Kraftsport-Mythen, ACSM

Kraftsport-Mythen: ACSM widerlegt drei langjährige Irrtümer

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Leitlinien widerlegen drei zentrale Irrtümer des Krafttrainings. Experten warnen vor den Gefahren der Muskeldysmorphie und überhöhter Proteinzufuhr.

Muskelsucht und Fitness-Mythen: Neue Studien 2026
Ein nachdenklicher Mann in einem modernen Fitnessstudio, der sein Spiegelbild betrachtet, als Symbol für Körperbildstörungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Grenze zwischen gesundem Sport und zwanghaftem Training ist fließend. Aktuelle Studien und Leitlinien aus dem Jahr 2026 zeigen: Während die psychische Belastung durch Körperbildstörungen zunimmt, widerlegen großangelegte Untersuchungen langjährige Mythen der Fitnessbranche.

Die unsichtbare Qual der Muskelsüchtigen

Muskeldysmorphie – auch „Adonis-Komplex“ genannt – ist eine psychische Störung. Betroffene sehen sich trotz ausgeprägter Muskulatur als zu schmächtig oder untrainiert. Die gestörte Körperwahrnehmung erzeugt einen inneren Zwang zu exzessivem Training.

Die Fixierung auf den eigenen Körper betrifft vor allem Männer. Sie leiden oft massiv unter ihrem verzerrten Selbstbild. Warnsignale sind obsessives Denken über den Körper, sozialer Rückzug zugunsten des Trainings und extrem restriktive Ernährung. In schweren Fällen drohen Depressionen, Angstzustände und ein erhöhtes Suizidrisiko.

Der Psychotherapeut Christian Strobel warnt: Ärzte sollten besonders bei Patienten mit exzessivem Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln oder Übertraining hellhörig werden.

Drei Mythen des Kraftsports fallen

Das American College of Sports Medicine (ACSM) veröffentlichte im März 2026 aktualisierte Leitlinien. Die Auswertung von 137 Reviews mit über 30.000 Teilnehmern räumt mit drei zentralen Irrtümern auf:

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Mythos 1: Muskelversagen ist nötig. Falsch. Training bis zum vollständigen Versagen ist für den Muskelaufbau nicht zwingend erforderlich. Es reicht, Sätze zwei bis drei Wiederholungen vor dem Versagen zu beenden.

Mythos 2: Spezielle Maschinen sind besser. Widerstandsbänder oder das eigene Körpergewicht erzielen vergleichbare Resultate wie teure Fitnessgeräte.

Mythos 3: Anfänger brauchen andere Programme als Profis. Basisübungen bleiben für alle Leistungsstufen effektiv. Starre Trennungen sind überholt.

Für gezielten Muskelaufbau empfehlen die Richtlinien mindestens zehn Sätze pro Muskelgruppe und Woche. Die exzentrische Phase – das kontrollierte Herablassen des Gewichts – sollte etwa drei Sekunden dauern.

Protein-Hype und Bauchfett-Gefahr

Der Trend zu extrem hoher Proteinzufuhr stößt bei Fachgesellschaften auf Skepsis. Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung (SGE) hält an der Empfehlung von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag fest. Eine ausgewogene Ernährung deckt diesen Bedarf im Regelfall ab. Spezielle Proteinprodukte sind oft teuer und nicht zwingend gesünder.

Dr. Yael Adler warnt vor einer anderen Gefahr: viszeralem Fett (Bauchfett). Es tritt auch bei äußerlich schlanken, aber untrainierten Personen auf. Das Fettgewebe fördert chronische Entzündungen und erhöht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Im extremen Bodybuilding kommen dagegen illegale Substanzen wie Trenbolon zum Einsatz. Das ursprünglich für die Tiermast entwickelte Steroid kann zu schweren Leberschäden, Bluthochdruck und psychischen Veränderungen führen.

Hilfe für Betroffene

Die Behandlung der Muskeldysmorphie erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Neben Psychoedukation kommen kognitive Verhaltenstherapie und die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) zum Einsatz. In manchen Fällen ist eine ergänzende medikamentöse Behandlung oder Ernährungsberatung nötig.

Dokumentierte Fälle aus Nordamerika und Europa zeigen: Die Symptome beginnen oft bereits im Jugendalter mit stundenlangem Training und Esszwang. Organisationen zur Unterstützung bei Körperbildstörungen raten Eltern und Angehörigen, auf negative Kommentare über den eigenen Körper oder zunehmende soziale Isolation zu achten. Frühzeitiges Eingreifen kann den Leidensweg verkürzen.

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