Kindererziehung, Klaps-Akzeptanz

Kindererziehung: Klaps-Akzeptanz sinkt auf 30,9 Prozent

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 02:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nur noch 30,9 Prozent der Deutschen tolerieren einen Klaps. Experten warnen vor LangzeitschĂ€den fĂŒr Psyche und kognitive Entwicklung.

Studie: Körperliche Bestrafung verliert an Zustimmung, Folgen bleiben schwer
Ein Elternteil und ein Kind in einer warmen, unterstĂŒtzenden Interaktion in einem Wohnzimmer. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die gesellschaftliche Akzeptanz von körperlicher Bestrafung in der Erziehung sinkt – doch die Folgen fĂŒr Kinder bleiben gravierend. Eine aktuelle Studie der UniversitĂ€tsklinik Ulm (UKU) und Unicef zeigt: Nur noch 30,9 Prozent der Deutschen halten einen „Klaps auf den Hintern“ fĂŒr vertretbar. 2016 waren es noch 44,7 Prozent. Befragt wurden dafĂŒr 2.530 Personen zwischen Oktober 2024 und Februar 2025.

Der Trend ist international. In den USA sank die Rate körperlicher Bestrafung von 50 Prozent (1993) auf 35 Prozent (2017), so Daten aus JAMA Pediatrics. Trotz des RĂŒckgangs warnen Fachleute: Ein Klaps sei keine harmlose Geste. „Bereits ein vermeintlich leichter Klaps ist eine demĂŒtigende Geste, die das VertrauensverhĂ€ltnis nachhaltig stören kann“, sagt der Kinder- und Jugendpsychiater Jörg Fegert.

Langzeitfolgen fĂŒr Psyche und Denken

Die SchĂ€den durch körperliche Gewalt in der Erziehung sind nicht auf den Moment der Bestrafung beschrĂ€nkt. Forscher beobachten einen direkten Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen im Erwachsenenalter. Auch die kognitive LeistungsfĂ€higkeit leidet – betroffene Kinder entwickeln sich intellektuell schlechter.

Neben aktiver Gewalt rĂŒckt die VernachlĂ€ssigung in den Fokus. Experten fordern eine stĂ€rkere gesetzliche Ächtung, denn Kinder erleben VernachlĂ€ssigung als massive Bedrohung ihrer emotionalen Sicherheit. Selbst bewusstes Schweigen der Bezugspersonen kann Ă€hnliche Stressreaktionen auslösen wie physische Aggression.

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Kollektivstrafen und rechte VorfÀlle an Schulen

Im schulischen Umfeld zeigt ein aktueller Fall aus Karlsruhe die Problematik: GrundschĂŒler mussten im Sommer 2026 gemeinsam die Exkremente eines MitschĂŒlers beseitigen. PĂ€dagogik-Experten und der LandesschĂŒlerbeirat kritisierten dies als unzulĂ€ssige Kollektivbestrafung.

Parallel steigen rechtsextreme VorfĂ€lle an Schulen. Das Kultusministerium verzeichnete 2023 noch 38 gemeldete FĂ€lle, 2025 waren es 70. Jörg Fegert sieht darin eine Strategie zur Aufweichung gesellschaftlicher Tabus – eine zusĂ€tzliche Belastung fĂŒr das soziale GefĂŒge in Bildungseinrichtungen.

TherapieplÀtze in Gefahr

Die psychische Versorgung von Kindern und Jugendlichen bleibt angespannt. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz vom Juli 2026 sorgt fĂŒr Kritik: Eine Fachpsychotherapeutin warnt, dass die Deckelung der extrabudgetĂ€ren VergĂŒtung und der Wegfall von Mindesthonoraren bis zu 30 Prozent der TherapieplĂ€tze gefĂ€hrden könnten. Die Wartezeiten liegen bereits bei ĂŒber 100 Tagen.

Andere LĂ€nder machen es anders: Tschechien setzt seit 2018 auf dezentrale Zentren fĂŒr psychische Gesundheit. Von den geplanten 100 Einrichtungen sind 52 in Betrieb. Sie verkĂŒrzen Klinikaufenthalte – doch FachkrĂ€ftemangel und FinanzierungslĂŒcken bremsen den Ausbau.

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Fehlstart ins Berufsleben

Auch bei der Berufswahl gibt es Baustellen. Eine Bertelsmann-Studie aus 2026 zeigt: Viele Gymnasiasten ziehen trotz Hochschulreife eine Ausbildung in Betracht. Doch das System hakt: 54.400 AusbildungsplÀtze blieben zuletzt unbesetzt, wÀhrend 84.000 Bewerber leer ausgingen.

Bildungsforscher Stefan Wolter mahnt, den Fokus nicht allein auf Allgemeinbildung zu legen. „Praktische Berufsperspektiven mĂŒssen frĂŒhzeitig gefördert werden, um Frustrationserfahrungen beim Übergang in den Arbeitsmarkt zu vermeiden.“

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