Krafttraining im Alter: Eine Einheit pro Woche kann die Muskelkraft messbar steigern
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deSpezialisierte Fitness-Clubs und Gesundheitssportanbieter richten ihre Trainingsprogramme verstĂ€rkt an den BedĂŒrfnissen Ă€lterer Menschen aus. Angepasste Kraft- und Balancetrainings sollen dazu beitragen, die Muskelkraft bis ins hohe Alter zu erhalten und das Sturzrisiko im Alltag signifikant zu senken.
Der Hintergrund ist ein natĂŒrlicher biologischer Vorgang: Wie eine im Journal of Clinical Investigation publizierte Untersuchung darlegt, verliert der menschliche Körper ab etwa dem 30. Lebensjahr jĂ€hrlich rund ein bis zwei Prozent seiner Muskelmasse. Ab dem 60. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Abbau weiter.
Als wesentliche Ursachen gelten gestörte Reiz-Kopplungen zwischen Aktin und Myosin, Defizite bei der zellulĂ€ren Abfallbeseitigung sowie mitochondriale Fehlfunktionen, die zu einem RĂŒckgang von Adenosintriphosphat (ATP) und erhöhtem oxidativem Stress fĂŒhren.
Wissenschaftliche Belege fĂŒr den Nutzen von Krafttraining
Fachleute betonen die Wirksamkeit regelmĂ€Ăiger Krafteinheiten selbst bei vergleichsweise geringem zeitlichem Aufwand. Der Bewegungsforscher Christopher Hurst von der Newcastle University wies darauf hin, dass bereits eine einzige Krafttrainingseinheit pro Woche ab dem 50. Lebensjahr die Kraft messbar verbessern könne.
Diese EinschĂ€tzung stĂŒtzt sich unter anderem auf eine randomisierte Untersuchung aus dem Jahr 1999 mit 46 gesunden Frauen und MĂ€nnern im Alter von 65 bis 79 Jahren ĂŒber einen Zeitraum von 24 Wochen.
Bei einem Training mit Gewichten von rund 80 Prozent des Einmal-Maximums und drei SĂ€tzen Ă acht Wiederholungen stieg die Maximalkraft bei acht Ăbungen bei einmal wöchentlichem Training um rund 37 Prozent. Bei zwei Einheiten pro Woche lag der Zuwachs bei rund 42 Prozent, bei dreimaligem Training bei rund 40 Prozent.
Statistisch nachweisbare Unterschiede zwischen den Gruppen traten dabei nicht auf. Eine im Jahr 2024 im Fachblatt Sports Medicine veröffentlichte Ăbersichtsarbeit bestĂ€tigte ebenfalls, dass bei zuvor Untrainierten bereits eine wöchentliche Einheit zu einer messbaren Kraftverbesserung fĂŒhrt.
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Empfehlungen von Fachgesellschaften und Trainingsmethoden
Internationale und nationale Institutionen raten zu kontinuierlicher körperlicher AktivitÀt. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen muskelkrÀftigende AktivitÀten an mindestens zwei Tagen pro Woche sowie 150 bis 300 Minuten Ausdauertraining mittlerer IntensitÀt oder 75 bis 150 Minuten höherer IntensitÀt.
FĂŒr Menschen ab 65 Jahren rĂ€t die Organisation an mindestens drei Tagen pro Woche zusĂ€tzlich zu gezielten Gleichgewichts- und KraftĂŒbungen. Auch die ErnĂ€hrung spielt eine wichtige Rolle: Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung nennt fĂŒr Personen unter 65 Jahren einen tĂ€glichen Referenzwert von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht, wĂ€hrend fĂŒr normalgewichtige Personen ab 65 Jahren ein SchĂ€tzwert von 1,0 Gramm gilt.
Prof. Dr. JĂŒrgen GieĂing von der TU Kaiserslautern-Landau empfiehlt fĂŒr Ă€ltere Menschen ein hochintensives Training mit zwei Krafteinheiten pro Woche an nicht aufeinanderfolgenden Tagen. Dabei solle jeweils ein Satz mit zehn bis 15 langsamen Wiederholungen bis zur Erschöpfung ausgefĂŒhrt werden; fĂŒr Fortgeschrittene kĂ€men zwei bis drei SĂ€tze pro Muskelgruppe infrage. Den Proteinbedarf fĂŒr aktive Senioren beziffert der Sportwissenschaftler auf 1,2 bis 1,6 Gramm EiweiĂ pro Kilogramm Körpergewicht.
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Gezielte Ăbungen fĂŒr Koordination und SturzprĂ€vention
In der Trainingspraxis setzen Trainer auf eine Kombination aus Basiskraft und funktionellen BewegungsablĂ€ufen. Neben Ăbungen wie Kniebeugen und dem Hochstemmen vom Stuhl zur KrĂ€ftigung der Bein- und Armmuskulatur zielen spezielle AblĂ€ufe auf Koordination und Standfestigkeit ab.
Dazu gehören der Fersen-Zehen-Stand zur StĂ€rkung der Waden und des Gleichgewichts sowie kontrolliertes Beinschwingen. Der Einsatz von Hilfsmitteln wie GymnastikbĂ€ndern oder Balance-Pads unterstĂŒtzt die Gelenkmobilisierung und schult die koordinativen FĂ€higkeiten, um Gangunsicherheiten im Alltag wirksam vorzubeugen.
