Koordinationstraining, Musizieren

Koordinationstraining: Musizieren, Tanz und Pingpong verjüngen das Gehirn

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 01:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Koordinativ und geistig fordernde Aktivitäten unterstützen Gedächtnis und Beweglichkeit; Tischtennis kann Parkinson-Symptome lindern.
Ein Tischtennistisch in einer hellen Sporthalle, der die Bedeutung von koordinativen Bewegungen für die Gehirngesundheit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Auswertungen verdeutlichen das Potenzial gezielter Bewegungsmuster: Koordinativ anspruchsvolle Aktivitäten wie Musizieren, Paartanz oder Pingpong verjüngen das Gehirn biologisch und können bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson den Krankheitsverlauf verlangsamen.

Die Verbindung aus geistiger Anforderung, Motorik und sensorischer Rückmeldung stimuliert neuronale Netzwerke auf eine Weise, die über reines Ausdauertraining hinausgeht.

Musikalische Praxis und Tanz als Schutzfaktoren

Wie stark komplexe Aktivitäten die Hirnsubstanz bewahren, belegt unter anderem eine Langzeitstudie der Universität Zürich. Demnach tragen körperliche und soziale Aktivitäten dazu bei, die Dicke des entorhinalen Kortex zu erhalten – eines Hirnareals, das für das Gedächtnis eine zentrale Rolle spielt.

Ergänzend zeigt die Untersuchung „Creative experiences and brain clocks“, dass die Gehirnstruktur von Tänzerinnen und Tänzern biologisch jüngeren Menschen ähnelt. Musikalisch aktive Personen weisen laut der Studie unabhängig davon, ob sie singen, Klavier spielen oder komponieren, ein biologisch jüngeres Gehirn auf als Nicht-Musiker.

Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangte die University of California: Ältere Erwachsene, die ein neues Instrument erlernten, verbesserten über Monate hinweg ihr Arbeitsgedächtnis sowie ihre kognitive Kontrolle. Dieser Zugewinn im Sinne einer Verjüngung der neuronalen Uhr blieb auch zwölf Monate später noch messbar.

Tischtennis in der Parkinson-Therapie

Auch im therapeutischen Bereich gewinnen koordinative Sportarten an Relevanz. In der Schweiz leben über 15.000 Menschen mit Parkinson, wobei die Tendenz steigend ist. Studien weisen darauf hin, dass Tischtennis sowohl motorische als auch psychische Symptome verbessern und den Verlauf der Erkrankung verlangsamen kann.

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Beim 2024 gegründeten Verein Pingpong Parkinson Schweiz treffen sich beispielsweise in Kirchberg BE regelmäßig rund zehn Betroffene zum Training. Die Einheit kombiniert physiotherapeutische Elemente wie große Bewegungen, Gleichgewichtsübungen und Rumpfrotationen mit dem freien Spiel.

Kerstin Schweyer, Oberärztin für Neurologie an der Klinik Hirslanden Zürich, betont, dass Pingpong neben Koordination, Feinmotorik und Balance auch Aufmerksamkeit sowie Kognition fordere. Zudem komme der sozialen Interaktion ein hoher Stellenwert zu, da viele Parkinson-Erkrankte unter Depressionen und Angststörungen leiden.

Kognitiv-motorisches Training und Neuroplastizität

Fachleute sehen in der Verbindung von geistigen und körperlichen Reizen den wirksamsten Hebel für neuroplastische Anpassungen. Elena Konnova von der russischen FNKZ FMBA bezeichnet das Erlernen einer Sprache oder eines Musikinstruments als Goldstandard der Neuroplastizität, da beide Hemisphären synchron beansprucht würden, was das Demenzrisiko deutlich senken könne.

Körperliche Aktivität wie Tanzen, Yoga oder Teamsport im Umfang von 150 Minuten moderater oder 75 Minuten intensiver Belastung pro Woche verbessere zudem die Hirndurchblutung und rege die Bildung des Wachstumsfaktors BDNF an.

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Dass strukturelle Veränderungen rasch eintreten können, zeigt das Jonglieren: Bereits nach drei Wochen regelmäßigen Trainings wächst bei Anfängern die Menge grauer Substanz in Scheitel- und Hinterhauptslappen, die für visuelle Informationsverarbeitung und Bewegungssynchronisation zuständig sind.

Da Neuroplastizität durch Alter oder Stress nachlassen kann, kommen in Abstimmung mit Fachärzten mitunter nootropische Präparate infrage, ergänzt durch B-Vitamine, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren.

Nach Einschätzung von Anna Milani etablieren sich kognitiv-motorisches Dual-Task-Training und Neurofitness zunehmend als eigene Disziplin. Die gleichzeitige Bewältigung einer motorischen Basisaufgabe und einer regulierbaren Denkaufgabe aktiviere zentrale Kontrollstrukturen stärker als isolierte Übungen.

Ergänzend dazu zeigte die Schweizer Brain-IT-Studie mit 32 Teilnehmenden bei leichter kognitiver Beeinträchtigung, dass ein zwölfwöchiges Heimtraining von mindestens 120 Minuten pro Woche die neuronale Aktivität im Hippocampus normalisieren und in Arealen wie Precuneus und Gyrus cinguli steigern kann.

Um die Anpassungsfähigkeit im Alltag hochzuhalten, raten Experten zudem zu einfachen Routinen wie dem Nutzen der nicht-dominanten Hand, dem Auswendiglernen von Informationen oder variantenreichen Wegen im Alltag.

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