Tech-Allianz startet Gegenentwurf zu Microsoft Office
27.03.2026 - 14:00:04 | dpa.de
EuropĂ€ische Tech-Unternehmen wollen eine relevante Alternative zu Microsoft Office schaffen. Unter der FederfĂŒhrung der BranchengröĂen Ionos und Nextcloud wurde in Berlin eine neue europĂ€ische Initiative vorgestellt, die eine eigene freie Office-Suite namens «Euro-Office» entwickelt.Â
Achim WeiĂ, CEO von Ionos, sagte, angesichts der geopolitischen Entwicklungen des letzten Jahres brauche Europa dringend eine zuverlĂ€ssige, vollstĂ€ndig Microsoft-kompatible und einfach zu bedienende, souverĂ€ne Office-Lösung. «Unsere Initiative bietet eine Suite mit einer vertrauten OberflĂ€che, die alle Funktionen zur Arbeit mit Texten, PrĂ€sentationen und Tabellen umfasst.»
OnlyOffice unter europĂ€ischer KontrolleÂ
Die technologische Grundlage fĂŒr dieses Projekt bildet die quelloffene Software OnlyOffice. Das digitale BĂŒropaket aus Riga, das aus einer Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation und einem PrĂ€sentationsprogramm Ă€hnlich wie Microsoft Word, Excel und PowerPoint besteht, lĂ€uft in einem Browser. Die Entwickler legten dabei starken Fokus darauf, dass die Dateien mit den Microsoft-Office-Formaten kompatibel sind. Im Gegensatz zu anderen Microsoft-Alternativen wie LibreOffice oder OpenOffice schleppt OnlyOffice nach EinschĂ€tzung von Experten keine technischen Altlasten mit sich herum, sondern verfĂŒgt ĂŒber ein modernes technisches Fundament.Â
Problematische Russland-Connection
Als problematisch erwies sich allerdings eine Querverbindung zu Russland. Das hĂ€ngt maĂgeblich mit der komplexen Unternehmensgeschichte von OnlyOffice zusammen. Das Entwicklerunternehmen, die Ascensio System SIA, sitzt zwar im EU-Staat Lettland, ist jedoch die Tochtergesellschaft eines russischen Unternehmens. Dies hatte weitreichende Konsequenzen: Infolge der EU-Wirtschaftssanktionen gegen Russland wurde europĂ€ischen Organisationen die Nutzung der kommerziellen Version von OnlyOffice untersagt.Â
Durch die Ăbernahme der Codebasis durch das europĂ€ische Konsortium soll dieses Risiko kĂŒnftig komplett beseitigt werden. «Wir haben den Source-Code verifiziert und verbessert sowie die Sicherheit ĂŒberprĂŒft, sodass wir jetzt ein solides Produkt haben», sagte Nextcloud-CEO Frank Karlitschek.
Breite BranchenunterstĂŒtzung und ehrgeiziger ZeitplanÂ
Das Projekt wird von einer breiten Allianz aus ganz Europa getragen. Neben Ionos und Nextcloud beteiligen sich Anbieter wie EuroStack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian und bTactic an der Entwicklung und dem Betrieb der souverÀnen Office-Software. «Europa hat die Technologie, die Unternehmen und die Talente, um seine digitale Infrastruktur selbst zu betreiben. Was fehlt, ist die konsequente Nutzung, die Innovation und UnabhÀngigkeit tatsÀchlich vorantreibt», sagte Karlitschek.
Der Nextcloud-Chef betonte, sowohl die USA als auch China setzten ihre staatlichen IT-Ausgaben gezielt ein, um die eigene Industrie zu stĂ€rken. «Europa hingegen verhĂ€lt sich im eigenen Markt wie ein Zuschauer: Es flieĂen jedes Jahr Hunderte Milliarden an Steuergeldern in Systeme, die wir nicht kontrollieren. Wenn wir das Ă€ndern wollen, mĂŒssen wir anfangen, unsere eigenen Lösungen auch wirklich einzusetzen â Euro-Office zeigt, dass die Voraussetzungen dafĂŒr lĂ€ngst da sind», sagte Karlitschek.
Interessierte Organisationen können die Software bereits testen: Eine Tech-Preview von Euro-Office ist ab sofort verfĂŒgbar. Die Veröffentlichung einer ersten stabilen Version ist fĂŒr den Sommer geplant, die dann auch fĂŒr die Allgemeinheit nutzbar sein soll.
Fakten statt BauchgefĂŒhl: Investierst du schon nach wissenschaftlichen MaĂstĂ€ben?
FĂŒr. Immer. Kostenlos.

