Kniestreckapparat, Patientin

Kniestreckapparat transplantiert: Patientin steht schon am zehnten Tag auf

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zwei komplexe Eingriffe in Polen und Sizilien eröffneten älteren Patienten nach schweren Knochenschäden Wege zurück zur Bewegung.

Individuelle Implantate und Transplantate ermöglichen älteren Patienten neue Mobilität
Ein heller, moderner Rehabilitationsraum in einer Klinik mit groĂźen Fenstern und natĂĽrlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Schwere Knochendefekte im Alter galten lange als kaum behandelbar. Zwei aktuelle Fälle aus Polen und Italien zeigen, wie individuell gefertigte Implantate und komplexe Gewebetransplantationen auch bei betagten Patienten wieder Bewegungsfähigkeit ermöglichen können.

Titanimplantat nach CT-Daten in Polen

Am Universitätsklinikum Zielona Góra operierten Orthopäden einem 75-jährigen Patienten mit massiven Beckenknochendefekten nach Lockerung einer Hüftpfannenprothese. Statt eines Standardimplantats setzte das Team ein individuell anhand von CT-Daten entworfenes Titanimplantat ein, das in Deutschland mit einer Genauigkeit von 0,1 Millimetern gefertigt wurde.

Planung und Herstellung nahmen laut dem Bericht drei Monate in Anspruch. Der Eingriff selbst dauerte etwa zwei Stunden und verlief ohne Komplikationen. Der Patient wird inzwischen mobilisiert und soll im Rahmen einer Rehabilitation wieder gehen lernen.

Der Fall verdeutlicht einen Trend zur Individualisierung von Implantaten bei komplexen Knochendefekten, die mit konfektionierten Prothesen nicht mehr versorgt werden können – ein Ansatz, der insbesondere bei älteren Patienten mit fortgeschrittener Knochenschädigung an Bedeutung gewinnt.

Vollständige Transplantation des Kniestreckapparats in Sizilien

Am Umberto I Hospital in Enna führte das orthopädische Team bei einer etwa 80-jährigen Patientin eine vollständige Transplantation des Kniestreckapparats durch. Das dafür verwendete Transplantat – bestehend aus Tuberositas tibiae, Patellarsehne, Patella und Quadrizepssehne – stammte aus der Knochenbank Rizzoli in Bologna.

Die Patientin hatte zuvor mehr als sechs Monate lang nicht gehen können und bereits eine Kniegelenkprothese sowie eine erfolglose Versorgung einer Patellafraktur hinter sich.

Bereits am zehnten Tag nach der Operation stand die Patientin auf und begann mit der Rehabilitation. Diese erfolgt in Zusammenarbeit von ASP Enna und einem Team der Kore-Universität.

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Nach Angaben der Klinik wurde ein derartiger Eingriff in Sizilien seit vielen Jahren nicht mehr durchgeführt – ein Hinweis darauf, wie selten und anspruchsvoll derartige Rekonstruktionen des Streckapparats sind, insbesondere bei Patientinnen in fortgeschrittenem Alter.

Bedeutung für ältere Patienten

Beide Fälle stehen exemplarisch für einen Bereich der Orthopädie, der sich zunehmend auf hochgradig individualisierte Lösungen für Patienten verlegt, bei denen Standardverfahren an ihre Grenzen stoßen.

Gerade bei über 75-Jährigen mit mehrfachen Voroperationen und ausgedehnten Gewebe- oder Knochenverlusten erweitern maßgefertigte Implantate und Transplantate aus Gewebebanken die Behandlungsmöglichkeiten, wo frühere Eingriffe – etwa Standardprothesen – bereits versagt hatten.

Auch das Alter der Patientinnen und Patienten in beiden Fällen ist bemerkenswert: Sowohl der 75-Jährige in Zielona Góra als auch die rund 80-jährige Patientin in Enna wurden trotz ihres fortgeschrittenen Alters für aufwendige rekonstruktive Eingriffe ausgewählt.

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In beiden Fällen stand am Ende der Operation eine strukturierte Rehabilitation, die auf die Wiedererlangung der Gehfähigkeit abzielt – in Zielona Góra durch Mobilisierung im Anschluss an die Operation, in Enna durch ein interdisziplinäres Team aus Klinik und Universität, das bereits zehn Tage nach dem Eingriff mit dem Aufstehen begann.

Die beiden Fälle zeigen, dass technische Präzision – etwa durch CT-basierte Implantatplanung mit Zehntelmillimeter-Genauigkeit – und der Zugriff auf spezialisierte Gewebebanken zunehmend Optionen eröffnen, die vor wenigen Jahren noch nicht routinemäßig zur Verfügung standen. Für ältere Patienten mit komplexen orthopädischen Vorgeschichten kann dies bedeuten, dass selbst nach gescheiterten Voroperationen noch Wege zurück zur Mobilität bestehen.

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