Köthen: Seniorin übergibt Bankkarte, Betrüger buchen über 4000 Euro ab
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 15:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deKriminelle geben sich bei Kontaktaufnahmen per Telefon oder Kurznachricht zunehmend als Bankmitarbeiter aus, um Kontoinhaber unter Druck zu setzen und vertrauliche Zugangsdaten abzugreifen. Durch das Vortäuschen akuter Sicherheitsrisiken oder angeblicher Fehlbuchungen verleiten die Täter ihre Opfer dazu, Fernzugriffsprogramme zu installieren oder Zugangsdaten preiszugeben.
Wie solche Übergriffe ablaufen, zeigen mehrere Vorfälle aus den vergangenen Tagen. Am 2. November 2026 erhielt ein 66-jähriger Mann in Ludwigshafen gegen 16 Uhr den Anruf eines vermeintlichen Bankangestellten, der von unregelmäßigen Aktivitäten auf dem Girokonto berichtete.
Der Betroffene folgte den telefonischen Handlungsanweisungen und meldete sich über das Fernwartungsprogramm AnyDesk mit seinen Bankdaten an. Nachdem der Anrufer versicherte, mit dem Konto sei wieder alles in Ordnung, stellte der Mann später unberechtigte Abbuchungen fest und erstattete Anzeige.
Bereits am 29. Oktober 2026 war es im Raum Köthen zu einem Betrugsfall gekommen. Gegen 19.30 Uhr kontaktierte eine angebliche Bankmitarbeiterin eine 85-jährige Frau und behauptete, deren Bankkarte sei missbräuchlich eingesetzt worden und müsse umgehend gesperrt werden.
Ein Kollege werde die Karte zur Entwertung persönlich abholen. Kurz darauf übergab die Seniorin ihre Bankkarte an ihrer Wohnanschrift einem Mann. Noch am selben Tag buchten die Täter mehrere Beträge ab, wodurch ein Gesamtschaden von mehr als 4000 Euro entstand. Die Karte wurde inzwischen gesperrt.
Maschen reichen von Fernzugriff bis zu manipulierten Apps
Die Polizei Ludwigshafen warnt in diesem Zusammenhang eindringlich davor, dass Banken am Telefon niemals PINs oder sonstige Zugangsdaten erfragen. Bei entsprechenden Verdachtsmomenten sollten Betroffene das Gespräch sofort beenden, auf die Nutzung der Rückwahltaste verzichten und das Finanzinstitut eigenständig über bekannte Rufnummern kontaktieren. Präventionsexperten der Polizei sind unter der Rufnummer 0621 963-21177 erreichbar.
Auch das russische Innenministerium wies laut Berichten auf typische Phrasen hin, die Kriminelle im Gespräch nutzen. Dazu zählen Behauptungen über unberechtigte Kreditanträge, Aufforderungen zu Schutzüberweisungen oder Hinweise auf angebliche Zugriffe aus dem Ausland. Zudem fordern Betrüger häufig zur Installation spezieller Schutzsoftware auf. Geldhäuser verlangen jedoch grundsätzlich keine telefonische Übermittlung von SMS-Codes.
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Neben direkten Anrufen setzen Angreifer auf manipulierte Software und digitale Kommunikationswege. Der Technikexperte José Cuadrado warnte vor Benachrichtigungen, die zu Aktualisierungen von Banking-Programmen auffordern.
Über Plattformen wie Mr. Robot erstellen Kriminelle Nachbildungen legitimer Bankanwendungen und locken Nutzer per Link auf teils gefälschte Store-Seiten. Nach der Installation und Freigabe von Zugriffsrechten können die Schadprogramme Bankdaten erfassen, Bestätigungscodes abfangen und eingehende Anrufe umleiten.
Auch in App-Stores finden sich immer wieder infizierte Anwendungen. Zscaler ThreatLabz identifizierte am 8. Oktober 2026 einen Installer des Banking-Trojaners Anatsa in einer PDF-Reader-Anwendung des Entwicklers Duka Zuri mit dem Paketnamen com.railforge.footplate.documentreader_pdfviewer, die mehr als 10.000 Installationen im Google Play Store aufwies.
Die Schadsoftware lädt Manipulationen als Update nach, erfragt Bedienungshilfen-Rechte, fängt Kurznachrichten ab und blendet fingierte Anmeldeseiten über Bankanwendungen ein. Am 9. Oktober 2026 war die Anwendung nicht mehr im Play Store abrufbar.
Da Kriminelle immer häufiger Banking-Apps und Messenger-Dienste auf Mobilgeräten angreifen, raten IT-Experten zu gezielten Sicherheitsvorkehrungen. Erfahren Sie in diesem gratis Leitfaden, wie Sie WhatsApp, PayPal & Co. endlich sicher nutzen und Ihre Daten vor fremdem Zugriff bewahren. Darum empfehlen IT-Experten genau diese 5 Schutzmaßnahmen für jedes Android-Smartphone
Steigender Druck auf den Finanzsektor
Verbraucherschützer vom Phishing-Radar berichteten zudem über gefälschte Schreiben im Namen der Consorsbank mit Betreffzeilen wie „Handeln Sie jetzt: Zugang läuft heute ab – Sperrung droht“. Die Empfänger werden unter dem Vorwand einer Routineüberprüfung und drohender Kontosperrungen zum 23:59 Uhr des gleichen Tages dazu gedrängt, Bestätigungslinks zu öffnen.
Sicherheitsanalysen belegen den Umfang dieser Angriffsvektoren. Laut Kaspersky Lab Südostasien machten Angriffe auf Finanzdaten im Jahr 2025 einen Anteil von 47,48% aller blockierten Phishing-Vorfälle aus, was einen Zuwachs von 13,14% im Zehnjahresvergleich darstellt.
Weltweit nutzte 2025 mehr als jeder vierte Cyberangriff (25,76%) manipulierte Online-Banking-Inhalte. Bei Android-Banking-Malware verzeichnete das Unternehmen im Jahresverlauf 2025 einen Anstieg von 3.967 Vorfällen im Januar auf 75.000 im Oktober.
Eine BioCatch-Umfrage unter 100 italienischen Anti-Fraud-, AML- und Compliance-Managern im November 2026 ergab, dass 68% der Befragten steigende Betrugsverluste verzeichnen, wobei 76% der dortigen Institute Verluste von über 10 Mio. USD pro Jahr melden. Als häufigste Betrugskanäle wurden Messaging-Dienste mit 54%, soziale Netzwerke mit 48% sowie Smartphone-Apps mit 47% identifiziert.
