KomplementÀrmedizin, Charité-Studie

KomplementÀrmedizin: Charité-Studie zeigt Nutzung bei 70 Prozent der Befragten

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 11:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Charité-Befragung zeigt verbreitete TCIM-Nutzung und mehrheitlich positive Bewertungen; besonders hÀufig kommen die Verfahren bei Atemwegs- und Magen-Darm-Beschwerden zum Einsatz.

Charité-Studie: 70 Prozent nutzen komplementÀre Medizin
Ein minimalistischer Behandlungsraum mit natĂŒrlichem Licht, getrockneten Lavendelzweigen in einer Vase und LeinentĂŒchern. Illustration mit AI erstellt.

Die Anwendung traditioneller, komplementĂ€rer und integrativer Medizin (TCIM) ist in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet. Wie eine im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchung der CharitĂ© Berlin im Fachmagazin BMC Complementary Medicine and Therapies zeigt, greift ein Großteil der BĂŒrger auf entsprechende Behandlungsmethoden zurĂŒck.

Die Erhebung, die auf einer online-reprÀsentativen Befragung von 4.065 Personen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren basiert, liefert detaillierte Einblicke in das Nutzungsverhalten und die Einstellung der Patienten zu diesen Therapieformen.

Hohe Nutzungsraten und positive Einstellung in der Bevölkerung

Die Ergebnisse der Studie belegen eine hohe Lebenszeit-PrÀvalenz: Demnach haben 70 Prozent der Befragten bereits mindestens einmal in ihrem Leben TCIM-Leistungen in Anspruch genommen. Auch die kurzfristige Nutzung ist signifikant ausgeprÀgt. Rund 32 Prozent der Teilnehmer gaben an, innerhalb der letzten 12 Monate komplementÀrmedizinische Verfahren genutzt zu haben, wÀhrend 18 Prozent als aktuelle Nutzer eingestuft werden.

Parallel zu diesen Nutzungszahlen zeigt sich eine mehrheitlich positive Grundhaltung gegenĂŒber integrativen Heilmethoden. Laut dem Bericht der CharitĂ© Berlin verfĂŒgen 52 Prozent der Befragten ĂŒber eine positive Einstellung zu TCIM.

Die Studienleitung unter Tido von Schoen-Angerer weist zudem darauf hin, dass der wahrgenommene Nutzen ĂŒber insgesamt 15 untersuchte Krankheitskategorien hinweg zwischen 61,4 Prozent und 86,2 Prozent liegt. Im Mittel bewerten 70,8 Prozent der Anwender die Behandlungen als hilfreich. Finanziert wurde das Forschungsprojekt durch die Karl und Veronica Carstens Stiftung.

Schwerpunkte bei Atemwegs- und Magen-Darm-Beschwerden

Besonders hÀufig kommen komplementÀrmedizinische AnsÀtze bei Infektionen und chronischen Leiden zum Einsatz. Die höchste Lebenszeit-Nutzung verzeichnete die Studie bei akuten Atemwegserkrankungen mit 55,9 Prozent.

Ebenfalls stark vertreten sind Anwendungen bei Erkrankungen des Verdauungstrakts: 51,4 Prozent der Befragten nutzten TCIM bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, wÀhrend 49,2 Prozent sie bei akuten Beschwerdebildern in diesem Bereich anwandten.

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Interessanterweise stellten die Forscher fest, dass kein direkter Zusammenhang zwischen der tatsÀchlichen NutzungshÀufigkeit bestimmter Verfahren und der globalen ForschungstÀtigkeit in den jeweiligen Teilbereichen besteht. Dies deutet darauf hin, dass die PatientenprÀferenz und der wahrgenommene Nutzen in der Praxis unabhÀngig von der wissenschaftlichen Publikationsdichte agieren.

Wirkweise und Grenzen am Beispiel der Heilerde

Ein klassisches Beispiel fĂŒr komplementĂ€rmedizinische PrĂ€parate, die insbesondere bei Magen-Darm-Beschwerden Anwendung finden, ist Heilerde. Wie Informationen der Apotheke zur alten Schmiede erlĂ€utern, unterscheidet sich deren Wirkmechanismus grundlegend von konventionellen Medikamenten wie Protonenpumpenhemmern (beispielsweise Omeprazol oder Pantoprazol).

WĂ€hrend Letztere die SĂ€ureproduktion im Magen aktiv verringern, wirkt Heilerde rein physikalisch. Durch eine große OberflĂ€che bindet sie MagensĂ€ure, GallensĂ€ure sowie Nahrungsstoffe und wird anschließend ĂŒber den Darm ausgeschieden.

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Dieser Mechanismus wird vorrangig bei leichtem oder gelegentlichem Sodbrennen sowie bei funktioneller Dyspepsie, dem sogenannten Reizmagen, eingesetzt. Bei einer Gastritis könne Heilerde laut Expertenberichten hingegen nur unterstĂŒtzend wirken, da hierzu die Datenlage fĂŒr eine alleinige therapy als unzureichend gilt.

Anwendungshinweise und Sicherheitsprofile

Trotz der hĂ€ufig guten VertrĂ€glichkeit komplementĂ€rmedizinischer Produkte wie Heilerde sind laut pharmazeutischer EinschĂ€tzung spezifische Anwendungsvorgaben zu beachten. Um Wechselwirkungen zu vermeiden, sollte bei der gleichzeitigen Einnahme anderer Medikamente ein zeitlicher Abstand von ein bis zwei Stunden eingehalten werden. Als seltene Nebenwirkungen werden DruckgefĂŒhl im Oberbauch oder Verstopfung angefĂŒhrt.

Zudem bestehen klare Kontraindikationen: Bei Darmverschluss oder vorliegenden Nierenfunktionsstörungen darf das Mittel nicht angewendet werden. FĂŒr sensible Patientengruppen wie Kinder, Schwangere und Stillende ist die Eignung jeweils produktabhĂ€ngig zu prĂŒfen.

Diese Differenzierung unterstreicht die Notwendigkeit einer fachkundigen Einordnung komplementĂ€rmedizinischer Verfahren, die trotz ihrer hohen PopularitĂ€t und der von der CharitĂ© Berlin belegten Akzeptanz im Einzelfall sorgsam abgewogen werden mĂŒssen.

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