Kniearterien-Embolisation: Schmerzmedian sinkt binnen 12 Monaten von 7 auf 3
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.deWeltweit sind mehr als 365 Mio. Erwachsene von Kniearthrose betroffen. Wenn konservative Behandlungen keine ausreichende Linderung mehr verschaffen, eine Gelenkersatzoperation jedoch noch nicht indiziert ist, fehlen oft therapeutische Zwischenschritte.
Eine im Juni 2026 im Fachjournal Radiology publizierte Untersuchung der Charité Berlin liefert nun detaillierte Daten zu einem minimalinvasiven Verfahren: der Embolisation der Kniearterien (GAE). Die Methode zielt darauf ab, chronische Schmerzen bei mittelschwerer Arthrose gezielt über die Gefäßversorgung des Gelenks zu dämpfen.
Minimalinvasive Gefäßtherapie gegen chronische Gelenkschmerzen
In die Untersuchung der Charité Berlin wurden 194 Patienten mit Kniearthrose-Schmerz aufgenommen, bei denen eine mindestens dreimonatige konservative Therapie – darunter Physiotherapie, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und intraartikuläre Injektionen – erfolglos geblieben war. Das mediane Alter der Kohorte lag bei 69 Jahren, bei 114 Frauen und 80 Männern sowie einem medianen BMI von 28,4. Insgesamt führten die Mediziner 239 Eingriffe durch, wobei 45 Patienten (23%) an beiden Knien behandelt wurden.
Technisch erreichte das Verfahren eine Erfolgsrate von 100%. Die Behandler schalteten im Median 4 Gefäße pro Knie mit schnell resorbierbaren Gelatine-Mikrosphären einer Größe von 100–300 µm aus; die mediane Fluoroskopiezeit betrug 15,4 min. Das Verfahren sättigt überschüssige Blutgefäße und reduziert Entzündungsprozesse ohne dauerhafte Implantate. Es bewirkt allerdings keinen Knorpelaufbau und keine Heilung struktureller Schäden am Gelenk.
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Signifikante Schmerzlinderung und gesteigerte Lebensqualität
Die Auswertung der Schmerzwerte auf einer numerischen Rating-Skala (NRS 0–10) verzeichnete deutliche Rückgänge. Vor dem Eingriff lag der Schmerzwert im Median bei 7, sank nach 6 Wochen auf 4 und stabilisierte sich nach 6 sowie nach 12 Monaten bei einem Wert von 3. Über den vollen Zeitraum von 12 Monaten wurden 154 von 194 Patienten (79%) nachbeobachtet.
Nach 12 Monaten zeigten 80% dieser nachbeobachteten Personen eine klinisch relevante Besserung, definiert als eine Reduktion um mindestens 2 Punkte auf der NRS.
Auch die Werte im Knie- und Arthrose-Ergebnis-Score (KOOS) verbesserten sich über die verschiedenen Domänen hinweg:
- Schmerz: von 44 auf 65
- Symptome: von 51 auf 68
- Alltagsfunktion: von 53 auf 71,5
- Sport und Freizeit: von 15 auf 36
- Lebensqualität: von 19 auf 40
Zudem benötigte im gesamten Nachbeobachtungszeitraum kein Patient eine Knieprothese.
Geringe Nebenwirkungen und methodische Limitationen
Die Verträglichkeit der Katheterintervention erwies sich als günstig. Leichte Nebenwirkungen traten nach 6,7% der Eingriffe auf, darunter 15 transiente Hautverfärbungen sowie 1 Hämatom in der Leiste. Mittelschwere oder schwere Komplikationen wurden nicht registriert.
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Trotz der positiven Ergebnisse weist die Charité-Studie methodische Limitationen auf. Es handelt sich um eine monozentrische Arbeit ohne Kontrollgruppe und ohne bildgebende Verlaufskontrollen, weshalb sie keine Aussagen über eine mögliche Knorpelregeneration zulässt.
Um die Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit des Verfahrens abschließend zu sichern, sind weitere Langzeitbeobachtungen sowie große randomisierte Studien erforderlich, die zur Bestätigung der Ergebnisse derzeit laufen.
Geeignet erscheint das Verfahren nach derzeitigem Stand vor allem für Patienten mit mittelschwerer Arthrose, bei denen konservative Optionen ausgeschöpft sind, eine Operationsindikation aber noch nicht vorliegt.
