Komplexe, Krankheitsverläufe

Komplexe Krankheitsverläufe: Drei Oldenburger Kliniken behandeln über 14 Jahre

Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 01:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Beispiele aus Kliniken zeigen, wie abgestimmte Behandlung Krebsversorgung, Rehabilitation, Schlaganfallhilfe und Pflege unterstützt.

Kliniken vernetzen Fachbereiche für komplexe Versorgung im Alter
Ein heller, moderner Krankenhausflur mit minimalistischer Architektur und einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Chronische und mehrfach wiederkehrende Erkrankungen im Alter stellen Kliniken vor die Aufgabe, Fachdisziplinen über Jahre hinweg eng zu vernetzen. Mehrere aktuelle Beispiele aus deutschen und österreichischen Gesundheitseinrichtungen zeigen, wie standortübergreifende Zusammenarbeit, spezialisierte Zentren und neue Trainingsangebote die Versorgung und Lebensqualität betroffener Patientinnen und Patienten verbessern sollen.

Ein Fall über 14 Jahre: Krebsbehandlung an drei Oldenburger Kliniken

Wie die Universitätsmedizin Oldenburg berichtete, wird ein Patient aus Hundsmühlen seit 2012 wegen Krebs interdisziplinär in drei Oldenburger Krankenhäusern behandelt – dem Pius-Hospital, dem Evangelischen Krankenhaus und dem Klinikum. Insgesamt durchlief er rund 20 Operationen sowie Bestrahlungen und Chemotherapien.

Die Erstdiagnose eines aggressiven Darmkrebses erfolgte 2012 im Alter von 46 Jahren. Im Jahr 2013 folgten drei Operationen am Klinikum Oldenburg, im April 2014 behandelte die Neurochirurgie des Evangelischen Krankenhauses einen Hirntumor als Absiedlung des Darmkrebses. 2016 legten Pius-Hospital und Klinikum Oldenburg gemeinsam eine neue Blase aus einem Darmstück an.

Im Jahr 2025 wurde ein erneuter Tumor in dieser Blase festgestellt, die daraufhin entfernt wurde. Prof. Dr. Dirk Weyhe von der Universitätsmedizin Oldenburg betonte, dass die Einrichtung interdisziplinär und standortübergreifend arbeite – ein Prinzip, das sich über die gesamte Behandlungsdauer des Patienten als tragend erwiesen habe.

Mobilität nach Rückenmarksverletzungen: Rollstuhltraining im öffentlichen Nahverkehr

Auch bei der Rehabilitation nach Lähmungen rückt die Vernetzung unterschiedlicher Akteure in den Vordergrund. Die BG Klinik Tübingen und die TüBus GmbH veranstalteten ein erstes praxisnahes Rollstuhltraining für die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs an der TüBus-Haltestelle BG Unfallklinik.

Fünf Patientinnen und Patienten in Aktiv- und Elektrorollstühlen übten dabei Positionierung, Ein- und Ausstieg sowie die Platzierung im Bus – abseits des Linienbetriebs und unter therapeutischer Begleitung. Chefarzt Dr. Andreas Badke erklärte, Ziel des Trainings sei ein Höchstmaß an Selbstständigkeit trotz Lähmung.

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Sabine Boßdorf von der TüBus GmbH ergänzte, das Fahrpersonal werde in ergänzenden Trainings geschult; in allen TüBus-Fahrzeugen sei die Rollstuhlmitnahme durch Rampen, Zuggurte und reservierte Stellplätze im Türbereich technisch möglich. Das Training soll mehrmals jährlich stattfinden, eine langfristige Kooperation ist geplant.

Schlaganfallversorgung als koordinierte Versorgungskette

Beim 18. Dresdner Schlaganfalltag bündelte das Uniklinikum Carl Gustav Carus Dresden neurologische, neuroradiologische und neurochirurgische Expertise. Die Versorgung ist von der European Stroke Organisation als Stroke Centre zertifiziert; das Zentrum koordiniert die gesamte Versorgungskette und gilt als überregionales Referenzzentrum. Prof. Hagen Huttner betonte, ein Schlaganfall müsse so schnell wie möglich versorgt werden, weshalb Warnsignale bekannt sein müssten.

Der Fall des 58-jährigen Frank Tichter, der im April 2024 während einer Dienstreise in Dresden einen Wake-up-Schlaganfall erlitt, illustriert die Behandlungskette: Auf eine intravenöse Lysetherapie wurde wegen des milden Verlaufs verzichtet, stattdessen erfolgte die Aufnahme auf die Stroke Unit und die Teilnahme an der internationalen OCEANIC-STROKE-Studie mit einem neuartigen Medikament zur Verhinderung weiterer Schlaganfälle über anderthalb Jahre Studienvisiten. Tichter spendete anschließend 25.000 Euro an die Stiftung Hochschulmedizin Dresden.

Beweglichkeit nach Gelenkersatz und Programme für Demenz und Beatmung

Auch im Bereich der Endoprothetik setzt man auf abgestimmte Betreuung: Das Endoprothetik-Zentrum der Spreewaldklinik Lübben, seit 2022 nach EndoCert zertifiziert, informiert bei einer Patientenveranstaltung am 7. Oktober 2026 über das sogenannte Rapid-Recovery-Konzept, das Vorbereitung, schonende OP-Verfahren, individualisiertes Schmerzmanagement und frühzeitige Mobilisation kombiniert. Studien zufolge ermöglicht dies schnellere Erholung, kürzere Krankenhausaufenthalte und ein reduziertes Komplikationsrisiko.

Parallel entwickeln das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) Saarbrücken und die EUROKEY Software GmbH im Projekt Skills4Dem ein digitales Lern- und Unterstützungssystem für Pflegefachpersonen im Umgang mit herausforderndem Verhalten von Demenzpatienten – ein Thema, da vier von fünf Demenzpatienten im Krankenhaus solches Verhalten zeigen. Ein erster Prototyp wurde in der Welt-Alzheimerwoche vorgestellt.

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Auch die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung profitiert von spezialisierter Vernetzung: Die AOK Baden-Württemberg führt das Programm PRiVENT dauerhaft fort und verbindet Intensivstationen mit fünf spezialisierten Weaning-Zentren, darunter die Thoraxklinik der Universität Heidelberg und das Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.

Laut vorliegenden Studien konnten 60 bis 80 Prozent der auf nicht spezialisierten Stationen als nicht entwöhnbar geltenden Patienten in einem Weaning-Zentrum doch von der Beatmung befreit werden.

Diese Beispiele – von der Krebsnachsorge über Rehabilitation und Schlaganfallversorgung bis zur Demenz- und Beatmungspflege – zeigen ein gemeinsames Muster: Komplexe, oft jahrelange Krankheitsverläufe im Alter lassen sich nach Einschätzung der beteiligten Einrichtungen nur durch enge Abstimmung mehrerer Fachdisziplinen und Institutionen bewältigen, um Beweglichkeit, Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten.

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