vorwurf: Die Tech-Konzerne hätten systematisch urheberrechtlich geschützte Journalismus-Inhalte für das Training ihrer KI-Modelle genutzt – ohne Lizenz und ohne Bezahlung.
Die Klage wurde am 24. Juni beim Bundesgericht für den Südbezirk von New York eingereicht. Zu den Klägern gehören unter anderem Richner Communications, AIM Media und die Arkansas Democrat-Gazette. Vertreten werden sie von der Anwaltskanzlei Platkin LLP.
Der Vorwurf: Systematischer Diebstahl
Die Verlage werfen OpenAI und Microsoft vor, ihre Websites ohne Erlaubnis durchsucht und Artikel für die Entwicklung von ChatGPT und Microsoft Copilot kopiert zu haben. Besonders brisant: Auch Inhalte hinter Bezahlschranken seien abgegriffen worden.
Laut Klageschrift hätten die Unternehmen zudem Urheberrechtsvermerke aus den Originalwerken entfernt – ein Verstoß gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Die Verlage fordern Schadensersatz und eine dauerhafte Unterlassungsverfügung.
Die Klage reiht sich ein in eine wachsende Welle juristischer Auseinandersetzungen. Bereits zuvor hatten unter anderem die New York Times, Ziff Davis, Merriam-Webster und Encyclopaedia Britannica ähnliche Verfahren gegen KI-Entwickler angestrengt.
Branche zwischen Klagen und Deals
OpenAI-Sprecher Drew Pusateri wies die Vorwürfe zurück. Die Modelle würden mit öffentlich zugänglichen Daten trainiert – dies sei durch die „Fair Use"-Doktrin gedeckt.
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Doch während die juristischen Auseinandersetzungen toben, setzen andere Medienhäuser auf Lizenzverträge. Getty Images etwa schloss am 21. Juni einen mehrjährigen Display-Vertrag mit OpenAI. Die Vereinbarung erlaubt ChatGPT, redaktionelle Fotografie über die Getty-API anzuzeigen – allerdings nicht für das KI-Training. Nach der Ankündigung schoss die Getty-Aktie am Folgetag um 90 Prozent nach oben.
Neil Vogel, CEO von People Inc., zeigte sich hingegen skeptisch. Sein Unternehmen habe zwar Deals mit Meta, OpenAI und Microsoft abgeschlossen, ein Konflikt mit Google stehe aber wohl bevor. Das Problem: Google nutze denselben Crawler für die Suche und das KI-Training. Verlag könnten die Datensammlung für KI nicht blockieren, ohne auch bei der Google-Suche unsichtbar zu werden.
Forschung belegt KI-Kopien
Die juristischen Schritte werden durch akademische Forschung gestützt. Eine aktuelle Studie der Universitäten Stanford und Yale belegt: Führende KI-Modelle wie GPT-4.1 und Gemini 2.5 Pro können mit gezielten Aufforderungen lange Passagen aus geschützter Literatur nahezu originalgetreu reproduzeren.
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Auch die Musikindustrie ist betroffen. Bereits im März 2026 reichte die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA Klage gegen den KI-Musikgenerator Suno ein. Neue Überwachungstools ermöglichen es Kreativen zudem, ihre Werke in riesigen KI-Trainingsdatensätzen aufzuspüren. Unabhängige Produzenten meldeten, dass hunderte ihrer Titel ohne Zustimmung verwendet worden seien.
Neue Hardware für KI-Systeme
Während die Prozesse laufen, treiben OpenAI und seine Partner den technischen Ausbau voran. Am 24. Juni stellten OpenAI und Broadcom den „Jalapeño"-Chip vor – einen speziell für KI-Inferenz entwickelten ASIC-Schaltkreis. Die Entwicklung des Chips habe nur neun Stunden gedauert, erste Auslieferungen sind für Ende 2026 geplant. Parallel bestätigte Broadcom Pläne für den Bau gigawattgroßer Rechenzentren ab 2026, die in Zusammenarbeit mit Microsoft entstehen sollen.
