Kniearthrose: Langzeitanalyse zeigt 67 Prozent weniger Behinderungsrisiko
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kniearthrose gilt als eine der hÀufigsten altersbedingten Gelenkerkrankungen, doch die Behandlungsoptionen jenseits von Schmerzmitteln und Gelenkersatz sind begrenzt.
Eine auf dem Jahreskongress der American Society for Radiation Oncology (ASTRO) vorgestellte Langzeitanalyse einer randomisierten Studie an einer russischen Einzelklinik rĂŒckt nun einen ungewöhnlichen Ansatz in den Fokus: niedrig dosierte Strahlentherapie als ErgĂ€nzung zur medikamentösen Behandlung.
Strahlentherapie als ErgÀnzung zu Glucosamin und Chondroitin
In der Studie erhielten 292 Patienten mit Kniearthrose des Kellgren-Lawrence-Grades 0 bis 2 â schwerere FĂ€lle der Grade 3 und 4 waren ausgeschlossen â entweder ausschlieĂlich Glucosamin und Chondroitin oder zusĂ€tzlich eine niedrig dosierte Bestrahlung von 4,5 Gy, verteilt auf 10 Sitzungen. Das mediane Alter der Teilnehmenden lag bei 38 Jahren, die Nachbeobachtungszeit betrug im Median 11,9 Jahre.
Ăber diesen langen Zeitraum zeigte sich in der Gesamtgruppe eine um 67 Prozent niedrigere adjustierte Hazard fĂŒr eine behördlich bestĂ€tigte arthrosebedingte Behinderung in der Strahlengruppe im Vergleich zur reinen Medikamentengruppe.
Besonders deutlich fielen die Ergebnisse bei 78 Patienten mit Grad-2-Arthrose aus, wie laut einem Bericht vom 27. September 2026 berichtet wurde: Hier lag die Behinderungsrate bei 31 Prozent gegenĂŒber 61 Prozent in der Kontrollgruppe, die Rate an Knieersatzoperationen bei 14 Prozent gegenĂŒber 36 Prozent â beide Unterschiede waren statistisch signifikant. In der Gesamtgruppe erwies sich der Unterschied bei den Knieersatzoperationen dagegen als nicht signifikant.
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Nur in der Strahlengruppe hielten die Verbesserungen bei Schmerzen, Funktion und LebensqualitĂ€t langfristig an. MRT-Aufnahmen ĂŒber einen Zeitraum von drei Jahren zeigten zudem weniger strukturellen Knorpelabbau als in der Kontrollgruppe.
Offene Fragen zur Sicherheit
Berichtet wurden keine akuten Strahlenreaktionen und keine Krebserkrankungen im behandelten Feld. Allerdings wurden seltene SpĂ€tfolgen sowie das Krebsrisiko ĂŒber die gesamte Lebenszeit in der Studie nicht systematisch untersucht. Auch die Langzeit- und die Grad-2-Analysen selbst gelten den Autoren zufolge als explorativ.
Hinzu kommen methodische EinschrĂ€nkungen: Die Untersuchung fand an einer einzelnen Klinik in Russland statt, es gab keine Scheinbestrahlung als Kontrolle, und die MRT-Daten lagen nicht vollstĂ€ndig vor. Fachleute fordern deshalb eine gröĂere, multizentrische Studie mit Scheinbestrahlungsgruppe, um die Ergebnisse zu bestĂ€tigen, bevor der Ansatz breiter empfohlen werden kann.
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Einordnung in die bestehende Behandlungslandschaft
Die Daten deuten darauf hin, dass niedrig dosierte Strahlentherapie speziell bei mittelschwerer Arthrose des Grades 2 einen messbaren Zusatznutzen gegenĂŒber einer rein medikamentösen Therapie mit Glucosamin und Chondroitin bieten könnte â sowohl bei der Vermeidung von Behinderung als auch bei der Verzögerung von Knieersatzoperationen.
FĂŒr Patienten mit sehr frĂŒher Arthrose oder bereits fortgeschrittenen Stadien lĂ€sst sich aus der vorliegenden Analyse dagegen keine vergleichbar klare Aussage ableiten, da Grad 3 und 4 nicht eingeschlossen waren und die Gesamtgruppe bei den Knieersatzraten keinen signifikanten Vorteil zeigte.
Bis belastbarere, kontrollierte Daten aus gröĂeren Studien vorliegen, bleibt der Ansatz damit ein experimentelles Verfahren, das nach EinschĂ€tzung der beteiligten Forschenden weitere ĂberprĂŒfung benötigt, bevor es Eingang in breitere klinische Leitlinien finden könnte.
