Kinderzuschlag: 2,9 Millionen Kinder verlieren 25-Euro-Zuschlag
07.07.2026 - 00:39:20 | boerse-global.de
Der Haushaltsentwurf von Finanzminister Lars Klingbeil sieht massive Kürzungen bei Elterngeld, Kinderzuschlag und Wohngeld vor. Gleichzeitig steigen die Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur drastisch.
Elterngeld: Kürzere Bezugsdauer, höhere Sätze
Familienministerin Karin Prien will das Elterngeld neu strukturieren. Die maximale Bezugsdauer sinkt von 14 auf 12 Monate. Pro Elternteil sind künftig drei Monate fest reserviert – bisher waren es nur zwei Partnermonate. Die restlichen sechs Monate lassen sich flexibel aufteilen. Alleinerziehende behalten den Anspruch auf bis zu 12 Monate.
Die Beträge steigen leicht: Der Mindestsatz klettert von 300 auf 330 Euro, der Höchstbetrag von 1.800 auf 1.900 Euro. Die Einkommensgrenze bleibt bei 175.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Das Familienministerium erwartet Einsparungen von 500 Millionen Euro für 2027.
Der Deutsche Familienverband schlägt Alarm. Pro Familie könnten finanzielle Einbußen von bis zu 3.600 Euro drohen. Zudem warnen Verbände vor einer Betreuungslücke: Kitaplätze gibt es oft erst ab dem 13. Lebensmonat.
Kinderzuschlag und Wohngeld: Harte Einschnitte
Einkommensschwache Haushalte trifft es besonders hart. Das Bundeskabinett strich Anfang Juli den Sofortzuschlag von 25 Euro pro Monat für Kinder aus armutsgefährdeten Familien. Rund 2,9 Millionen Kinder sind betroffen. Der maximale Kinderzuschlag sinkt damit auf 272 Euro monatlich. Der Bund spart dadurch 450 Millionen Euro jährlich.
Das Wohngeld wird ebenfalls gekürzt. Ab dem 1. Januar 2027 treten Einschnitte in Kraft, die im ersten Jahr 1,5 Milliarden Euro einsparen sollen. In den Folgejahren sind es bis zu 2 Milliarden Euro. Die automatische Dynamisierung wird ausgesetzt, die Heizkostenkomponente halbiert. Haushalte mit einem bisherigen Anspruch von 50 bis 60 Euro könnten ihren Anspruch komplett verlieren.
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Krankenversicherung: Familienmitversicherung wird teurer
Gesundheitsministerin Warken plant Änderungen bei der Familienversicherung. Ehepartner zahlen künftig 2,5 Prozent ihres Einkommens für die Mitversicherung. Ursprünglich waren 3,5 Prozent im Gespräch. Eltern mit Kindern bis zu 11 oder 12 Jahren bleiben ausgenommen.
Die Zuzahlungen für Versicherte steigen um 50 Prozent, gedeckelt auf maximal 15 Euro. Ein automatischer Anstieg ist nicht vorgesehen. Der Herstellerabschlag auf Medikamente soll auf 15,5 Prozent klettern. Für die Gesundheitsversorgung von Grundsicherungsempfängern stellt der Bund 2027 zusätzlich eine Milliarde Euro bereit.
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Haushalt 2027: Rekordausgaben für Verteidigung
Finanzminister Klingbeil plant Gesamtausgaben von 555,4 Milliarden Euro. Die Neuverschuldung inklusive Sondervermögen liegt bei über 200 Milliarden Euro. Davon entfallen 118,7 Milliarden auf den Kernhaushalt. In die Infrastruktur fließen 54,9 Milliarden, in die Bundeswehr 30 Milliarden.
Die Verteidigungsausgaben steigen auf insgesamt 109,7 Milliarden Euro – ein Plus von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gegenfinanziert wird das durch Steuererhöhungen auf Alkohol, Tabak und Plastik. Allein die höhere Alkoholsteuer soll 455 Millionen Euro bringen. Aus dem Klima- und Transformationsfonds werden 2,7 Milliarden gestrichen.
