Krafttraining bei Kindern: Keine Wachstumshemmung â neue Richtlinien
Veröffentlicht am: 07.09.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Lange Zeit hielt sich in der Sportwissenschaft und Medizin die Annahme, dass Krafttraining im Kindes- und Jugendalter das körperliche Wachstum hemmen könne. Aktuelle Analysen und Richtlinien internationaler Fachorganisationen revidieren dieses Bild jedoch grundlegend.
Den vorliegenden Daten zufolge ist ein strukturiertes Widerstandstraining bereits in jungen Jahren nicht nur sicher, sondern kann die physische Entwicklung positiv unterstĂŒtzen, sofern bestimmte altersgerechte Parameter eingehalten werden.
Wissenschaftlicher Konsens zur Sicherheit und zum Wachstum
FĂŒhrende internationale Institutionen wie die American Academy of Pediatrics (AAP), das Internationale Olympische Komitee (IOC) und die National Strength and Conditioning Association (NSCA) bestĂ€tigen in ihren aktuellen Stellungnahmen, dass Krafttraining kein Wachstumshemmnis fĂŒr Kinder und Jugendliche darstellt. Die BefĂŒrchtung, dass Belastungen die Epiphysenfugen (Wachstumsfugen) der Knochen schĂ€digen könnten, gilt bei fachgerechter Anleitung als widerlegt.
Demnach ist ein Training mit dem eigenen Körpergewicht bereits ab einem Alter von 7 bis 8 Jahren als sicher einzustufen. Der Einstieg in das Training mit leichten externen Gewichten wird fĂŒr die Altersspanne zwischen 11 und 13 Jahren empfohlen. Ein wesentlicher Sicherheitsfaktor bleibt dabei die fachliche Aufsicht und die korrekte AusfĂŒhrung der Ăbungen, um Verletzungsrisiken zu minimieren.
AltersabhÀngige Empfehlungen zur Trainingssteuerung
FĂŒr die Erstellung von TrainingsplĂ€nen im Jahr 2026 werden spezifische IntensitĂ€ten und HĂ€ufigkeiten herangezogen, die sich am biologischen Alter und dem Entwicklungsstand der Jugendlichen orientieren:
- 7 bis 12 Jahre: In dieser Phase liegt der Fokus auf der Gewöhnung an BewegungsablÀufe. Empfohlen werden zwei Trainingseinheiten pro Woche. Der Umfang sollte 1 bis 3 SÀtze mit jeweils 8 bis 15 Wiederholungen umfassen.
- 13 bis 14 Jahre: Mit Beginn der PubertÀt kann die IntensitÀt gesteigert werden. Fachleute raten hier zu Lasten, die zwischen 40 und 60 Prozent des Einwiederholungsmaximums (1RM) liegen.
- 15 bis 16 Jahre: In dieser Altersstufe wird eine Erhöhung der Frequenz auf drei Einheiten pro Woche sowie eine IntensitĂ€tssteigerung auf 65 bis 80 Prozent des 1RM als zielfĂŒhrend angesehen.
- 17 bis 18 Jahre: Jugendliche in diesem Alter können bereits ein Pensum von 4 bis 5 Trainingseinheiten pro Woche absolvieren, was einer AnnĂ€herung an das Training fĂŒr Erwachsene entspricht.
Gute Nachrichten fĂŒr Eltern: Krafttraining hemmt das Wachstum nicht â das bestĂ€tigen aktuelle Richtlinien von AAP, IOC und NSCA. Mit dem richtigen, altersgerechten Plan können Kinder ab 7 Jahren sicher trainieren und ihre Entwicklung positiv unterstĂŒtzen. Holen Sie sich jetzt den Leitfaden mit konkreten Trainingsempfehlungen fĂŒr jedes Alter. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Trotz der steigenden IntensitĂ€t bleibt eine wichtige EinschrĂ€nkung bestehen: Die DurchfĂŒhrung eines sogenannten 1RM-Tests, also die Ermittlung des maximalen Gewichts fĂŒr eine einzige Wiederholung, wird vor Erreichen des 16. bis 17. Lebensjahres nicht empfohlen.
Initiativen zur Bewegungsförderung im regionalen Kontext
Parallel zu den trainingswissenschaftlichen Erkenntnissen verstĂ€rken öffentliche TrĂ€ger und private Akteure ihre BemĂŒhungen, Kindern und Jugendlichen den Zugang zu sportlicher BetĂ€tigung zu erleichtern.
In Sachsen-Anhalt startet die AOK am 9. September 2026 das kostenlose Gesundheitsangebot âSportstundeâ. Das wöchentliche Programm findet im Calisthenics Park am Gesundbrunnen in Halle (Saale) statt und richtet sich ohne vorherige Anmeldung an alle Altersgruppen.
Auch im SĂŒdwesten Deutschlands werden neue Wege beschritten. Das Landratsamt Calw kooperiert mit der Kinderturnstiftung Baden-WĂŒrttemberg, um bereits bei Einschulungsuntersuchungen eine gezielte Beratung zu Bewegung und Sport anzubieten.
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Ziel dieser Initiative ist es, Eltern und Kinder frĂŒhzeitig ĂŒber die Bedeutung körperlicher AktivitĂ€t aufzuklĂ€ren. In Witten wurde zudem in den RĂ€umlichkeiten einer ehemaligen Tanzschule die Kinderturnhalle âVinysâ eröffnet, um Kindern durch niederschwellige Angebote Freude an der Bewegung zu vermitteln.
Diese regionalen Projekte unterstreichen den Trend, sportliche AktivitĂ€t und gezieltes Training als integralen Bestandteil der Gesundheitsvorsorge im Kindes- und Jugendalter zu etablieren. Die wissenschaftliche Absicherung des Krafttrainings bietet dabei eine erweiterte Grundlage fĂŒr moderne Trainingskonzepte im Schulsport und in Vereinen.
