Krafttraining, Minuten

Krafttraining: 90 Minuten pro Woche senken Sterberisiko um 13%

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 02:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bereits 90 Minuten Krafttraining pro Woche reduzieren das Sterberisiko deutlich. Neue Studien belegen zellulÀre Effekte und lebensphasenabhÀngige Trainingsempfehlungen.

Krafttraining: Effektive Dosis senkt Sterblichkeit und schĂŒtzt GefĂ€ĂŸe
Ein fokussierter Sportler beim kontrollierten Krafttraining in einem modernen, hellen Fitnessstudio. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Studien zeigen: Gezieltes Krafttraining ist weit mehr als Muskelaufbau. Es senkt das Sterberisiko, schĂŒtzt die GefĂ€ĂŸe und hĂ€lt das Gehirn fit.

Weniger Training, mehr Effekt

Die gute Nachricht fĂŒr alle, die wenig Zeit haben: Schon 90 bis 119 Minuten Krafttraining pro Woche senken das Gesamtsterberisiko um 13 Prozent. Das belegt eine Untersuchung im British Journal of Sports Medicine mit ĂŒber 147.000 Probanden. Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt das Risiko sogar um 19 Prozent, bei neurologisch bedingten TodesfĂ€llen um 27 Prozent.

Interessant: Wer mehr als 120 Minuten pro Woche trainiert, profitiert hinsichtlich der Lebenserwartung nicht zusĂ€tzlich. Der Körper braucht offenbar keine endlosen Trainingseinheiten – sondern die richtige Dosis.

Auch das Deutsche Krebsforschungszentrum bestĂ€tigt: Bereits 40 bis 60 Minuten Krafttraining pro Woche reichen aus, um die WHO-Empfehlungen zu erfĂŒllen. Die Strategie dahinter nennt sich „Exercise Snacks" – kurze, intensive Bewegungseinheiten, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. SupersĂ€tze, also das direkte Hintereinanderschalten zweier Übungen, erhöhen zusĂ€tzlich die Effizienz.

Die Zell-Revolution im Muskel

Was beim Krafttraining genau im Körper passiert, haben Forscher der UniversitĂ€ten Hildesheim, Bonn und Freiburg untersucht. Ihre Ergebnisse publizierten sie Anfang August in Nature Communications. Demnach aktiviert Krafttraining ein spezifisches Proteinnetzwerk, das fĂŒr die Autophagie verantwortlich ist – die zellulĂ€re MĂŒllabfuhr des Körpers.

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Dieses System erkennt beschĂ€digte Muskelbestandteile, baut sie ab und fördert die Neubildung. FĂŒr den Profisport ist das ebenso relevant wie fĂŒr die Altersmedizin. Wer Muskelkater hat, sollte die betroffenen Bereiche ĂŒbrigens kurz schonen: Das Reparatursystem braucht Zeit fĂŒr seine Arbeit.

Ab 30 wird es ernst

Das US-Gesundheitsinstitut NIH beziffert den natĂŒrlichen Muskelverlust ab dem 30. Lebensjahr auf drei bis fĂŒnf Prozent pro Jahrzehnt. Krafttraining kann diesen Prozess wirksam stoppen. Die Experten der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen empfehlen deshalb eine Anpassung des Trainings an die Lebensphasen: Bis 20 Jahre steht die Technik im Vordergrund, zwischen 20 und 35 die Höchstleistung. Von 35 bis 55 zĂ€hlen kurze, intensive Einheiten, ab 55 geht es primĂ€r um den Erhalt der Muskelmasse.

Dass ein spĂ€ter Start möglich ist, zeigt das Beispiel der 80-jĂ€hrigen Charlotte Lim. Sie begann erst mit 72 Jahren mit dem Krafttraining – und bereitet sich im August auf die World Masters Athletics Championships in SĂŒdkorea vor.

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Die eigene Leistung fair bewerten

Wie stark bin ich wirklich? Forscher der IST-Hochschule DĂŒsseldorf und der Deutschen Sporthochschule Köln haben dafĂŒr einen Z-Score entwickelt. Er bewertet die Kraftleistungen bei BankdrĂŒcken, Kniebeuge und Kreuzheben im VerhĂ€ltnis zu Alter, GrĂ¶ĂŸe und Körpergewicht. Die zugrunde liegende Studie mit 393 Teilnehmern wurde im August in Nature Scientific Reports veröffentlicht. FĂŒr Menschen ĂŒber 65 ist das Modell allerdings noch nicht direkt anwendbar.

Die Shandong Sport University untersuchte zusĂ€tzlich die Bewegungsgeschwindigkeit: Eine kontrollierte, zweisekĂŒndige AbwĂ€rtsbewegung bei Kniebeugen brachte in einer achtwöchigen Testphase die besten ZuwĂ€chse bei Maximalkraft und Sprintleistung.

Eine wichtige Klarstellung zur Demenz

Zuletzt kursierte die Behauptung, Krafttraining senke das Demenzrisiko um 45 Prozent. Experten korrigieren das: Dieser Wert bezieht sich auf die Summe von 14 verschiedenen Risikofaktoren. Alleiniges Krafttraining schafft das nicht. Immerhin zeigt eine Harvard-Studie aus dem Vorjahr: Schon moderate tÀgliche Bewegung kann den kognitiven Verfall um mehrere Jahre verzögern.

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