Kinderchirurgie, Roboterassistierte

Kinderchirurgie: Roboterassistierte Eingriffe jetzt auch bei Kindern

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 14:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

In Chemnitz operierte ein Versius-System erstmals ein Kind. Zugleich wachsen Anbieter, Klinikkapazitäten und Zulassungen für OP-Technik.

OP-Robotik erreicht Kinderchirurgie und erweitert Einsatzfelder
Ein steriler, moderner Operationssaal mit klinischer Beleuchtung und glänzenden Oberflächen ohne medizinisches Gerät. Illustration mit AI erstellt.

Die roboterassistierte Chirurgie hat einen weiteren Meilenstein erreicht: Am Klinikum Chemnitz wurde erstmals in Deutschland eine roboterassistierte Operation mit dem Versius-System an einem Kind durchgeführt. Das System ist am Klinikum bereits seit 2021 in der Erwachsenenchirurgie im Einsatz, die Übertragung auf pädiatrische Eingriffe markiert nun eine neue Anwendungsstufe.

Als besonderer Vorteil des Versius-Systems gilt die Feinheit der Instrumente: Sie sind deutlich schlanker als die bei anderen Systemen üblichen 8 bis 12 Millimeter – ein Faktor, der gerade bei Operationen an kindlichen Körpern von Bedeutung ist, da geringere Instrumentendurchmesser potenziell schonendere Eingriffe ermöglichen.

Ein wachsender Markt mit mehreren Anbietern

Der Chemnitzer Fall reiht sich in eine Serie von Entwicklungen ein, die zeigen, wie dynamisch sich der Markt für OP-Robotik derzeit entwickelt. Der Platzhirsch Intuitive hat für sein da Vinci 5 System eine CE-Kennzeichnung für sogenannte Force-Feedback-Instrumente erhalten. Diese erfassen Kräfte 1000-mal pro Sekunde und geben sie in Echtzeit an die Operierenden zurück.

Laut Unternehmensangaben verfügt das da Vinci 5 gegenüber dem Vorgängermodell da Vinci Xi über mehr als 100 Updates und eine 10.000-fach höhere Rechenleistung. Weltweit sind nach Unternehmensangaben 11.700 Systeme im Einsatz, mit denen bislang 21,8 Millionen Eingriffe durchgeführt wurden.

Auch kleinere Anbieter gewinnen an Boden: SS Innovations International (SSII) meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 13,9 Millionen US-Dollar, ein Plus von 39,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Berichtszeitraum wurden 30 SSi-Mantra-Systeme installiert, insgesamt sind es nun 224 Systeme in 12 Ländern mit über 12.000 durchgeführten Eingriffen. Das Unternehmen sieht in möglichen künftigen Zulassungen durch die US-Arzneimittelbehörde FDA sowie einer CE-Kennzeichnung Potenzial für weiteres Marktwachstum.

Deutsche Kliniken bauen Robotik-Kapazitäten aus

Neben Chemnitz investieren weitere deutsche Häuser in robotergestützte Verfahren. Das Werner-Forßmann-Krankenhaus Eberswalde kündigte die Einführung eines Da-Vinci-Systems ab Ende September 2026 an, das in der Allgemein- und Viszeralchirurgie sowie in der Urologie, etwa bei Prostatakrebs, eingesetzt werden soll.

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Als Vorteile nennt die Klinik eine bessere Sicht, höhere Präzision, weniger Schmerzen sowie kürzere Krankenhausaufenthalte von drei bis vier Tagen statt bislang bis zu zehn Tagen. Vor dem Einsatz durchlaufen die Operateure ein achtwöchiges Training.

Am Städtischen Krankenhaus Pirmasens, Standort Rodalben, ist ein computergestütztes Robotersystem für Knie-Operationen bereits seit September 2025 im Einsatz. Nach einem Jahr zieht die Klinik eine positive Bilanz: weniger Schmerzen, schnellere Mobilisierung und kürzere Krankenhausaufenthalte.

Die Operationen dauern rund 60 Minuten, Chefarzt Bassam Qasem betont die millimetergenaue Passung der Implantate; Patienten sind bereits am Folgetag belastbar.

Auch außerhalb der Robotik: Neue OP-Verfahren

Nicht alle chirurgischen Innovationen basieren auf Robotik. Am Klinikum Konstanz (GLKN) wurde im Landkreis Konstanz erstmals eine sogenannte Ross-Operation durchgeführt, bei der die körpereigene Pulmonalklappe die erkrankte Aortenklappe ersetzt, während eine Spenderklappe die entstandene Lücke schließt.

Das Verfahren richtet sich vor allem an jüngere Patienten mit Aortenklappenerkrankung und bietet laut Klinik Vorteile gegenüber herkömmlichen Klappenersatz-Operationen: Eine lebenslange Blutverdünnung entfällt, zudem sei mit einer längerfristigen Funktion der Klappe zu rechnen.

Auch in Spanien wächst der Einsatz robotergestützter Verfahren: Die Vithas-Klinik in Granada führte innerhalb von drei Wochen drei Da-Vinci-Operationen durch – zwei radikale Prostatektomien sowie eine Hysterektomie bei Zervixkarzinom. Konzernweit setzt die Vithas-Gruppe in Spanien sieben Da-Vinci-Systeme ein und verweist auf Vorteile wie geringeren Blutverlust und kürzere Erholungszeiten.

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Ergänzt wird das Bild durch Fortschritte in der Kardiologie: Abbott erhielt eine FDA-Zulassung für den TactiFlex Duo Ablation Catheter zur Behandlung von Vorhofflimmern. Das Gerät kombiniert Puls- und Radiofrequenzenergie und ist in das EnSite-X-EP-System integriert. Die Zulassung stützt sich auf Daten der FlexPulse-IDE-Studie, die bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern günstige Sicherheits- und Wirksamkeitswerte zeigte.

Die Vielzahl paralleler Entwicklungen – von der Erweiterung robotergestützter Verfahren auf neue Patientengruppen wie Kinder bis hin zu technischen Verbesserungen bei etablierten Systemen – deutet darauf hin, dass sich minimalinvasive und computergestützte Techniken in immer mehr Fachbereichen der Chirurgie etablieren.

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