Konsumklima, NIM-Index

Konsumklima im Oktober: NIM-Index fällt auf minus 30,6 Punkte

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 17:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Schwache Kauflaune, höhere Sparbereitschaft und steigende Kosten belasten Unternehmen; Verbraucher gewichten den Preis stärker als Markenreputation.

Konsumflaute 2026: Insolvenzen und Sparneigung setzen Marken unter Druck
Eine leerstehende, verlassene Industriehalle mit staubigem Betonboden und kühlem Lichteinfall durch große Fenster. Illustration mit AI erstellt.

Die wirtschaftliche Situation im Konsumgüter- und Haushaltsbereich ist im Herbst 2026 von einem tiefgreifenden Wandel geprägt. Mehrere Insolvenzmeldungen bekannter Marken sowie Berichte über die Auflösung privater Vorsorgekonten verdeutlichen, wie stark steigende Lebenshaltungskosten und veränderte Prioritäten das Kaufverhalten beeinflussen. Unternehmen sehen sich zunehmend mit einer Kombination aus hohen Betriebskosten und einer ausgeprägten Kaufzurückhaltung konfrontiert.

Insolvenzwelle in Mode und Haushalt

In der Textilbranche steht die Sejour Moden, Muttergesellschaft der Blue Fire Co., vor strukturellen Herausforderungen. Berichten von Ende September 2026 zufolge beantragte das Unternehmen beim Amtsgericht Krefeld ein Eigenverwaltungsverfahren.

Während der laufende Betrieb und die Auslieferung der Herbst-/Winter-Kollektion 2026/27 gesichert seien, werde die bereits georderte Kollektion für das Frühjahr und den Sommer 2027 nicht realisiert. Das Unternehmen, das rund 25 Mitarbeitende beschäftigt, plant demnach bis zum Jahreswechsel ein neues Markenkonzept, um im Jahr 2027 einen Relaunch zu vollziehen.

Parallel dazu verdeutlicht die Situation der PartyLite Handelsgesellschaft in Wien den Rückzug internationaler Konzerne aus Teilmärkten. Nach dem Insolvenzantrag der Schweizer Muttergesellschaft stellte auch die österreichische Tochter ein Konkursverfahren.

Die Verbindlichkeiten belaufen sich laut KSV1870 auf rund 700.000 Euro. Ein wesentlicher Teil dieser Summe entfällt auf nicht eingelöste Gutscheine, deren vollständige Rückzahlung nicht garantiert werden könne. Da der US-Konzern sich aus Europa zurückzieht, ist für den österreichischen Standort keine Sanierung vorgesehen.

Auch andere Branchen wie das Bau- und Nahrungsmittelgewerbe sind betroffen. Der bayerische Fenster- und Türenhersteller Höhbauer beantragte Insolvenz, wovon etwa 330 Beschäftigte am Standort Luhe-Wildenau betroffen sind.

Hier belasten neben hohen Material- und Energiekosten vor allem die gestiegenen Zinsen die Nachfrage. In der Lebensmittelbranche meldeten die Genuss-Bäckerei Tillmann mit 105 Mitarbeitenden sowie die Duisburger Kettenfabrik Insolvenz an.

Konsumklima auf historischem Tiefstand

Die statistische Untermauerung dieser Entwicklung liefert das NIM-Konsumklima. Für den Monat Oktober 2026 sank der Index um 3,8 Punkte auf einen Wert von ?30,6 Punkten.

Besonders drastisch zeigt sich der Rückgang bei der Einkommenserwartung, die mit ?15,0 Punkten den niedrigsten Stand seit dem Frühjahr 2026 erreichte. Im Gegensatz dazu stieg die Sparneigung der Haushalte auf 21,5 Punkte an – ein Niveau, das zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2008 beobachtet wurde.

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Experten beobachten, dass besonders Haushalte mit guter finanzieller Ausstattung ihre Ausgaben reduzieren und verstärkt sparen. Zwar stieg die Konjunkturerwartung laut NIM-Daten leicht an, doch die Anschaffungsneigung verharrt mit ?10,8 Punkten im negativen Bereich.

Für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird für die Jahre 2026 und 2027 lediglich ein Wachstum von gut 1 % prognostiziert. Langfristige Prognosen für 2028 deuten ohne Reformen sogar auf eine weitere Abschwächung auf 0,4 % hin.

Finanzielle Priorisierung und Markenloyalität

Der Druck auf private Haushalte führt zu extremen Maßnahmen bei der finanziellen Priorisierung. Beispielhaft stehen Berichte über Privatpersonen wie Brandi Glanville, die zur Deckung hoher medizinischer Kosten ihre Ersparnisse aufbrauchen und Vorsorgekonten vollständig auflösen mussten. Monatliche Belastungen für Behandlungen zwischen 3.300 und 6.000 US-Dollar verdeutlichen die Schwere der finanziellen Belastung im Einzelfall.

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Dieses Umfeld verändert die Relevanz von Marken. Laut einer Studie von Roland Berger nennen 71 % der Konsumenten den Preis als eines der drei wichtigsten Kaufargumente, während die Markenreputation nur für 21 % ausschlaggebend ist. Daten von YouGov belegen zudem einen kontinuierlichen Zuwachs bei Eigenmarken: In den letzten vier Jahren stieg deren Anteil bei Reinigungsmitteln um 4 Prozentpunkte und bei Haarpflege um 3 Prozentpunkte.

Branchenexperten wie Martin Dunzendorfer erwarten vor diesem Hintergrund eine zunahme von Eigentümerwechseln, Schließungen und Insolvenzen, insbesondere bei kleineren, binnenmarktorientierten Herstellern. Selbst etablierte Großkonzerne wie Henkel, die 2026 ihr 150-jähriges Bestehen feiern, reagieren auf den Kostendruck durch Umstrukturierungen und Stellenstreichungen, um ihre Marktposition zu sichern.

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