Kochen, Gehirn

Kochen schützt das Gehirn: Demenzrisiko sinkt um bis zu 67%

22.06.2026 - 17:03:57 | boerse-global.de

Der Anteil der Vegetarier in Deutschland steigt auf zwölf Prozent. Jüngere Generationen treiben den Wandel hin zu pflanzenbasierter Kost voran.

Deutscher Fleischkonsum im Wandel: Vegetarische Ernährung im Aufwind
Kochen - Eine vielfältige Auswahl an frischem Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten auf einem Holztisch, das gesunde und pflanzliche Ernährung symbolisiert. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 8,5 Millionen Menschen ernähren sich inzwischen vegetarisch – das sind etwa zwölf Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren.

Besonders bei Jüngeren zeigt sich der Wandel deutlich. Laut einem Bericht des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aus dem Jahr 2024 liegt der Anteil der Veganer bei den 14- bis 29-Jährigen bei sechs Prozent. Bei Menschen über 30 stagniert er dagegen bei etwa einem Prozent.

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Fleisch verliert an Bedeutung

Der tägliche Griff zur Wurst oder zum Schnitzel wird seltener. 2024 gaben nur noch 23 Prozent der Befragten an, täglich Fleisch zu essen. 2015 waren es noch 34 Prozent. Eine repräsentative YouGov- und SINUS-Studie aus August 2023 bestätigt den Trend: 51 Prozent der Deutschen achten auf eine fleischarme oder fleischlose Ernährung. Davon bezeichnen sich 38 Prozent als Flexitarier, zehn Prozent als vegetarisch oder pescetarisch und drei Prozent als vegan.

Medizinische Forschung: Kochen schützt das Gehirn

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt maximal 300 Gramm Fleisch pro Woche. Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht in pflanzenbetonter Ernährung große Vorteile, warnt aber vor Risiken: Bei veganer Lebensweise ist die Supplementierung von Vitamin B12 unerlässlich.

Eine Studie der Keck Medicine of USC vom 21. Juni 2026 untersuchte die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren auf das Alzheimer-Risiko. Trotz erhöhter DHA-Werte im Gehirn zeigte sich bei 365 Probanden über zwei Jahre keine Verbesserung des Gedächtnisses. Die Forscher vermuten, dass eine mediterrane Ernährung wirksamer sein könnte als isolierte Nahrungsergänzungsmittel.

Überraschendes Ergebnis einer japanischen Langzeitstudie mit 11.000 Senioren: Regelmäßiges Kochen senkt das Demenzrisiko bei Männern um 23 Prozent, bei Frauen um 27 Prozent. Der stärkste Effekt zeigte sich bei Personen mit geringen Kochkünsten – hier betrug die Risikoreduktion 67 Prozent.

Kritik an alten Ernährungsempfehlungen

Ernährungswissenschaftler Sven-David Müller äußerte heute Kritik an jahrzehntelangen Low-Fat-Strategien. Der Austausch von Fetten durch raffinierte Kohlenhydrate könne das Risiko für Fettleber und Typ-2-Diabetes erhöhen. Auch Harvard-Wissenschaftler hinterfragen vier Jahrzehnte fettarmer Ernährungsempfehlungen.

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Alternativmodelle wie die DASH-Diät oder „biblische Ernährung“ gewinnen an Popularität. Die DASH-Diät setzt auf kalium- und ballaststoffreiche Lebensmittel zur Blutdrucksenkung. Der Trend „Bible Food“ orientiert sich an der antiken Ernährung. Mediziner Peter Prock ordnet diese Form als medizinisch sinnvoll ein – sie entspreche weitgehend der mediterranen Küche.

Umweltaspekte treiben den Wandel

Neben gesundheitlichen Motiven spielen ökologische Gründe eine zentrale Rolle. Die Tierhaltung verursacht Schätzungen zufolge mehr als 15 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen. Laut Umfragen stimmen 56 Prozent der Verbraucher zu, dass weniger Fleischkonsum positive Auswirkungen auf das Klima hat.

Der Lebensmitteleinzelhandel wird zunehmend als Nachhaltigkeitsakteur wahrgenommen. Eine heute vorgestellte Studie des German Institute of Development and Sustainability (IDOS) bescheinigt Discountern wie Lidl und Aldi Süd eine führende Rolle bei Umweltthemen. Edeka und Rewe punkten dagegen bei regionaler Beschaffung. Die Studienautoren sehen jedoch ungenutztes Potenzial bei der Skalierung pflanzlicher Proteinquellen.

Hürden für die Ernährungswende

Trotz wachsender Akzeptanz gibt es Barrieren. Laut der YouGov-Erhebung von August 2023 nennen 48 Prozent der Fleischesser den persönlichen Geschmack als Hindernis, 32 Prozent ihre Gewohnheiten und 25 Prozent die Sorge vor Mangelerscheinungen.

Der Dresdner Professor Andreas Rutz forderte heute die Einführung eines Schulfachs Ernährung. Er kritisierte die Fast-Food- und To-go-Kultur und betonte die Notwendigkeit, Wissen über Regionalität, Saisonalität und Bio-Qualität systematisch zu vermitteln. Nur so lasse sich der Trend zu einer bewussteren Lebensweise langfristig festigen.

de | wissenschaft | 69604082 |