Kortison bei Kniearthrose: Spritzen lindern Schmerzen nur zwei bis zehn Wochen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deMedizinische Fachberichte betonen verstärkt die Bedeutung physikalischer Therapien, vorsichtiger Bewegung und frühzeitiger ärztlicher Beratung, um fortschreitende Gelenkschäden und Fehlstellungen bei Kniearthrose zu vermeiden.
Da keine bestehende Behandlungsmethode die degenerative Erkrankung definitiv heilen oder verloren gegangenen Knorpel verlässlich wiederherstellen kann, konzentrieren sich moderne Behandlungsstrategien primär auf die Linderung von Schmerzen, den Erhalt der Gelenkbeweglichkeit und die Stabilisierung des Gelenks.
Gezieltes Training und konservative Entlastung
Gelenkknorpel besitzt nur eine sehr begrenzte Regenerationsfähigkeit. Regelmäßige und gelenkschonende Aktivitäten wie Radfahren, flaches Gehen, Schwimmen, Nordic Walking oder Tai-Chi fördern jedoch die Zirkulation der Synovialflüssigkeit und damit die Nährstoffversorgung des verbliebenen Gewebes.
Als allgemeine Trainingsstruktur werden drei- bis viermal wöchentlich 30 bis 45 Minuten Ausdauertraining, zwei- bis dreimalige Kräftigungseinheiten sowie ein mindestens zehnminütiges Aufwärmen beschrieben. Begleitend spielt die Ernährung, unter anderem mit Vitamin C, D, K sowie Omega-3-Fettsäuren, eine unterstützende Rolle.
In leichten Erkrankungsstadien stehen der Schutz vor Überlastung, Gelenkentlastung und spezifische Kräftigungsübungen im Vordergrund. Trainiert werden vor allem die Knieumgebung, die Oberschenkelvorderseite über den Quadrizeps sowie Gesäßmuskeln, Hüftaußenrotatoren und Hüftextensoren. Doç.
Dr. Sevim Öksüz von der DAÜ unterstrich im Rahmen der Aufklärungswoche für Arthritis, dass Inaktivität keine Lösung sei; die richtige Bewegung müsse vielmehr an die Krankheitsphase angepasst fortgeführt werden. Bei Gehproblemen können Gehhilfen entlasten, während bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion empfohlen wird.
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Laut Park Junsik, Chefarzt der Bonuri Orthopädischen Klinik, schwankt das Schmerzniveau bei Arthrose häufig, was Behandlungen oft verzögere. Kälte sei zwar kein Auslöser der Erkrankung, könne vorhandene Schmerzen jedoch verstärken.
Medikamentöse Therapien und Injektionsverfahren
Im Rahmen der medikamentösen Versorgung werden vorrangig topische Antiphlogistika eingesetzt. Orale Entzündungshemmer wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), deren Wirkung nach drei bis vier Tagen einsetzt und nach etwa einer Woche ihr Maximum erreicht, kommen ebenfalls in Betracht. Diese bergen jedoch Risiken für Magen, Leber, Nieren und das Herz-Kreislauf-System.
Bei stärkeren Entzündungsschüben werden mitunter intraartikuläre Injektionen eingesetzt. Kortison-Injektionen ins Kniegelenk – wie etwa Prednisonacetat in einer Dosierung von 25 Milligramm, begrenzt auf drei bis fünf Anwendungen – wirken meist nur kurzfristig für etwa zwei bis zehn Wochen und bieten keine definitive Heilung.
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Hyaluronsäure-Injektionen werden in einigen Leitlinienberichten nicht empfohlen, obgleich sie in einzelnen Praxiskonzepten noch geprüft werden. Für Verfahren mit thrombozytenreichem Plasma (PRP) oder Stammzellen fehlt bislang eine ausreichende wissenschaftliche Evidenz für eine Knorpelregeneration.
Kriterien für operative Eingriffe
In Deutschland leiden schätzungsweise fünf Millionen Menschen an arthrosebedingten Beschwerden, rund zwei Millionen sind täglich von Schmerzen betroffen. Die operative Versorgung bleibt jedoch das letzte Mittel. PD Dr. Johannes Schauwecker von der Dr. Lubos Klinik Bogenhausen betont ein konsequentes Ablehnen von Operationen, solange diese nicht zwingend notwendig sind.
Laut Prof. Johannes Beckmann von den Barmherzigen Brüdern München ist der Zeitpunkt für einen Gelenkersatz meist erreicht, wenn konservative Maßnahmen erschöpft sind, Ruheschmerzen oder nächtliche Beschwerden auftreten, die Gehstrecken deutlich schrumpfen und bildgebende Verfahren einen starken Verschleiß belegen. Das operative Vorgehen reicht von der Gelenkspülung und Entfernung freier Gelenkkörper über knochenkorrigierende Osteotomien bei Deformitäten bis hin zur Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) bei zerstörten Gelenkflächen.
Auch bei einer Knie-TEP besteht jedoch keine Garantie auf vollständige Schmerzfreiheit. In modernen Konzepten stehen viele Patienten bereits am Operationstag mit Unterstützung wieder auf. Zu Knorpeltherapien, Prothetik und robotergestützten OP-Verfahren informiert unter anderem auch Chefarzt Dr. med. Peter Riess vom Helios-Klinikum Niederberg in Velbert am 4. November um 18 Uhr im Rahmen einer Patientenveranstaltung.
