Konzentration: Aufmerksamkeitsspanne sank auf 47 Sekunden
Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Anforderungen an die menschliche Konzentrationsfähigkeit haben sich im Zuge der Digitalisierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten massiv gewandelt.
Aktuelle Untersuchungen von Experten wie Dr. Gloria Mark verdeutlichen das Ausmaß dieser Entwicklung: Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne bei der Arbeit an Bildschirmen sank in den letzten 20 Jahren von etwa 2,5 Minuten auf lediglich 47 Sekunden. Diese Fragmentierung der Aufmerksamkeit stellt sowohl Einzelpersonen als auch Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen.
Die Psychologie der Ablenkung und ihre Folgen
Ein zentraler Faktor für die sinkende Konzentrationsdauer ist laut Dr. Gloria Mark die Nutzung sozialer Medien. Die damit verbundene Ausschüttung von Dopamin erhöhe die Anfälligkeit für digitale Ablenkungen kontinuierlich.
Die wirtschaftlichen und kognitiven Folgen sind beträchtlich: Mark zufolge vergehen nach einer Unterbrechung im Durchschnitt 25 Minuten, bis eine Person wieder zur vollständigen Refokussierung auf die ursprüngliche Aufgabe findet.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, werden verschiedene verhaltenspsychologische Ansätze diskutiert. Dr. Mark empfiehlt unter anderem die Stärkung der sogenannten Meta-Awareness – also das bewusste Wahrnehmen des eigenen Aufmerksamkeitszustandes. Zudem spielen die Planung von Aufgaben nach dem individuellen Chronotyp sowie regelmäßige Pausen eine entscheidende Rolle.
Körperliche Aktivität und der produktive Wert der Langeweile
Neben mentalen Strategien wird die physische Komponente als wesentlicher Faktor zur Steigerung des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit angeführt. Die American Heart Association belegte in einer Studie, dass tägliches Gehen das Risiko für Herzerkrankungen und Herzinfarkte senkt. In einer spezifischen Untersuchung über einen Zeitraum von 12 Wochen führte zügiges Gehen bei mehrgewichtigen Frauen zu einem Gewichtsverlust von fast 1 kg.
Der Sportpsychologe Ralf Brand wies darauf hin, dass Spaziergänge die größte unmittelbare Wirkung bei depressiven Verstimmungen entfalten können, wobei diese jedoch keinen Ersatz für eine medizinische Therapie darstellen.
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Ein oft unterschätzter Aspekt der Konzentrationsförderung ist zudem der bewusste Umgang mit Leerlauf. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass monotone Tätigkeiten wie das Abschreiben eines Telefonbuchs die Kreativität steigern können, da Langeweile die Gedanken zum Schweifen anregt.
Eine argentinische Studie aus dem Jahr 2022 identifizierte die Toleranz gegenüber Langeweile sogar als einen besseren Prädiktor für beruflichen Erfolg als reines Talent. Experten raten daher dazu, das Smartphone bewusst beiseitezulegen, um diese kreativen Prozesse zu ermöglichen.
Betriebliche Ansätze und frühkindliche Förderung
Auf organisatorischer Ebene rückt das Konzept des „Chronoworking“ in den Fokus. Dabei wird die Arbeitszeit an den natürlichen Biorhythmus der Beschäftigten angepasst. Laut Informationen von betriebsrat.de reicht einfache Gleitzeit oft nicht aus; stattdessen sollten komplexe Aufgaben gezielt in die individuellen Leistungsphasen gelegt werden.
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Betriebsräte können diesen Prozess unterstützen, indem sie Meeting-Zeiten, die Aufgabenverteilung und Schichtpläne prüfen oder Pilotprojekte initiieren. Während die Umsetzung in den Bereichen Büro und IT als gut realisierbar gilt, bleibt sie in der Schichtarbeit komplex.
Auch in der Erziehung ist die Förderung von Konzentration ein zentrales Thema. Die Erziehungsberaterin Dana Mundt von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) betonte, dass Kinder Konzentration durch Vorlesen, Spiele und feste Rituale erlernen.
Als hinderlich gelten Druck sowie parallele Reize, etwa ein laufendes Fernsehgerät im Hintergrund. Für Eltern bietet die bke zudem kostenlose Online-Beratungen an, um Strategien zur Förderung der kindlichen Aufmerksamkeit zu entwickeln.
