Klingbeils, Frühstartrente

Klingbeils Frühstartrente: Bundesbank soll Kinderdepots verwalten

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Gesetzentwurf sieht monatlich 10 Euro für Kinderdepots vor; die Ausschüsse beraten nun über die geplante Förderung.

Frühstartrente: Bundestag prüft staatliche Depotförderung für Kinder
Ein kleiner, wachsender Eichensetzling in einem sonnendurchfluteten Feld als Symbol für langfristiges Wachstum und Vorsorge. Illustration mit AI erstellt.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat das Gesetz zur sogenannten Frühstartrente in den Bundestag eingebracht. Das Vorhaben zielt darauf ab, die traditionelle Sparbuchkultur um Sparpläne und Depots zu ergänzen. Vorgesehen ist, dass der Staat für Kinder und Jugendliche monatlich 10 Euro in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot einzahlt. Das Parlament überwies die Gesetzesvorlage an die zuständigen Ausschüsse.

Förderkriterien und Verwaltung über die Bundesbank

Nach den Plänen der Bundesregierung richtet sich die Förderung an Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren mit erstem Wohnsitz in Deutschland. Der monatliche Betrag von 10 Euro ist zweckgebunden für die Altersvorsorge bestimmt; die Auszahlung des Kapitals soll grundsätzlich erst ab dem 65. Lebensjahr erfolgen.

Der Start ist rückwirkend zum 1. Januar 2026 für den Geburtsjahrgang 2020 vorgesehen. Ab dem Jahr 2027 soll jährlich der jeweilige Jahrgang der dann Sechsjährigen hinzukommen. Frühere Jahrgänge unter 18 Jahren können Verträge ohne staatliche Förderung abschließen. Mit Erreichen der Volljährigkeit kann das Depot eigenständig weiterbespart werden. Zudem können Eltern und Großeltern bis zu 6.840 Euro jährlich zusätzlich einzahlen.

Für die Ausgestaltung der Verträge gelten feste Vorgaben: Die Depotkosten sollen auf 1 % jährlich begrenzt sein, während bis zum 18. Geburtstag keine Abschluss- und Vertriebskosten anfallen dürfen. Sofern die Familie kein eigenes Depot einrichtet, soll die Bundesbank das Geld verwalten und breit gestreut anlegen.

Eine Übertragung in einen eigenen Vertrag ist bis zum 25. Lebensjahr möglich. Die Kosten der staatlichen Förderung beziffert die Bundesregierung auf 198 Mio. Euro im Jahr 2027 und auf jährlich 411 Mio. Euro bis 2030.

Berechnungen zu Ertrag und Kosten

Lars Klingbeil bezeichnete das Projekt als Beitrag zu mehr Gerechtigkeit. Nach seiner Schätzung könnten allein aus der staatlichen Förderung bis zum Renteneintritt 53.000 Euro entstehen. Bei einer zusätzlichen Einzahlung von monatlich 20 Euro durch Eltern oder Großeltern beliefen sich die Berechnungen auf insgesamt 160.000 Euro.

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Modellrechnungen unabhängiger Stellen liefern differenzierte Zahlen. Eine Rechnung des WDR ergab, dass bei einer Durchschnittsrendite von 6 bis 7 % bis zum 18. Lebensjahr rund 2.000 Euro angespart werden können, wobei Depotkosten darin noch unberücksichtigt blieben.

Die Verbraucherzentrale berechnete, dass 2.000 Euro bei 7 % Rendite über rund 50 Jahre auf etwa 50.000 Euro anwachsen könnten; inflationsbereinigt bei einer Teuerungsrate von 2 % entspreche dies etwa 18.000 Euro. Zudem wiesen Verbraucherschützer darauf hin, dass der Unterschied zwischen Kosten von 0,2 % und 1 % über 62 Jahre hinweg einen Betrag von 25.000 Euro ausmachen könne.

Nach einer Berechnung von Finanztip könnten Einzahlungen von 1.440 Euro bis zum 18. Lebensjahr auf 2.200 Euro und bis zum Renteneintritt auf rund 25.000 Euro steigen, sofern die Inflation unberücksichtigt bleibt. Finanztip merkte an, dass die Förderung allein keine Rentenlücke schließe.

Politische Reaktionen und fachliche Einschätzungen

Fachleute aus der Ökonomie bewerten das Vorhaben als sinnvoll, da es privates Vermögen aufbaue und das Kapitalmarktwissen stärken könne; dabei gelte es jedoch, frühere Versäumnisse der Riester-Rente zu vermeiden. Verbraucherschützer raten Eltern dazu, Angebote zunächst abzuwarten und auf breit diversifizierte, kostengünstige Produkte zu achten.

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Zudem fordern sie eine stärkere Finanzbildung und Unterkonten, damit Heranwachsende die Entwicklung der Bundesbank-Anlage verfolgen können. Die Übertragung des Geldes in einen eigenen Altersvorsorgevertrag sehen sie im Rahmen von 18 bis 35 Jahren vor.

Im Parlament gibt es Gegenwind: Die AfD fordert stattdessen monatlich 100 Euro ab der Geburt. Die Linke kritisiert die staatliche Bezuschussung privater Verträge grundsätzlich. Ein Kommentar im Straubinger Tagblatt konstatierte, dass das Modell zwar die demografischen Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung nicht löse, aber dazu beitragen könne, die nächste Generation früher an die private Vorsorge heranzuführen.

Mehr zum Thema bei n-tv: „Bundestag berät über Frühstartrente: Staat will für Kinder zehn Euro monatlich ins Depot zahlen - n“

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