Kniearthrose, Inulin

Kniearthrose und Inulin: Griffkraft steigt in Studie um 4,62 Kilogramm

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer sechswöchigen Studie verringerte Inulin Knieschmerzen und verbesserte die Griffkraft; die Autoren betonen den vorläufigen Charakter der Ergebnisse.
Eine rohe Chicorée-Wurzel auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Ernährungsansätze und der Einfluss des Darmmikrobioms rücken zunehmend in den Fokus der Forschung zu degenerativen Gelenkerkrankungen. Eine Untersuchung der University of Nottingham, die sogenannte INSPIRE-Studie, liefert nun neue Einblicke in das Potenzial des präbiotischen Ballaststoffs Inulin bei der Behandlung von Kniearthrose.

Die im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Arbeit analysiert, inwieweit eine Modulation der Darmflora Schmerzen lindern und funktionelle Parameter beeinflussen kann.

Studiendesign und Schmerzlinderung im Vergleich

Die Untersuchung der University of Nottingham wurde als randomisierte 2x2-faktorielle Studie über einen Zeitraum von sechs Wochen angelegt. Insgesamt wurden 136 Probanden randomisiert, von denen 117 Teilnehmende ausgewertet werden konnten.

Das Durchschnittsalter lag bei 67 Jahren, der durchschnittliche Body-Mass-Index betrug 29,5 kg/m² und der Frauenanteil lag bei 58 %. Die Probanden wurden auf vier Gruppen aufgeteilt: die tägliche Gabe von 20 g Inulin, ein digitales Physiotherapieprogramm, eine Kombination aus beiden Interventionen sowie eine Kontrollgruppe mit einem Placebo aus Maltodextrin.

Inulin ist eine pflanzliche Faser, die unter anderem natürlicherweise in der Chicorée-Wurzel und in der Jerusalem-Artischocke vorkommt. Bei der Schmerzreduktion auf einer Skala von 0 bis 10 erzielte die isolierte Gabe von Inulin im Vergleich zum Placebo eine Verringerung um circa 1,11 Punkte. Das digitale Physiotherapieprogramm erreichte eine Schmerzminderung um rund 1,55 Punkte, während die Kombination beider Ansätze zu einer Reduktion um circa 1,67 Punkte führte. Damit lagen alle aktiven Interventionen über der als klinisch relevant definierten Schwelle von einem Punkt. Sowohl Inulin als auch die Physiotherapie senkten den Knieschmerz gegenüber Placebo.

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Effekte auf Griffkraft und Stoffwechselprozesse

Neben den Gelenkbeschwerden untersuchten die Forscher der University of Nottingham weitere funktionelle Parameter. Dabei zeigte sich, dass nur Inulin sowohl die Schmerzempfindlichkeit als auch die Griffkraft verbesserte.

Die Griffkraft stieg in der Inulin-Gruppe im Vergleich zur Placebogruppe um 4,62 kg. In einer explorativen, vorab nicht festgelegten Analyse war zudem ein höherer Spiegel des Darmhormons GLP-1 mit einer besseren Griffkraft assoziiert.

Darmbakterien fermentieren den Ballaststoff zu kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat. Die Gabe von Inulin führte in der Studie messbar zu einem Anstieg von Butyrat, allerdings bestand keine signifikante Korrelation zwischen diesem Anstieg und der Schmerzlinderung. Hinsichtlich der Durchführbarkeit wies die Inulin-Supplementierung eine hohe Adhärenz von rund 88 % auf.

Bei 50 mit Inulin behandelten Personen traten in 23 Fällen milde gastrointestinale Nebenwirkungen wie Blähungen oder ein Völlegefühl auf, die jedoch zu keinen Studienabbrüchen führten. Demgegenüber lag die Abbruchquote in den Gruppen mit Bewegungsprogramm bei circa 21 %, verglichen mit 3,6 % in den Gruppen ohne Physiotherapie.

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Einordnung im Kontext der Gelenk- und Ernährungsforschung

Die Autoren der INSPIRE-Studie betonen, dass es sich um eine kleine und kurze Untersuchung handle, aus der sich keine endgültigen Schlüsse ableiten ließen. Inulin stelle keinen Ersatz für gezielte Bewegung oder die bestehende Standardtherapie dar.

Die Ergebnisse reihen sich in ein wachsendes Forschungsfeld zum Zusammenhang zwischen Lebensstil und Gelenkgesundheit ein. So zeigte eine Beobachtungsstudie mit fast 98.000 Erwachsenen ohne Arthrose zu Beginn, dass Teilnehmer mit den höchsten Werten auf einem Darmmikrobiom-Ernährungsindex – geprägt durch Vollkorn, Hülsenfrüchte und fermentierte Milchprodukte – ein um 9 % geringeres Risiko für Kniearthrose aufwiesen als Probanden mit den niedrigsten Werten.

Eine MRT-Studie mit 615 Erwachsenen brachte wiederum einen höheren Konsum ultra-verarbeiteter Lebensmittel mit vermehrtem Fetteinbau im Oberschenkelmuskel in Verbindung. Die Resultate aus Nottingham deuten darauf hin, dass gezielte Ballaststoffe wie Inulin künftig als ergänzender Baustein in multimodalen Behandlungskonzepten erforscht werden könnten.

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de | wissenschaft | 70432951 |