Klebetattoos, Produkten

Klebetattoos: 13 von 15 Produkten mit bedenklichen Chemikalien

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 11:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ab August 2026 verschärft die EU die PFAS-Regulierung. Während die Medizintechnik um Ausnahmen ringt, zeigen neue Verfahren vielversprechende Abbaumethoden.

PFAS-Verbot: Neue EU-Regeln ab August 2026 bedrohen Medizintechnik
Ein Laborbecher mit Wasserprobe auf einem Labortisch, symbolisch für die Analyse von Chemikalien in Konsumgütern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) sind allgegenwärtig. Die „Ewigkeitschemikalien“ stecken in Klebetattoos, beschichteten Pfannen und medizinischen Geräten. Ab August greifen neue EU-Regeln, die den Einsatz der Stoffe massiv einschränken sollen.

Giftcocktail in Klebetattoos für Kinder

Eine aktuelle Untersuchung aus Österreich schlägt Alarm. Umweltschutzorganisationen und Arbeitnehmervertreter testeten 15 Klebetattoos von großen Handelsplattformen und Drogeriemärkten. Das Ergebnis: 13 Produkte sind nicht empfehlenswert. In den Laboren fanden die Prüfer insgesamt 31 teils bedenkliche Chemikalien.

Besonders brisant: In vier Proben wiesen die Experten PFAS nach – konkret Polytetrafluorethylen (PTFE). Betroffen waren unter anderem Produkte bekannter Handelsketten. Hinzu kommen EU-weit verbotene Weichmacher wie DEHP in sechs Proben sowie Schwermetalle wie Blei und Nickel in nahezu allen untersuchten Tätowierungen.

PFAS stehen im Verdacht, das Immunsystem zu schwächen sowie Leber- und Hormonschäden zu verursachen. Verbraucherschützer fordern deshalb eine Verschärfung der Grenzwerte und ein umfassendes Verbot der gesamten Stoffgruppe.

Medizintechnik fürchtet Lieferengpässe

Auf europäischer Ebene tut sich etwas. Ab August 2026 greifen neue EU-Regeln, die den Einsatz von PFAS weiter einschränken sollen. Die Schweiz hat bereits 16 spezifische PFAS verboten. Die EU bereitet nun ein Verbot von rund 10.000 Stoffen dieser Gruppe vor. Die Übergangsfristen variieren je nach Anwendungsbereich zwischen sechs Monaten und 16 Jahren.

Die Medizintechnikbranche blickt mit Sorge auf das laufende Beschränkungsverfahren der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Fachgremien wie der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) und der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) unterstützen zwar ein breites Verbot, prüfen aber mögliche Ausnahmen für kritische Anwendungen. Der Hintergrund: In Deutschland hängen jährlich rund 44 Millionen medizinische Eingriffe von Produkten ab, die fluorpolymerhaltige Komponenten enthalten.

Eine finale Stellungnahme des SEAC wird für Ende 2026 erwartet. Experten raten Unternehmen bereits jetzt zu einer umfassenden Bestandsaufnahme (PFAS-Mapping), um die eigene Betroffenheit frühzeitig zu identifizieren.

Anzeige

13 von 15 getesteten Klebetattoos enthielten bedenkliche Chemikalien – darunter PFAS, verbotene Weichmacher und Schwermetalle. Ab August greifen neue EU-Regeln. Erfahren Sie in unserem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Kinder schützen und schadstofffreie Alternativen finden. Jetzt kostenlosen Ratgeber sichern

Neue Verfahren zersetzen PFAS im Wasser

Parallel zur Regulierung macht die Forschung Fortschritte. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) stellten im Juli zwei neue Verfahren zum Abbau von PFAS vor.

Die hydrodynamische Kavitation baute in Versuchen PFOS (Perfluoroctansulfonsäure) um 37 Prozent ab. Noch effizienter erwies sich das kalte atmosphärische Plasma: Dieses Verfahren zersetzte sowohl lang- als auch kurzkettige PFAS nahezu vollständig. Dabei wurden etwa 35 Prozent des enthaltenen Fluors als Fluoridsalze freigesetzt.

Die Forscher streben nun eine Kombination beider Verfahren an. Ziel ist es, die Effizienz zu steigern und das System für größere Wassermengen zu skalieren.

Frankreich: Ein Dorf vergiftet

Dass der Handlungsbedarf akut ist, zeigen lokale Fallbeispiele. Im französischen Dorf Villy in den Ardennen wurde eine der höchsten PFAS-Konzentrationen des Landes gemessen. Die Kontamination geht auf Industrieschlamm einer nahegelegenen Fabrik zurück. Die Folgen für die rund 200 Einwohner sind gravierend: Die Landwirtschaft ist zum Erliegen gekommen, das Trinkwasser gilt als gesundheitsschädlich.

Anzeige

Blei, Nickel, DEHP – in fast allen Klebetattoos stecken Schadstoffe, die das Immunsystem schwächen können. Die gute Nachricht: Es gibt sichere Alternativen. Unser Ratgeber zeigt Ihnen 5 geprüfte Produkte und eine einfache Checkliste für den nächsten Einkauf. Ratgeber jetzt anfordern

Auch in Deutschland bleibt die Belastung ein Thema. Trinkwasseruntersuchungen des BUND in Bremen fanden zwischen Juni und Oktober 2025 PFAS-Rückstände – allerdings unter den geltenden neuen Grenzwerten. Dennoch betonen Verbraucherschützer: Die Exposition über Lebensmittel und Alltagsgegenstände muss weiter sinken.

In Fachpublikationen warnen Experten zudem davor, Industrieargumente über eine angebliche Alternativlosigkeit der Stoffe ungeprüft zu übernehmen. Ähnliche Debatten gab es bereits bei Asbest oder FCKW.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wissenschaft | 69834452 |